Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599764
' Zoan Andrea.  
 
hing brennen Lorbeerzweige, und unter dem 
Feuer stehen die Worte: vmrvs comnvsrn. 
Links unten wird Daphne in einen Lorbeer ver- 
wandelt, und eine auf ihrer Achsel hängende Ta-  
fel enthält die Inschrift: vrnrvs nsssnra. Auf, 
einem an derselben Seite befindlichen Steine  
liest man: VIRTVTI  s  A  r  ln der Mitte des 
Hintergrundes ist eine verriegelte Flügelthür, 
vielleicht der Eingang zur unterirdischen Schatz- 
kammer der Königin. gr. qu. Fol. B. 16 und 17. 
Unbezeichnetes Bl., von welchem, nach Pas- 
savant's Angabe , das britische Museum die Ori- 
ginalzeichnung besitzt. Die Komposition ist ge- 
wisslich von A. Man tegna; der in den Schraf- 
flrungen sehr saubere, in den Umrissen aber sehr 
mangelhafte Stich jedoch schwerlich von Zcan 
Andrea. Es gibt davon eine gleichseitigejüngerei 
Kopie, wo unten links ein aus den Buchstabeni 
A. M. gebildetes Monogramm angebracht ist.  
S) Karl V. als urömischer Kaisern, 3l4 links. halbe! 
Figur, sehrjung und noch unbärtig, mit langem, 
zu beiden Seiten des Gesichts glatt anliegendeml 
Haupthaar. Den Kopf bedeckt ein Barett, an  
dessen Krämpe sich ein Medaillen befindet, wel-' 
ches den spanischen Apostel Jakobus den Aelte-i 
ren vorstellt, wie die daneben geschriebenen  
Buchstaben km9 x  anzeigen. Der 
Kaiser tragt eine schwere goldene Kette über einem 
Pelzrock undunter diesem ein Wamms von Brokat;  
er hat an jedem kleinen Finger einen Ring, und 
hält mit der rechten Hand den Griff seines 
Schwertes. Auf dem weissen Hintergrunde, links 
und rechts neben dem Kopf des Kaisers, steht 
folgende Inschrift in grossen lateinischen Buch- 
staben: 
CAROLVS ROMANOB IMPERATOR 
nrsmnranv max ronmcrss -j- 
ATQ. cxrnor, i- 
H. 423 mill.. br. 175 mill. Pass. V. No. 46. 
Ein unbezeichnetes, sehr seltenes B1. Passa- 
vant gibt die Dimensionen verschieden an: 
323 mill. H. bei 220 mill. Br. und diese Angabe 
mag richtig sein; der Abdruck, wonach ich mes- 
sen konnte, war beschnitten. Der Hintergrund 
des Exemplars, das mir zu Gesicht kam, war 
weiss; Passavant sagt, es sei eine Tapete von 
gewässertem Zeug, und die lateinische Inschrift 
befinde sich auf einer Tafel. Ich bezweifle die 
Genauigkeit dieser zwei Angaben; so viel ist ge- 
wiss, dass die letzten Worte der lateinischen In- 
schrift von ihm ganz unrichtig und unverständ- 
lieh wiedergegeben sind, nämlich EDE crvrs m03 
anstatt foelicissimus atque. Ebenso irrig be- 
hauptet er : das Porträt Kaiser KarYs V. sei ganz 
in derselben Art gestochen, als die oben unter 
No. 12, 13 und 14 angeführten Bll. Das ist 
durchaus nicht der Fall. Die Behandlung der 
Stoffe, die Modellirung der Gesichtsformen sind 
ganz verschieden und zeigen eine verhältniss- 
miissig geübtere und geschmeidigere Führung 
des Grabstichels. 
9) Vier tanzende Frauen, die sich an der Hand 
halten: zwei unmittelbar hinter einander zur 
Linken, eine dritte zur Rechten, und die vierte, 
vom Rücken gesehen, in der Mitte. Komposition 
von Andrea Mantegna, im Geschmack antiker 
Flachreliefs, und Studie zu dem tanzenden Mu- 
senchor auf seinem Gemälde des wwParnassesa im 
Louvre. qu. Fol. B. 18. 
