Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601537
Antonello da Messina.  123 
 
ger ausgewählt, die Färbung eintöniger und in der Jungfrau, sowie die Landschaft in der Ferne, 
einem dunklen Olivengrün gestimmt. Wir sehen dann auch die Behandlung erinnern auifallend 
hier den Meister in eine neue, zugleich in die an Bellini; doch finden sich auch leise Anklänge 
letzte Stufe seiner Entwicklung eingetreten und an Cima. Körper und Gesichtsbildung zeigen 
nun seinerseits Einflüsse von anderen Meistern entschieden venezianisches Formgefühl, und die 
aufnehmen, während vordem Er es war, der auf Gewandung ist wol in den Brüchen noch flan- 
die Zeitgenossen cingewirkt hatte. drisch, nimmt aber schon italienischen Fluss an. 
NQßh etwag spätgy wurde  berufen, für den Die Lokalfarben der Gewänder Bind VOU email- 
Gerichtshof des Rathes der Zehn einen Leich- eftigein Glanz, des Fleieeh eher, init liiihlen 
nein Christi zu malen, der von drei Engeln Halbtönen und olivcnbraunem Schatten, dunkel 
über der Platte seines Grabes gehalten wird ehgetönt- Kein ZWeifelI hier geht Antenelle in 
(jetzt im Belvetlei-e zu Wien; s, Vem a) den Spuren Bellinfs, ohne ihn zu erreichen. 
Ne mit Hier ist dei- Reelismus der Fleinänder Es ist sehr möglich und sogar wahrscheinlich, 
noch verstärkt durch jenen anderen, der sich in dass A. um diese Zeit, ii- h- in den J- i489"i485, 
Venedig durch die Vivarini und Crivelli ausge- verschiedene lombardische Städte besucht und 
bildet hatte, und damit eine keineswegs enspre- dort sich aufgehalten hat. Maurolyco berichtet, 
chende Wirkung erreicht; andererseits finden dass auch Zu Mailand der Maler sehr berühmt 
wir mehr die Behandlung des Gio. Bellini, als War ("Medidani quoqne fuit perßelebrlß"): eine 
die frühere eigene des Meisters. Ueber einige Aussage, die allerdings Wedel durch Urkunden, 
geringere Bilder dieser Periode s. das Verz. a) noch durch andere Gewäiiisiiiäunei beglaubigt, 
N0. 6. 11. 14. b) No. 15. Die Zeit war vorüber, aber durch einen Umstand anderer Art doch be- 
wo er unter den Venezianischen Malern die Fiih- Stätigt Wird. Der hl. Sebastian war ein Mailän- 
rersehaft übernommen hatte; was diese von ihm diSeheT Heiliger. und Wenn 61' e-ueh (iuieh ganz 
lernen konnten, hatten sie sich angeeignet, und itelien öfters gemalt wurde, S0 (leeh besondere 
mit diesen so erworbenen Mitteln gingen sie nun häufig in Mailand. Dass A. gerade diesen Hei- 
ihre eigene Wege. Natürlich blieben die Mei- ligen ineiireie Male gemalt hat, lässt Sieh Viel" 
sten von ihnen hinter ihrem Muster zurück, leicht auf Reehnung Seines Mailänder Aufent" 
Einige aber erreichten es nielit bless, sondern haltes schreiben. Solche Brustbilder des hl. Se- 
übertrafen es sogar. Cima. z. B. entnahm Ante- bastian, der am Pfeiler sein Martyrium erleidet, 
nello die geglättete und glänzende Weichheit, linden Sieh in den Museen Zu B erlin, F rank- 
sowie den metallischen Ton seiner Behandlung in 1't und Bergamt) und in der Sammlung Mal" 
des Fleisches; Bellini sah ihm sein technisches dura zu Padua; doch was das Eine und An- 
Verfahrcn aus seiner früheren Zeit ab; Beide tiefe ileVen nur aus Seiner Werkstatt ketnnien 
aber überholten ihn in der Anmuth ihrer Gestal- (S- das Verzßiehnieel- 
ten, in der Freiheit und dem Reichthum ihrer  
Darstellungen. Als sich aber A. in dieser Weise In Letzte Lebenslaiim Charakteristik 
überhßlt Sah, hing eT gesucht haben die alte Ueberldie letzten Jahre, sowie über das Ende 
Stellung Wieder einzunehmen, eine Jenen Mei" seines Lebens haben wir nur ganz unzureichende 
Stein es gieieli zu thunl und 50 unbewusst Von Nachrichten. Ridolfi und nach ihm Federici er- 
dßr Art den Bellini Menehes engeneninien hehen- zählen , dass die Königin Caterina Cornaro bei 
In dieser letzten Epoche seiner Kunst ist er noch iln-ei- Riiekkelir von Cypei-n von ilim eine kleine 
immer ein bedeutender und interessanter Maler, Mudennuikuufte (nach Federiei eigentlich eine 
aber nißht mehr de? Meister Ven frühen Zi1' Verkündigung) zum Hochzeitsgeschenke einer 
gleich verliert seine Kunst Manches von ihrem ihrer Ehrendamen, Welche sich mit einem Aue- 
eigcntlliimlißhen Gepräge- Form und Geßiehtnf garo von Treviso vereheliehte. Das Bild war 
bildung seiner Figuren nehmen einen anderen nochgbis vor Kurzem in der Sammlung Avogaro 
Charakter an, die Gßwaudung einen anderen erhalten, scheint aber jetzt verschwunden. Ri- 
Fa-lteuwuii; auch die Zeiehnung ist in einem dolti berichtet auch, ohne daflir Belege beizu- 
anderen Stile, und das Flandrische geht, soweit bringen, dass A. die Fresken, zwei bewaifnetc 
dies bei den bestimmenden Einwirkungen, die Männer, an dem Grabmal des Senators Onigo 
61' in der Kunst ein für allemal empfangen, Inög- zu Treviso malte. Das bestreitet zwar Fede- 
lieh war, in das Italienische, näher in das Vene- rici aus der irrthümlichen Annahme, dass Onigo 
zianisehe über. Von allen den Bildern, welche erst nach Antonello im J  1491 gestorben sei; 
den Einfluss Bellini's zeigen, tritt dieser am Onigo starb 1490, A. erst drei Jahre später, und 
stärksten hervor in der Madonna des Berli- insofern könnte die Malerei ganz wol von Anto- 
ner Museums (s. Vcrz. a) N0. 21). Die Jung- nello herrühren. Allein die beiden noch vorhan- 
frau hält das Kind aufrecht auf einer Brustwehr, denen Figuren sehen weit mehr einem Werke 
dieses lehnt sich an ihren rechten Arm zurück; Bellinis gleich, als einer Arbeit Antonellds, und 
schlingt sein Aermchen um ihren Nacken und dass dieser so genau in der Manier des Ersteren 
fasst an den Saum ihres Leibchens. Der kurze gemalt habe, ist kaum anzunehmen. -Wie schon 
Nacken und der vorgestreckte Leib machen es früher bemerkt, erhielt A. auch von der Vene- 
nicht gerade anziehend. Insbesondere der Kopf zianischen Regierung den Auftrag, in dem Pa- 
16'"
        

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