Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601527
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Antonello da Messina. 
 
und Freund Bellinfs , die Bewegungen der Ge- jungen Mann vor, der in einer Oeifnung auf dem 
kreuzigten in dem Bilde Antonellds verschie- Grunde einer im Zwielichte fein abgestuften 
deutlich nachgebildet hat. Landschaft erscheint, in schwarzer Kappe auf 
Von einem Bildnisse, das sich jetzt im Besitz dem vorn kurz geschorenen Haar und in schwar- 
des Signore M 0 l fi n 0 zu G e n u a (s. Verz. a) zemWamms, überwelches ein mitPelzgefütterter 
N0. 10) befindet, wird uns berichtet, fdass es ehe- Mantel von der Schulter hängt. Ein feiner und 
mals auf einem Zettel eine Inschrift trug, welche zugleich charaktervoller Kopf mit heiterem Blick 
es als Selbstporträt Antonello's bezeichnete. Die und von blühendei-Gresichtsfarbe; auf das Sicher- 
Ausfiihrung dieses schönen aber nicht unbeschä- ste in zarten Uebergängen vom Licht zum 
digten Bildes, in welchem die Behandlungsweise Schatten modellirt, von dem saubersten Umriss 
des Meisters breiter als früher erscheint, mag um und der feinsten Ausführung, so dass selbst die 
1476 fallen. Das Angesicht ist dasjenige eines einzelnen Haare der Augenwimpern und die Re- 
Mannes in den vierziger Jahren, mit geschorenem iiexe in der Iris sichtbar sind. Dagegen ist der 
Haar; er trägt eine rothe Mütze und braunes Vortrag so verschmolzen, dass die Arbeit des 
Gewand; der Ausdruck nicht von grosser Be- Pinsels als solche nirgends hervortritt. Die Fär- 
deutung, aber frank und männlich. Das Bild ist bung verbindet sehr wirksam den weichen 
übrigens mit weniger Sorgfalt ausgeführt, als Schmelz des Fleisches mit einem Glanz von fast 
andere Werke dieser Zeit, auch nicht so durch- metallischem Schimmer, und unmerklich geht 
sichtig in der Färbung, nicht so wirksam im Hell- das helle Licht in graue Halbtöne, diese in 
dunkel und nicht so kräftig im Impasto. Von Schatten von einem vollen Braun über. .Eine 
weit grösserer Vollendung und vonlemailartigem Behandlung, wie sie in den Bildern des Jan Van 
Glanz ist das Porträt eines Mannes in den Sech- Eyßk 3118 den J- 1434-1435 eieli Zeigt? allein 
zigern in der Sammlung Tr ivulzi zu Mailand von einem lichteren Glanz, so dass in derLeuchß 
(s. Verz. a) N0. 9), welches das Datum 1476 kraft des Kolorits der Nachfolger sein Vorbild 
trägt; von ganz ähnlicher Behandlung, aber mit nOCh übertrifft- 
freierem und breiterem Auftrag, ist das Bildniss Indessen erscheint der Meister auch in dieser 
eines sehr charaktervollen Kopfes in der Casa Zeit noch unter gfßWiSSen llendrinßhen Einflüs- 
Giovanelli zu Venedig (s. Verz. a) N0. 8). sen, die Seiner Kunst nicht förderlich waren, 
Antonellds Meisterwerk aus dieser Zeit aber und von denen er Sißh doch nicht frei machen 
ist das Bildniss im Berliner Museum, das k0nnte- S0 Zeigt ein ChriStnS an dßrSäule 
jetzt mit dem Datum 1445 bezeichnet ist in dßrAkä-dßrniß Zii Venedig, ein Bild, das 
(s. Verz. a) N0. 33). Dieses Bild von fast mi- Sichel" nnßh 1476 fällt (S. VßrZ- a) N0. 5), deut- 
niaturartiger Feinheit ist dasselbe, welches lißh den realistischen Zug der flämischen Maler, 
Zanetti in seiner Pittura Vencziana als ein Klei- inßheßvndßrß in dem krnlnpihnftßn, fast verzerr- 
nod beschreibt, das sich im Besitze des Bart0- tem Sehmerzensavsdrußk des zum Himmel erho- 
lommeo Vetturi befand, der es von einem der henen Heiipteet Deeh ist nicht bloss die Stärke 
Grafen Vidman erhalten hatte. Wir wissen aber der Empfindung" Init materiellem Mittel Zur Er- 
aus Zanettfs bestimmter Angabe, dass damals Sßhßinnng gebracht, Snndßrn nnßh die Gestalt 
das Bild den Namen des Malers und das Datum des Heilandes von gewöhnlichem Typus und 
von 1478 trug. Auch zeigt eine genaue Beobach- knoßhigßn Feimen- _Die Behiklldlliiig des Flei- 
tung, dass, wie die Inschrift jetzt beschaffen ist, Sehne ISt von meiialhscher Glatte [m'a Schärfe, 
die beiden letzten Ziffern absichtlich ausgekratzt iiiid der Umriss Wie alles Einzelne lnlt emeilar- 
und retuschirt worden sind. In diesem Bilde tigei Feinheit vollendet? allein die glänzende 
zeigt A. die höchste Ausbildung seiner Kunst, Klarheit des Berliner Bildes ist iiielit erreicht. 
und es erschien, so lange an die Aechtheit des Das rllrßlitdineiit ist eiineelir keiiiplizirtes; in 
Datums noch kein Zweifel aufgekommen war, den lichten Stellen ist die warme Untermalung 
geradezu als ein Wunder für diese Zeit; es blieb durch dßrliber gezogene kühlere Töne abge- 
unbegreiflich, wie so bald nach dem Tode Jan dämpft, Während iiiiigekelirt die killt Piäpaiirten 
Van Eyck's Antonello in allen Feinheiten der Selleiten diiiell darüber gesdhummeite dünne 
Oelmalerei mit so vollkommener Meisterschaft Tinten erwärmt sind; über des Ganze Scheint 
geübt Sein konnm Eine nähere Kenntniss jedoch zuletzt noch eine feine verbindende Lasur gezo- 
von Antoncllds Kunst und die Entdeckung vom gen zu sein. A. hat übrigens diesen Gegenstand 
Herkommen des Berliner Bildes haben in die öfters gemalt: eine Original-Wiederholung jenes 
chronologische Reihenfolge von des Meisters Bildes besitzt Herr R o b in s o n in L o n d o n 
Werken mehr Licht gebracht, und es kann kein (S- Verz- a) NO- 13), und eine etwas veränderte 
Zweifel sein, dass jenes Gemälde in_die Zeit zu Darstellung lieiiiideti Sieh in der (lese Miari zu 
setzen ist, welche den Höhepunkt voniAntonellds Padiid (S- Verz- n) NO- 12)- 
Schaifen bezeichnet. Wir sagen absichtlich den Letztere aber zeigt uns, dass damals der Mai- 
Höhepunkt; denn wenn auch A. in der Folge ster von seiner früheren Sorgfalt etwas einge- 
noch Vieles hervorbrachte, was derBewunderung büsst hatte und mehr aus dem Gedächtniss und 
werth ist, so hat er doch das Bildniss im Berli- der Uebung malte, als in treuem Anschluss an 
ner Museum niemals übertroifen. Es stellt einen die Natur. Die Formen sind dürftiger und weni-
        

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