Unbezeichnetes Stück. Mit kräftigen, korrek- 
ten Zügen umrissen und mit einfachen schrägen 
Schrafiirungen gearbeitet, zeigt dieses vortreff- 
liche Bl. wahrhaft antikes Schönheitsgefiihl. Die 
Bewegungen sind von reizender Anmuth, die 
Gewänder von leichtem Faltenwurf, die Hände 
und Füsse von seltener Zierlichkeit; kurz das 
Ganze ist im Ausdruck, in der Zeichnung und 
Ausführung so einsichtsvoll, so kunstverständig, 
so gediegen, dass schon Ottley sich nicht be- 
dachte, dieses B]. dem Mantegna zu vindiciren 
und unter die Werke desselben aufzunehmen. 
Er hatte vollkommen Recht, und man begreift 
nicht, wie Bartsch, ja sogar noch Passavant die- 
sen meisterhaften Stich einem so ordinären 
Handwerker wie Zoan Andrea zutheilen konn- 
ten. Es existirt davon eine anonyme, gegensei- 
tige Kopie, welche Bartsch (XIII. p. 329, N0. 20) 
dem Giov. Ant. da Brescia zuschreiht. Die 
technische Behandlung deutet jedoch auf den 
unbekannten Kupferstecher, den wir für den 
Urheber der unter N0. 2, 7 und 11 angeführten 
Bll. halten. 
10) Zwei Kinder, welche das Kreuz Christi halten. 
Sie umarmen sich; zwischen ihnen ist ein oben 
mit Zierrathen besetzter Stab, auf welchem sich 
ein kleines Kreuz befindet mit den Buchstaben : 
1. N. B. I. Der Hintergrund ist mit Schrafli- 
rungen bedeckt. Fol. B. 5. 
Unbezeichnetes Bl., sehr zweifelhaft. Passa- 
vant bemerkt nichts dazu, hält es also auch für 
ein Werk des Zoan Andrea. Man hat davon eine 
geradseitige, etwas kleinere Kopie. Sie unter- 
scheidet sich von dem Original dadurch, dass die 
Kinder keinen Stab haltenf das Kind zur Rech- 
ten hält eine Gerte, und der Hintergrund zeigt 
eine Tapete von gewässertem Zeug. 
11) Studie eines nackten Mannes, der, von vorn ge- 
sehen und ein Knie an der Erde, die rechte 
Hand in die Höhe hebt und mit der linken Hand 
einen Kranz hält. Unten in der Mitte steht ge- 
schrieben: EL MATO (was vielleicht il Mantuano 
heissen will). F01. B. 19. 
Unbezeichnetes Bl. , in Mantegnafs Art ge- 
stochen und höchst wahrscheinlich nach einer 
Zeichnung dieses Meisters von dem anonymen 
Künstler, dem wir die Kopie der wier tanzen- 
den Frauenn verdanken. 
12) Ein Springbrunnen. Aus dem untersten Was- 
serhecken erhebt sich eine grosse Schale und aus 
dieser ein Fussgestell mit einer Vase, auf wel- 
cher Neptun sitzt, in der einen Hand den Drei- 
zack, in der anderen einen Delphin haltend, 
F01. B. 15. 
Unbezeichnet. Ein sehr geschmackvoll kom- 
ponirtes Stück, vielleicht nach einer Zeichnung 
Mantegna's, aber gewiss nicht von Zoan Andrea 
gestochen. 
Folgende bei Passavant erwähnten drei Blätter z 
eine Kopie nach dem Traum Albrecht Dü rer' s 
(N0. 37), die Kopie nach Mantegna's Stich 
des Bakchanals mit dem Kübel (N0. 41) und die 
Kopie von Man tegna' s Bakchanal mit dem 
Silen (N0. 42) sind mir unbekannt, aber sehr 
verdächtig. Nach Mittheilung (von Wessely) be- 
tlnden sich diese drei Blätter im Berliner Kupfer-
        

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