Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601504
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Antonello da Messina. 
Unterricht hat er wol in Sizilien empfangen, dort 
auch eine Zeitlang gearbeitet, dann aber zu Nea- 
pel ein Gemälde von Jan Van Eyek gesehen, das 
sich im Besitze des Alfonso von Aragonien be- 
fand; das veranlasste ihn, die Niederlande zu 
besuchen, wo er vorzugsweise Van Eyelds Werke 
studirte und mit den Schülern desselben bekannt 
wurde, vielleicht auch gemeinschaftlich mitihnen 
arbeitete. Gegen 1465 kehrte er nach Italien zu- 
rück und verweilte seitdem bis zum Schlusse des 
J. 1472 zu Messina. 1473 kam er dann, und zwar 
zum ersten Male, nach Venedig, wo er starb- 
Seine Bekanntschaft mit Domcnico Veneziano 
zu Venedig ist, wenn nicht unmöglich, doch 
höchst unwahrscheinlich.  In seinen jungen 
Jahren soll er zu Rom gewesen sein; aber in sei- 
ner Kunstweise, in seinem Stil findet sich zu 
keiner Zeit für diese Angabe eine Bestätigung. 
.Naeh Summonzio wäre Colantonio sein Lehrer 
gewesen, allein diese Persönlichkeit bleibt in ein 
ungcwisscs Dunkel eingehüllt, und die Schrift- 
steller sind nicht einmal über die Zeit einig, in 
welcher dieser gelebt haben soll. Einige schrei- 
ben ihm das Gemälde eines hl. Antonius "zwi- 
schen vier Heiligen in S. Antonio Abbate zu 
Neapel zu, darauf man den Namen des Nieola 
Tommasi, eines Schülers des Orcagna, liest, und 
einen hl. Hieronymus, der ein flandrisehes Werk  
aus der Schule Van Eyck's ist. Und andere ihm  
zugeschriebene Werke sind wieder von diesen 
dem Charakter wie der Zeit nach verschieden. 
Doch wie gesagt, die ganze Person ist mythisch, 
und wahrscheinlich hat Summonzio damit Anto- 
nello selber gemeint. 
II. Chronologische Folge seiner Werke. 
Die verschiedenen Perioden seiner Thiitigkeit. 
Das früheste der noch erhaltenen Werke An- 
tonellds, das wir kennen, ist der Christus von 
1465 in der Nationalgalerie zu London 
(s. Verz. a) N0. 17). Dieses Bild zeigt deutlich, 
dass A. mit der Technik der Oelmalerei, wie die 
Flamänder damals sie ausübten, wol bekannt 
war, und selbst in dem Gesiehtstypus des Hei- 
landes erinnert Manches an die Niederländer. 
Das Haupt des Erlösers zeigt sich über einer 
Brustwehr, die eine Hand ist auf diese gelegt, 
die andere erhebt sich segnend; merkwürdiger 
Weise ist letztere bei der Ausführung weiter 
herabgerüekt, als wo sie ursprünglich gezeich- 
net war, und noch entdeckt man unter der Far- 
benschicht den alten Umriss. Das Gesicht ist 
oval, das Haar in der Mitte getheilt und zu bei- 
den Seiten des Nackens herabfallend; die Augen 
sind schwarz und sehr nahe bei der Nase, die 
Finger dünn und wie in Krampf verzerrt. Ein 
interessantes Zeugniss von Antonellds Geschick- 
lichkeit; aber hier hatte er noch nicht den zarten 
und klaren Ton, sowie die vollkommene Meister- 
schaft in der technischen Behandlung erreicht, 
welche die Gemälde seiner späteren Jahre aus- 
zeichnen.   
Das diesem zunächst folgende Bild ist die 
Büste Christi als Leidensmenschen in der 
Sammlung Gaetano Zir zu N capel (s. Verz. a) 
N0. 3). Die Wangen sind sehr hervortretend, 
die Augen eingesunken, die Brauen eckig, die 
Schläfen zurückfiiehend, der Mund oifen, end- 
lieh zwischen dem oberen und unteren Theile 
{des Gesichtes ein gewisses Missverhältniss; das 
lGanze erinnert auffallend an flandrisehe Köpfg 
ähnlicher Art und zeigt den gleichen drastischen 
Schmerzensausdruek. Auch hier ist das neue 
Bindemittel geschickt angewandt, aber doch noch 
nicht mit der späteren Meisterschaft. Ohne Zwei- 
fel ist dieses Christusbild dasselbe, von welchem 
Vineenzio Auria in seinem Gagino Redivivo be- 
richtet, dass es 1470 datirt sei und den Agliata 
zu Palermo gehöre. 
Nimmt man an, dass A. vor dieser Zeit zu 
Venedig gewesen sei , so müsste man erwarten, 
schon damals Spuren seines Einflusses als O91- 
maler auf die Venezianer zu finden. Er soll, wie 
bemerkt, zu Venedig der Lehrer des Domenieo 
Veniziano gewesen sein; das aber würde seine 
Gegenwart daselbst vor 1461 voraussetzen, in 
welchem Jahre Domenico zu Florenz starb, und 
weder in diesem noch in irgend einem anderen 
Venezianer zeigt sich etwas von einem solchen 
Einflusse. Antonio und Giovanni da Mnrano, 
Bartolommeo Vivarini, die beiden Bellini, sowo] 
Gentilc als Giovanni, alle malten in Tempera, 
und dies auch noch lange nach 1465.  
Doeh wo auch A. in dem Zeitraum von l465__ 
1470 gewesen sein mag, zwischen letzterem J ahre 
und 147 3 hielt er sich höchst wahrscheinlich zu 
Messina auf, wo uns in S. Gregorio eine 
grosse Altartafel von seiner Hand noch erhalten 
ist z Die throne nde Jungfrau mitdem Kinds, 
über deren Haupt zwei Engel die Krone halten, 
zwischen den hh. Benedikt und Gregorius (sVerz. 
der Werke a) N0. 1). Das Kind greift mit der 
einen Hand nach einer Orange, mit der anderen 
nimmt es von seiner Mutter eine Kirsche, indem 
es den Kopf mit spielendem Muthwillen zu ihr 
wendet. Von der oberen Bilderreihe des Gemäl- 
jdes sind nur zwei Tafeln übrig, auf denen die 
Verkündigung Mariä (in halben Figuren) (large- 
stellt ist. Dieses bedeutende Werk bezeugt so- 
wol das Studium ilämischer Vorbilder, als die 
Fortschritte, welche Antonellds Kunst machte, 
Flandrisch ist die Gcwandung, die Anwendung 
von Gold, die Behandlung der Säume, sowie eine 
gewisse Flaehheit der Gesichtsbildungen; andß 
rerseits ist die Verschmelzung der Farben wei- 
eher, die Modellirung und der Gegensatz von 
Licht und Schatten künstlerischer, als in am, 
früheren Bildern. Als Werke derselben Zgit 
licssen sich vielleicht noch die Madonna mit dem 
Kinds (halbe Fig.) in dem Museo Pe loritan o 
Xzu M essi na und eine das Kind anbetende M3, 
donna in derselben Sammlung ansehen, doch sind 
tbeidc Bilder zu sehr beschädigt und restaurirt. 
iDeutlicher zeigt sieh-Antonellds Kunstweise in
        

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