Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599790
Andrea di Alessandro 
Andrea Vicentinp; 
F19 
scheinlich Schüler des Aless. Vittoria, arbeitete der Mann jener Massenproduktion, welche, ein 
um die Mitte des 16. Jahrh. Mit seinem Namen Merkmal der damaligen Kunst überhaupt, ins- 
bez. (And. di Aless. Bres. F.) ist in S. Maria besondere in Venedig, das alle Kirchen und Pa- 
della Salute zu Venedig ein schöner 6 Fuss hoher läsfe auf das Üeppigste mit Oelmalereien aus- 
Bronzekaudelaber im reichen Geschmack der stattete, bis zum Uebermaß betrieben wurde. 
Spätrenaissance mit Figuren von Sibyllen, Pro- Allein eine solche Sehnellmalerei wusste wol 
pheten und Engeln; doch fehlt es auch nicht an noch dekorative Wirkungen zu erreichen, ver- 
Sphinxen und Satyrn. Die Ornamentation ist nachlässigte aber die Zeichnung, die Durchbil- 
fast überreich, aber trefflich modellirt, die ganze dung der Form und verfiel, was Anordnung und 
Arbeit, von einem schönen Fluss der Zeichnung, Ausführung anlangt, nur zu leicht in Flüchtig- 
fein ausgeführt. Der Kandelaber befand sich keit und schablonenhafte Manier. Zudem ver- 
früher in S. Spirito. Andere Werke dieses ta- schmähte es Andrea nicht, einzelne Figuren und 
lentvollen und tüchtigen Meisters sind nicht Partien aus anderen Bildern geradezu zu ent- 
nachweisbar. lehnen. Der Vorwurf inkorrekter Zeichnung ist 
s. Moschiui , (iuida di Venezia. II. 335.  den" auch Schml frühe dem Meister gemacht 
Mothes, Gesch. der um. und Bildh. Vene- werden (so z- B. von Ridolfi, dessen Werk über 
digs. lI. 259. die venetianischen Maler 1648 erschien). 
a" Von seinen Lebensumständen, sowie von dem 
Andrea. Andrea Vicen tino , wahrsehein- Verlauf seiner Thätigkeit ist nichts Näheres be- 
lich zu Vicenza geb. und daher so genannt, wäh- kannt; nurwenige seinerBilder, zudem nur solche 
rend sein Familienname Michieli oderMicheli aus seiner späteren Zeit sind datirt. Am meisten 
.war (wie Moschini aus Urkunden ersehen hatte), beschäftigt war er in Venedig; doch finden 
Maler der venezianischen Schule, 1- 1614 im Al- sich Werke von ihm auch in den nahegelegencn 
ter von 75 Jahren, geb. also um 1539. Er wird Städten Oberitaliens: in seiner Vaterstadt Vi- 
öfters kurzweg als Veneto bezeichnet und hat ccnza, in Padua, Treviso, Rovigo und 
jedenfalls in Venedig, wenn auch zu Vicenza an kleinerenOrten. Manches davon ist zu Grunde 
geb. , seine eigentliche Heimat gefunden. Wie gegangen, doch immer noch eine ziemliche An- 
sich öfters angegeben findet, soll er Schüler des zahl seiner Bilder erhalten, von denen wir die 
jüngeren Jacopo Palma gewesen sein; allein die- bedeutenderen her-ausheben. In Venedig: in 
ser, 1544 geb., seit seinem 15. Jahre längere S. Francesco della Vigna Magdalena zu den Füs- 
Zeit in Rom, dann in Urbino thätig, nahm erst sen des Herrn im Hause des Pharisaers; im Mit- 
seit seinem 30. Jahre seinen bleibenden Wohn- telschiHe von S. Caterina über dem Gesimse eine 
sitz in Venedig, und so ist kaum denkbar, dass Reihe von Darstellungen aus dem Leben des 
Andrea, wenn er gleich mit demselben eine ge- Moses; in S. Maria Gloriosa de" Frari Christus 
wisse Verwandtschaft zeigt, unter dessen Lei- am Kreuz, Adam und Eva im Paradies, eines 
tung seine Studien gemacht habe. Auch zeigt seiner besseren Bilder, Jüngstes Gericht etcn 
seine Kunstweise mehr die Einwirkung Paul Ve- ein bez. und 1602 datirtes Bild in S. Tommaso, 
roneses und andrerseits Tizians, den sich An- in S. Maria del Carmine ein Altarbild mit dem 
drea öfters, wie z. B. im Chor der Kirche de" Datum 1612 (von Scannelli besonders hervorge- 
Frari, geradezu zum Muster nahm; dagegen zwi- hoben) ; in Ognisanti Verkündigung, Hochzeit 
sehen ihm und dem jüngeren Palrna, da ihnen zu Cana (Stiche No. 2 und 3), Einzug Jesu in 
beiden grosse und gemeinsame Arbeiten in Ve- Jerusalem; ausserdein Bilder in S. Gio. Evan- 
nedig zufielen, vielmehr das Verhältniss des gelista, S. Sebastiano, S Niccolo und S. Gio- 
Wetteifers von Zeitgenossen bestand.  Eine vanni e Paolo. Insbesondere aber sind die gros- 
grosse Befähigung lässt sich dem Andrea nicht sen, auf dekorativen Pomp angelegten histori- 
absprechen, doch zeigt seine Kunst die Spuren sehen Gemälde im Dogenpalaste, freilich 
des Verfalls, welcher die italienische Malerei sehr nachgedunkelt, gute Zeugnisse seiner Bra- 
nach der Mitte des 16. Jahrh. kennzeichnet, vour: so der Empfang Heinrichs III. durch den 
wenn diese auch in Venedig, wo sie später zur Dogen Luigi Mocenigo am Lido im J. 1574-, wo- 
Blüte kam, noch einen friseheren und lebendigen bei die Bildnisse einer Anzahl von Zeitgenossen, 
Zug beibehält. Der koloristische, Hotte und de- in der Sala delle quattro Porte (Stiche N0. 7); 
korative Charakter, der sich hier durch Tizian, Belagerung Venedigs durch Pipin etc. in der 
Pordenone, Paolo Veronese und Tintoretto aus- Sala dello Scrutinio, und mehrere Deekenbilder 
gebildet, ist auch eine Eigenschaft des Vicen- in der Bibliothek. Zwei Kirchengemälde von 
tino; er bewährt für die Ausfüllung grosger Ta- ihm befinden sich endlich in der Akademie zu 
feln und Wandüächcn einen niemals versiegen- Venedig, von denen das eine, Madonna in der 
den Reichthum der Fantasie, dabei eine bemer- Glorie mit vier Heiligen, noch Frische der Farbe 
kenswel-the Gewandtheit der Hand und ein kolo- und leuchtenden Ton zeigt, während das andere, 
ristisches Geschick, das die gewollten Wirkun- Kreuzabnahme, besonders in den Schatten stark 
gen sicher zu erreichen weiss. Daher ihn schon nachgeduiikelt ist. 
Scanneni nCOPlOSÜIK und nrissoluton nennt. Mit In Vicenza: im Oratorium des Doms Jung- 
solchen Gaben und Fertigkeiten war A. ganz frau mit dem Christusknaben im Tempel vor der
        

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