Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601639
Antonio di Francesco. 
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Leben des hl. Rainer oder Raniero bezahlt, die 
er im Campo Santo angefertigt hatte und von 
denen jedes auf 70 Gulden geschätzt worden; 
war. Das erste Gemälde stellt den Heiligen dar, 
wie er sich aus dem gelobten Lande zur Heim- 
kehr naeh Pisa einsehiEt, sowie seine Ankunft 
in der Heimat: dort sieht man noch die Hafen- 
stadt, auf dem Meere schwimmt das Boot und in 
der Höhe erscheint Christus in der Glorie. Dieser 
Theil des Gemäldes hat sehr gelitten: der Kopf 
des Heiligen ist zerstört und alle Figuren bis auf 
die einzige neben S. Raniero sind übermalt. 
Den ersten Theil des Gemäldes trennt ein am 
Ufer sitzender Schiffer vom zweiten. Auf diesem 
aber werden zwei Szenen dargestellt: die Ge- 
schichte vom betrügerischen Wirth und die gast- 
liche Bewirthung des Heiligen bei den Domi- 
nikanern von Pisa. Dort, wo S. Raniero in 
seinem Gcwande das Wasser von dem Weine 
scheidet und den Teufel in Katzengestalt auf 
dem Feste zeigt, herrscht Aufregung, Entsetzen 
und Bewunderung; hier unter der Pfeilerhalle 
vor dem stillen Kloster waltet ein freundlich ge- 
lassenes Behagen.  Auch das zweite Gemälde 
vergegenwiirtigt zwei verschiedene Ereignisse. 
Zuerst die Ausstellung des Leichnams des 
Heiligen in S. Vito; links steht eine Gruppe 
Leidtragender, am Kopfende Klerus und Volk; 
rechts drückt ein Jünger die Hand des Meisters 
an seine Lippen und lässt sieh ein greiser Bruder 
von einem riistigen Genossen heranführen, noch 
einmal das Antlitz des Verewigten zu schauen. 
Vorn legt eine alte Mutter ihre wassersüehtige 
Tochter nieder, damit sie durch den wunder- 
wirkenden Todten geheilt werde. Ueber den 
Häusern und dem Kirehthurm im Hintergrunds 
wird endlich der Verklärte von vier Engeln zum 
Himmel getragen. Auf der anderen Seite des 
Gemäldes erfolgt die Uebertragung des Todten 
aus S. Vito nach der Kathedrale unter grosser 
Begleitung.  Das dritte Gemälde besteht wie- 
der aus zwei Haupttheilen, die aber beide sehr 
gelitten haben: die Ausstellung des Todten 
unter einem Baldachin in der Kathedrale, Wobei 
an Kranken allerlei Wunder geschehen, und die 
Wunderwirkung des Heiligen nach seinem Tode 
an denen, die ihn gläubig anrufen. 
schildern. Viele seinerFiguren sind ohne Zweifel 
Porträts (darunter auch der Ueberlieferung nach 
das seinige). Allein bei allem Realismus liebte er 
doch nach Vasari gerade das Zarte und An- 
mnthige, und inder Charakteristik erhob er sich 
bis zu edler Würde.  Seinem Wesen getreu 
stilisirt Antonio viel weniger seine Gewänder, 
als dass-er sie nach der Wirklichkeit bildete. Er 
unterscheidet selbst verschiedene Stoffe. Aber 
sednc Bekleidung lässt nicht nur die Formen der 
;Körper noch zur Geltung kommen, sondern gibt 
 auch den Gestalten etwas Schlankes. Die Archi- 
tekturen Antonids sind klar und bestimmt ; in der 
Perspektive hat er für seine Zeit Kusserordent- 
liehes geleistet. Ueberall führt er mit Feinheitund 
Sorgfalt aus. Vasari rühmt von seinen Fresken, 
dass nirgends Retuschen a seeeo vorkamen, und 
letzteres haben auch Crowe und Cavalcaselle 
noch erkennen können.  Der Stil der Dar- 
stellungen muss, wenn gleich die Ansichten da- 
rüber getheilt sind, für toskanisch gelten, wie 
denn auch Schnaase die Zeichnung giottesk 
findet, doch mit dem der späteren Zeit entspre- 
lehenden Streben nach grösserer Rundung. An- 
ltonio bildet so einen der Vorläufer für die Ent- 
wickelung, welche sich in den Malereien der 
'Kapelle Braneaeci in Del Carmine zu Florenz 
kundgibt. Daher ist an sich nicht unwahrschein- 
lich, was Vasari noch berichtet, dass A. der 
Lehrer des Gherardo Starnina und des Paolo 
Uecello gewesen. Dass durch ihn ein gewisser 
Zug des venezianischen Geistes nach Florenz 
gekommen und zur Hebung der dortigen Schule 
beigetragen hätte, wäre nicht undenkbar. Denn 
die Auffrischung-der verfallenden Florentinvi" 
Schule unter den späteren Nachfolgern des Giotto 
scheint überhaupt auf Einwirkungen zu beruhen, 
die theils von Siena, theils von Oberitalien aus- 
gingen ( Ungar). 
Die Charakteristik des Meisters, die Vasari 
schon bei jenen verlorenen Bildern andcutete, 
bestätigt sich (lurchaus an den Fresken des 
Campo Santo, soweit diese noch, insbesondere 
mit Hülfe der Abbildungen von Lasinio, beur- 
theilt werden können. Mit aufrnerksamem Auge 
und sicherer Hand folgt Antonio überall bis in 
alle Einzelheiten der Natur selber. Die nackten  
Körper zeigen ein überraschendes anatomisches: 
Verständniss, und an Kranken wird die Art ihrer 
Leiden und Gebrechen auf das bestimxnteste 
dargestellt. Vollendete Kindergestalten wurden 
erst von der späteren Renaissance geschaffen, 
aber sonst weiss Antonio die verschiedenen Al- 
ter, Beschäftigungen und Charaktere treffend zu 
 Eine gleichfalls noch 1386 für die Orgelka- 
pelle des Domes in Pisa gemalte Altartafel ist 
untergegangen.  Auch noch im J. 1387 war der 
Meister im Campo Santo beschäftigt, nament- 
lich mit der Restauration oder Vollendung der 
Fresken älterer Zeit. Hölle, Fegefeuer und Pa- 
radies wurden von ihm umrahmt, wobei er dann 
mit zwei Gehilfen für 4 Tage Arbeit 65 Lire und 
13 Denare bekam. Bedeutende Ergänzungen 
oder Ausbesserungen machte er an dem Werke 
Pietro Lorenzettfs, an (len Anaehoreten 
in der Thebais. Hier sind von seiner Hand der 
Leichnam des Onofrio und die Gestalt des Pafnu- 
zio, ferner der Beato Giovanni Gambacorti 
zwischen zwei schwebenden Engeln und unmit- 
telbar darüber die Gruppe von vier Einsiedlern, 
welche besonders lebenswahr erscheinen. Uebri- 
gens schloss sich Antonio bei diesen Malereien 
so getreu als möglich an Lorenzettfs Weise an. 
Nach Vasari kehrte Antonio von Pisa nach 
Florenz zurück und malte hier für Giovanni 
degli Agli in Nuovoli vor Porta Prato ein 
'l'abernakel, das Bottari vergebens suchte, von
        

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