Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601387
Ei 
Antigonos 
Antimachos  
die Charakteristik je auf das für den besonderen 
Zweck Nothwendige: er wählte zwischen Be- 
kleidung und Nacktheit, zwischen verschiedenen 
Attributen und Waffen: er zeigt uns an dem 
Körper des Sterbenden in Neapel die Spureni 
vorgerückteren Alters in fast naturalistischerl 
Durchbildung; er betont an dem sich vertheidi-r 
gendcn bärtigen Kämpfer die an Rohhcit strei- 
fende Derbheit des gemeinen Mannes. Aber 
während am sterben den Fechter sich die sorg- 
samste Charakteristik der Körperformen eines 
Barbaren gewissermassen im Gleichgewicht hält 
mit der idealen Auffassung der ganzen Situation, 
der schmerzlichen Trauer des Sterbenden, bot! 
an dem todten Jünglinge die ausgesprochener 
Jugend und die absolute Ruhe des Todes dem 
Künstler den Anlass, auch dem Körper ein so 
ideales Gepräge zu verleihen, dass hier zu deut- 
licher Charakteristik äussere Attribute, Leib- 
gurt und sechseekiger Schild, weniger als sonst 
entbehrt werden konnten. Auch in den Perser- 
statuen begegnen wir sofort dem Wechsel zwi- 
schen voller Bekleidung und der bei einem Perser 
fast auffälligen Nacktheit; im Vergleich mit dem 
Trotz der kämpfenden Gallier zeigt ferner der 
eine sich Vertheidigende einen fast furchtsa- 
men Charakter , und selbst an dem Todten tritt 
in den weichen Linien die Grundverschiedenheit 
im Wesen des Orientalen bestimmt hervor. Bei 
der Amazone und dem Giganten war ein stärke- 
res Vorwiegen des idealen Elementes selbstver-i 
ständlich, so dass die an den anderen Gruppen 
gemachten realistischen Studien sich weniger in 
der allgemeinen Auifassung als in der formalen 
Behandlung des Einzelnen geltend zu machen 
vermochten. Bei allen diesen Studien trat aller- 
dings an die Stelle des Strebens nach absoluter, 
allgemein gültiger Schönheit die Forderung der 
besonderen oder beschränkteren Schönheit einer 
scharfen und klaren Charakteristik und der histo- 
rischen Wahrheit. Aber eben darin liegt die 
spezifische Bedeutung dieser Schule, dass sie auf 
diesem Wege die Grenzen der Plastik erweiterte 
und dieser Kunst das Gebiet der eigentlich histo- 
rischen Darstellung eroberte, welche bisher auf 
die Malerei beschränkt geblieben war. Wenn 
nun auch diese Entwickelung zu spät erfolgte, 
als dass sie auf die weitere Entwickelung der 
griechischen Kunst im engeren Sinne noch einen 
bedeutenden Einfluss hätte ausüben können, so 
bildet sie ein um so wichtigeres Vermittelungs- 
glied für das Verständniss der historischen Kunst 
der Römer, die mit keiner anderen Richtung der 
griechischen eine nähere Verwandtschaft zeigt, 
als gerade mit der pergamenischen Schule. 
Hiermit scheint allerdings ihr Gebiet noch 
nicht erschöpft zu sein. Denn nach den bisheri- 
gen Untersuchungen ist es jetzt nicht mehr ge- 
wagt, selbst ohne äussere Zeugnisse blos aus 
inneren Gründen dieser Schule noch andere be- 
deutende Werke zuzuspreehen: so die eine er- 
haltene Figur aus einer Gruppe mit Astragalen 
spielender Knaben (Marbles in the brit. Mus. 
II, 31); namentlich aber die Gruppe des durch 
mehrfache Wiederholungen bekannten, an der 
Fichte aufgehängten Marsyas und des im Ori- 
ginal erhaltenen Skythen, der das Messer 
schleift, um ihn zu sehinden, der unter dem Na- 
men des Schleifers, Arrotino, bekannten Statue 
des florentiner Museums (abgebildet bei Müller 
und Oesterley , Denkm. alter Kunst. II. 14, 154 
u. 155; vcrgl. Handb. 5. 362, 4. Ueber andere 
Bestandthcile dieser Gruppe vcrgl. Michaelis in 
den Ann. d.. Inst. 1858. p. 320 u. 3401i). Die 
Statue des Skythen, in dessen Schädelbildung 
Blumcnbach den Kosakentypus genau wieder- 
gegeben fand , zeigt nicht nur eine den Galliern 
durchaus verwandte Auifassung der Barbaren- 
bildung, sondern auch die Behandlung der For- 
men, der Oberiiäche des Marmors, ja das Mate- 
rial verrathen durchweg eine solche Ueberein- 
stimmung, dass, wer namentlich den sterbenden 
Fechter genau studirt hat, an der engsten Schul- 
verwandtschaft der Urheber beider Werke nicht 
zweifeln kann. Neben dieser Uebereinstimmung 
macht sich aber in der Statue des Marsyas ein 
neues Element geltend: ein fast bis zur Osten- 
tation gehendes Studium der Anatomie des 
menschlichen Körpers, durch welches die ge- 
lehrte Richtung der ganzen Schule eine neue 
Bestätigung erhält. Es wird hiernach genügen, 
einfach an den ziemlich gleichzeitigen Laokoon 
zu erinnern, um zu der Ueberzeugung zu gelan- 
gen, dass die beiden uns bekannten Hauptkunst- 
schulen der Diadochenzeit, die rh odisehe und 
die pergamenische, zwar im Einzelnen 
manche und sogar bedeutende Unterschiede zei- 
gen, in ihren Grundlagen dagegen sich als Aug_ 
iluss einer und derselben Zeitrichtung 0ii'enb3,_ 
"ren, sowie ferner, dass sie nicht die Fortsetzung 
einer einzelnen der früheren Schulen bilden, 
sondern, indem sie die gesammte frühere Ent- 
wickelung zur Voraussetzung haben, in der 
Kunst eine ähnliche Stellung einnehmen, wie in 
Poesie und Literatur die sogenannte helleni- 
stische Periode gegenüber der hellenischen im 
engeren Sinne. 
H. Brunn. 
Antimaehides. Antimachides, Architekt; 
vZu Athen führten die Architekten Antistates, 
Kallaisehros, Antimachides und Porinos (7) für 
Pisistratos zu dem Tempel, den dieser dem 
olympischen Jupiter errichten wollte, den Grund- 
bau aus. Nach seinem Tode aber (oder vielleicht 
richtiger : nach der Vertreibung seiner Söhne) 
liessen sie wegen der veränderten politischen 
Verhältnisse den Bau liegenu: Vitruv. VII. praeil 
Q. 15; vergl. Aristoteles Polit. v. 11. Dicaeareh. 
p. 8 ed. Hudson. Ueber die Fortsetzung des 
Baues s. unter Cossutius.  B 
Antimachos. Antixn ach o s, Erzbildner, nach 
Plinius xxx1v. 86 durch Fmuenstatuen bekannt. 
B.
        

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