Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601542
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Antonello da Messina. 
last der Signoria zu malen. Da nun dieser iml 
J. 1483 durch Feuer zerstört und erst 1493 wie-l 
der hergestellt war, der Tod des Künstlers aberl 
eingetreten zu sein scheint, ehe er die bestelltel 
Arbeit beginnen konnte, so hat man angenom- 
men, dass eben in jenes Jahr 1493 sein Tod fiel. 
Eine etwas vüllkührliche Voraussetzung; doch 
haben wir für die Zeitbestimmung seines Todes 
keinen anderen Anhaltspunkt, und wenigstens 
findet sich nach 1493 keine Spur mehr, dass er 
noch gelebt hätte. 
Die Bedeutung, welche A. für die Entwicke- 
lung der italienischen Malerei gehabt hat, liegt 
schon darin, dass er die neue Technik der Van 
Eyck in sein Vaterland brachte und damit die 
hohe Ausbildung vorbereitete, welche in Italien 
bald die Oelmalerei auf gleiche Stufe mit der 
Fresko-Malerei erhob. Allein, wie schon ange- 
deutet, auch über das Technische hinaus, in sei- 
ner Auifassungs- und Darstellungsweise war A. 
zunächst auf die Venezianer (neben lllantegna), 
dann auf die italienische Kunst überhaupt von 
grossem Einfluss. Als geborener Italiener be- 
hielt er immer den Sinn für eine gewisse Ein- 
fachheit und natürliche Schönheit der EPSGiIGi-i 
nung; damit suchte er dann, durch die flandri-l 
sehen Muster angeregt, genaue Charakteristikf 
Wahrheit des Details und feinste Ausführung. 
zu vereinigen. Diese beiden Seiten zu vcr-, 
schmelzen gelang ihm allerdings nicht; ein rca-l 
listischer Zug in der Wahl der Typen , Formenl 
und Bewegungen bleibt bei ihm vorherrschenchl 
wie andererseits eine gewisse Härte der Konture 
und Schärfe des Details öfters wiederkehrt. 
Daher büsst er nicht selten die Anmuth der Er- 
scheinung sowie den Formenadcl ein, welche die 
frühere italienische Kunst auszeichneten, und 
wird in der realistischen Darstellung einseitigy 
wie es auch die Florentiner waren. Allein durch-l 
weg kommt ihm jene Eigenschaft zu, welche 
ihm auf die nachfolgende Malerei eine so grosse 
Wirkung gesichert hat: das hervorragende kolo- 
ristische Talent, womit er seiner Färbung fast 
immer Glanz, Wärme und Durchsichtigkcit ver- 
leiht, sowie die malerische Anschauung über- 
haupt, welche, wenn sie gleich die Härte der 
Umrisse und eine gewisse Schärfe der Zeichnung 
beibehält, doch in der Modcllirung Weichheit, 
Fluss und Breite erreicht. Darin, wie anderer- 
seits im Glanz des Kolorits und in der Fülle des 
Tons, übertraf er auch seinen Vorgänger Jan 
Van Eyck, von dem er neben der Technik die 
feine Vollendung und Zartheit der Ausführung 
lernte. In jeder Beziehung aber, auch durch 
diejenigen Eigenschaften, welche seine Schranke 
bildeten, hat er die italienische Kunst sehr ge- 
fördert. Dies bethätigt sich namentlich in jenem 
Zweig der Malerei, darin A. selber eine seltene 
Meisterschaft bewährt hat: im Bildniss. Hier 
gelang ihm nahezu vollständig die Vereinigung 
des charakteristischen Details und der realisti- 
schen Bestimmtheit mit malerischer Fülle und 
)Schönheit der Erscheinung, hier erreichte er, 
 indem er streng die Natur wiedergab, doch durch 
 die ernste und zugleich edle Auffassung der Per- 
sönlichkeit, durch die gesammelte Kraft des 
Ausdrucks und den leuchtenden Schmelz der 
)Farbe eine gewisse Idealität, während ihm diese 
jin den religiösen Darstellungen, wo er sie öfters 
sichtlich anstrebt, nicht recht gelingen will. Da_ 
her hat er in dem Bildniss für die Venezianer 
leinen Kunstzweig geschaffen , darin diese mit 
fortschreitender Vollendung jede andere Schule 
ein ihren besten Leistungen zum Mindesten er- 
freieht, wenn nicht übertroffen haben. 
 S e i n e W e r k e. 
 s. Beglauhigt und ilnn mit Grund zugeschrieben: 
 M e s si n a: 
 1) In S. Gregorio: Jungfrau mit dem Kinde 
zwischen den hh. Gregorius und Benedikt, 
Figuren unter Lebensgrösse. Die Gewänder 
sind stark retusehirt. Auf den oberen Ta- 
feln die Verkündigung in Halb-Fig. Die 
Glorienseheine sind reich verziert und ver- 
 goldet. Bez: Aio Düi in" ceee" sectuagß- 
simo tertio. Antonellus Messaneus 5' me 
pinxit. s. Text. 
2) In S. Niecolö: Der hl. Nikolaus thronend 
und segnend, mit acht kleinen Darstellungen 
aus der Legende des Heiligen. Die Aecht- 
heit kann nicht fiir ausgemacht gelten, doch 
 stammt das Bild sicher aus der Werkstatt 
 Antonellds. s. Text. 
 3) Neapel, Sammlung Gactano Zir; 
 Ecee Homo. Brustbild, ganz von vorn 
 auf dunklem Grunde. Auf Holz. Bez. auf 
 einem Zettel auf der Brustwehr:  ntonellug 
 messa     Nach der Beschreibung Auriafg 
 das Bild aus der Sammlung Agliata zu P3.- 
 lenüo, welches bezeichnet war: Antonellus 
 de Messina me fecit 1470. s. Text. 
 4) Rom, Palazzo Borghese: Bildniss 
eines Mannes in schwarzem Barett und 1-0- 
them Kleid. Brustbild auf Holz. Abge- 
schnitten und daher ohne die Bezeichnung, 
welche sich wol ursprünglich darauf befand 
Hier irrthiimlieh Gio. Bellini benannt. Wahr- 
scheinlich das Bildniss eines Michael Via- 
nello, das im 16. Jahrh. dem Antonio Pag- 
qualino angehörte und 147 5 datirt War. 
s. Text. 
V e n e d i g : 
5) Akademie: Christus an die Säule gebun- 
den. Brustbild auf Holz unter L8b8nSgrÖS5e_ 
Bez. : Antonellus Messaneus me pinxit. Aus 
dem Palast Manfrin. s. Text. 
6) Ebenda: Nonne in Thränen. Auf Holz. 
Von dunkelolivenfarbigem Ton. Vielleicht 
nur ein Bild aus der Werkstatt Antonellus 
 7) Eben da: Jungfrau an einem Pulte lesend
        

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