Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601493
Antonello da. Messina. 
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barkeit, sowie durch die feste, gegen die Feuch- del Fiore genannt, vor Antonello als der nam- 
tigkeit geschützte Oberfläche so bemerkcns- hafteste Maler Neapel's gegolten. Allein die 
werth, dass er alle anderen Arbeiten und Pläne Existenz eines solchen Meisters ist nicht sicher 
aufgab, sich nach Flandern auf den Weg machte, ausgemacht, und was Summonzio von ihm be- 
dort Jan Van Eyck's Freundschaft gewann (ins- richtet, stimmt mit dem, was Vasari von Anto- 
besondere durch das Geschenk italienischer nello erzählt, in Manchem so auffallend überein, 
Zeichnungen) und nach Messina erst zurück- dass es fast den Anschein gewinnt, als ob jener 
kehrte, als er das Geheimniss der neuen Malerei aus dem einen Maler Antonello zwei gemacht 
erlernt hatte. Von Messina ging er dann nach hätte. 
Venedig, um sich dort niederzulassen; und hier Van Mander gibt die Aussagen des Veseri ein- 
kam 61' , nachdem 81' 110011 D0me11i00 Vßneliß-no fach wieder, schon weil ihm die darin enthaltene 
in der neuen Kunst unterwiesen hatte, zu be- Anerkennung der flandrischen Malweise will- 
trächtlichem Ansehen. Hier erhielt er auch, im kommen sein mueem Allein die Angabe, dass 
Wettßtreite mit Francesßo Bonsignori (di Mon- Antonello in Flandern gewesen, scheint ihre Be- 
signore) und trotz der angelegentliehen Empfch- stätigung in einem Manuskript zu finden, das in 
lungen, welche diesem Meister von Seiten seines Belgien am Beginne dieses Jahrh. entdeckt und 
Gönners, des Marchese von Mantua, zur Seite von De Bast veröffentlicht worden (s. Literatur). 
Standen, Von der venezianischen Regierung den Darin wird von Antonello berichtet, dass er, um 
Auftrag, Malereien im Palast der Signüria 3118- einen Beweis seiner Geschicklichkeit in Oel zu 
zuführen, wurde aber durch eine Pleuresie ver- malen zu geben, eine in dieser neuen Weise be- 
hindert, dies Werk zu beginnßn- E1" Starb im handelte Tafel der Kirche von S. Bavo zu Gent 
Alter von 49 Jahren zum großen Kummer seiner gewidmet habe. Indessen wird von anderer Seite 
zahlreichen Freunde. So weit die Erzählung des die Aeehtheit dieses Manuskripts bezweifelt 
Vasari. (s. die Bemerkungen von Ruelens zu der franzö- 
Francesco Maurolyco, der sich in Messina zeit- sischen Ausgabe des Werkes von Crowe und Ca- 
lebens(1494-l575) aufhielt und eine sizilianische valcaselle über die flandrische Malerei, cit. in 
Chronik verfasste, bestätigt Vasari in verschie- derxLiteratur), und so bleiben die Meinungen über 
denen Punkten. Er berichtet, dass Antonello diesen Umstand im Leben Antonellds getheilt. 
aus der Familie der Antonii zu Messina stammte, Einige meinen , dass er nicht bloss in Flandern 
dass sein Talent lebende Wesen wiederzugeben, gewesen, sondern auch Jan Van Eyck gekannt 
ebenso bcmerkenswerth war, als sein Geschick, habe, andere dagegen glauben an seine ilandri- 
in einer neuen Weise zu malen, dass er ferner sche Reise überhaupt nicht. 
Bildnisse zu Palermo fertigte, zu Mailand be- Ueberhaupt ist uns über Antonellds Leben 
rühmt war und zu Venedig von der Regierung keinerlei urkundliche Nachricht erhalten. Auch 
beschäftigt wurde. Diß Stelle aber, Welche (ließe sein Geburtsjahr steht nicht fest, bald gilt dafür 
Aussagen enthält, sagt nichts von einem Auf- 1414, bald 1421, und Einige rücken es noch tie- 
enthaltc Antonelldn in Flandern.  V0n Snnl- fer herab. Die einzigen sicheren Daten , welche 
monzio, einem neapolitanischen Architekten des wir von ihm haben, sind diejenigen, welche wir 
16. Jahrh., ist uns (bei Puccini) ein Brief vom auf einigen seiner Bilder verzeichnet finden. Es 
20. März 1524 an Marcantonio Michele zu Vene- ist unnütz, die Lösung der Widersprüche zu ver- 
dig erhalten, der für die Geschichte unseres suchen, welche sich in Vasarfs Erzählung und 
Meisters interessante Angaben enthält. Sunl- den verschiedenen anderen Berichten finden. 
monzio scheint darin seinem Venezianischen Nach dem von De Bast-herausgegebenen Manu- 
Freunde Nachrichten über Neapolitanische Künst- skripte scl1eiutAntonell0 Jan Van Eyck gekannt 
ler zu geben und führt dabei unter Anderen den zu haben; allein Jan Van Eyck starb im J. l 440, 
Colantonio an als einen solchen, der in ilandri- und Alfonso von Aragonien, unter dessen Re- 
scher Manier gearbeitet habe und für diese so gierung Antonello zu Neapel gemalt haben und 
eingenommen gewesen, dass er nach Flandern von dort aus nach Flandern gereist sein soll, 
selber hätte reisen wollen, aber daran von König bestieg den neapolitanischen Thron erst 1442. 
Raniero (wol Reue von Anjou) verhindert wor- Die einzigen Thatsachen, welche wir bezüglich 
den sei. vDoch, fügt er hinzu, Colantonio ver- Antonellds als gewiss annehmen können, erge- 
mochte gemäss der Zeit, in welcher er lebte, ben sich aus seinen Werken. Doch auch hier ist 
nicht zu der Vollkommenheit in der Zeichnung von vornherein festzustellen, dass von den Da- 
der antiken Dinge (delle antique cose) zu gelan- ten nur diejenigen frei von jedem Verdacht der 
gen, welche sein Schüler Antonello erreichte  Fälschung erscheinen, welche von 1465 an auf- 
eiu Mann, der, wie ich höre, unter Euch nicht un- wärts auf den Bildern sich verzeichnet finden. 
bekannt istn. Mit diesen Notizen führt Summon- Wenn wir das Datum von 1445, das sich falsch- 
zio in die Kunstgeschichte einen Meister, Na- licher Weise auf einem seiner Bildnisse vorfin- 
mens Oolantonio, ein, der also in der Gunst des det, ausschliessen, so können wir unschwer aus 
Königs Renä gestanden und Lehrer des Anto- den Zeugnissen seiner Thätigkeit uns die Ge- 
nello gewesen; und in der That hat seitdem die- schichte seines Lebens wenigstens in ihren all- 
ser Golantonio, den rnanigewühnlich Colantonio gemeinen Zügen vergegenwärtigen. Seinen ersten
        

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