Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599784
da. Murano 
7 08 Andrea 
Andrea di Alessandro. 
vorgegangen sind. Erst Crico (s. Literatur) be- de Murano 1502, eine lebensgrosse Madonna mit 
zweifelte diese Angabe, da ihm ein Vertrag über Kindzwisehen vier Heiligen darstellend, befin- 
ein Altarbild zu Gesicht gekommen war, aus det sich in der Pfarrkirche zu Mussolone bei 
dem her-verging, dass Andrea's Thätigkeit an Asolo. Die Stellungen der Heiligen sind sehr 
den Schluss, nicht an den Anfang des 15. Jahrh. anspruchsvoll und der Ausdruck in den Köpfen, 
fiel. Jetzt ist es ausgemachte ilihatsachc, dass welche einen unangenehmen Grad vou Hässlich- 
A. der Schüler und nicht der Lehrer der Viva- keit erreichen, übertrieben; die Zeichnung dürf- 
rini gewesen.  tig und ungeschlacht, die Schattengebung schwer- 
Das früheste beglaubigte Werk (188 Meißißfß fallig durch die Rohheit der Sehrafiirung. Die- 
befand sich ehedem in der Sakristei von S. Pictro sei- Zeil; des Meisters lässt eieh W01 auch eine 
Martire zu Murano; ein grosses Altarwerk, das das Kind anbetcnde Jungfrau mit den hh. Petrus 
man früher für verloren hielt, von dem sich aber und Paulus zuschreiben , das sich noch in der 
einzelne Theile neuerdings aufgefunden haben. Suki-istei von S_ Niccolb zu Treviso befindet. 
Der mittlere, den die hh- Rßßilllß 11ml Vinßellz Es lässt sich voraussetzen, dass A. vor dieser 
nebst den Donatoren darstellt, ist Jetzt in dem Periode seiner selbständigen Tihätigkeit Antheil 
Magazin der Brern Zn Mailand; die Flügelbil- an manchen Schulbildern hat, welche den Stil 
(ier mit den lili- Sebastian lind Pnrrns Miiriyr des Bart. Vivarini zeigen; er sowol wie Jacopo 
(und Je einem Vernlirnnden Ddnainr) Sind in der da Valentia mögen Gehülfen in dessen Werkstatt 
Akndemie Zii V Cnn dig- Die iinnßrie mit der zu Mnrano gewesen sein. Ist dem so, so können 
Jungfrau scheint verloren zu sein. Jene Theile wii- ihm eine Darstellung des Heilende zwischen 
Zeigen drin Gepräge der rnnlisiisciißn Schule vier Heiligen mit dem Datum 1469 zuschreiben, 
lliantegnas; die Zeichnung ist scharf und hart, welche in der Akademie zu Venedig ist und 
in den Gesichtern eine gewinne Verzerrung; die mehrere der Ziige aufweist, welche dem Meister 
Gewänderwie von einem feinen Musselingewebe, eigenthümlich sind, Möglich, dass er auch, in 
wie es sich gewöhnlich bei den Naehahmern des nninitieibnner Berührung mit der Schuie des 
iiinniegnn iindei, aber nirnd nnd enkig in der Squarcione, in Padua gearbeitet hat; dannkann 
Manier Bnrinlommenis Vivdrini? die Bewegung von ihm das Fresko der Pietät in der Kirche dei 
gespreizt: die Linie inknrrekt, Hände und Fiiiisn Servi (zur Rechten des Portals) daselbst gemalt 
Von grobem lind gemeinem Tylnis- Dnrnnnn sein.  Von der Kreuzigung des Andrea die 
kann kein Zweifel Sein, dann A- Seine Kunst Vnn sich einst in S. Andrea della Certosa zu Venedig 
Bart. Vivarini zu der Zeit gelernt hatte, als der- befand, ist gegenwärtig keine Spur mehr ver- 
selbe unter dem Einfluss der Paduanei" Schule hnnden 
stand; er ahmtc dessen Weise nach, ohne ein SO Zeigt sieh Andrea durchweg als ein stehen- 
eigenes tieferes Studium der Natur oder der An" gebliebener Nachfolger der Vivarini unter dem 
tike Zii Veriniiinn- Seine Tdmpernindißrni  Einliusse der Paduaner Schule, während in 
A- malte nicht in Odl  ist Von einem briinn" gleichzeitigen Meistern die venezianische Ma- 
liehen Gelb und in den Schatten schraffirt. Das ierei ihi-ei- höchsten Bliiie enigeg-enging 
Bild trägt das Zeichen  OpusAndreae de Murano. S" Ridoii-i, Le Maravighe den: Arm L im  
Andere noch erhaltene Bilder des Meisters ha- Zanettti , Dells Pittura Veneziana. pp. I6- 
ben gleichen Werth und zeigen denselben Cha- 18.  Boschini, Le Rieche Minere. Venezia 
rakter. Zunächst ein grosses Altarwerk, das A. 1733- P- 443-  M0 Snnini, Gllilia di Vßnezia. 
laut Vertrag (der noch vorhanden ist) von 1481, li- 487-  Deis" Giiiiia di MnranmPP- li- 
doch erst im J_ 1501 für die Kirche zu YIXTG- 1.8.  L-riälo, Lettere sulle Beile Arti _'1'revi- 
ba s el e gh e (im Gebiet von Treviso) malte und ging r (59:32:  jiiiiiii iniiiiiäiii sie" 
das noch an seiner alten Stelle steht. Im oberen O1- läaihtihg in North nah, I WÜÄQ e" is Ory 
Theil Gott-Vater segnend, Jungfrau und hl. Jo-' a. Cmihe ihm; Camiicaseua 
hannes klagend über dem knienden Christus, mit Andrea An drea R  d  
iiiiii iieiiiiäeiii i" dem iiiiieieii iiiii iieiiiiiiii i" der gen römischen Bildhauer?  äälfiißilfä; 
Glorle zwischen den hh. Sebastian und Rochus 16 Jahrh von weichen wir Nachri ht h b 
und im Beisein von vier anderen Heiligen. Hier Dach ist 65m Andrea nur (urkundlich? bei: e? 
tritt neben den schon erwähnten Zügen eine ge- dass er neben Giuiio Romano und Prima ' 
wisse Kühnheit und Energie der Darstellung her- von dem Herzoge Aifonso I_ in den Palästen 70 
vor; aber eine solche, welche nur von dem An- Maxima beschäftigt Wurden 0b von ihm vieheichi; 
lauf einergewissen Selbstüberhebung zeugt, ohne eines der aus dem 16 Jahrh stammenden G1, am 
auf der Kraft eines ursprünglichen Talentes zu mäiei. in der Kirche Ära Coeih zu Rom herrühre 
beruhen. Es ist nur scheinbare, nicht wirkliche lässt sich nicht bestimmen i 
Meisterschaft, welche sich hier zeigt. Die Be- S_ Carlo denen, Delle km e degh Artehci di 
wegungen sind gemacht und voll Absicht, die Menieve, n g5_  Pei-kins, Iiaiian Scnip- 
Formen sehr trocken, die Köpfe haben weder tors. p. 92. 
Schönheit noch Ruhe; die Färbung ist düster, i" 
ohne wirksamen Kontrast und doch nicht harmo- Andrea. A nd r e a di Al e s s a n dro , Bild- 
nisch.  Ein drittes Bild, bez. z Opus Andreae hauer und Bronzegiesser, von Brescia und wahr-
        

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