Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599756
Zoan Andrea. 705 
vergleicht, muss die Ueberzeugung gewinnen, Unbezeichnetes Blatt, gegenseitige Kopie, 
dass ein so geistloser und so wenig ausgebildeter höchstwahrscheinlich nach Giov. Ant. da B res- 
Künstler zur Hervorbringung einer solchen Ar- cia; dass sie von Zoan Andrea herrührt, ist 
beit ganz untauglich erscheint. Bei allem Ver- möglich, aber bloss muthmasslich. Bartsch und 
dienst ist diese Kopie jedoch unstreitig viel go- Passavant verwechseln auch hier die Kopie mit 
ringer als das Original. Man bemerkt dabei die dem Original, welches letztere jedoch sehr leicht 
Ilngriindlichkeit der Zeichnung des ungenannten daran zu erkennen ist, dass der Bock nach links 
Stecher-s, welcher das Energische und manchmal hingeht, dass er von dem peitscheschwingenden 
Brutale im Ausdruck der Köpfe und Geberden Satyrweibe mit der linken Hand am Barte ge- 
veriiacht und gleichsam entseelt hat. Im Origi- zupft und von dem flötespielenden Satyr eben- 
nal ist alles mit künstlerischem Geist und Ver- falls mit der linken Hand am Schwanz gefasst 
stand vorgetragen; hier ist nichts davon vorhan- wird. In der Kopie ist alles das umgekehrt. 
den, und das dafür an die Stelle gesetzte saubere 6] Silen, neben einem Rebstock auf einem Fass 
und gewissenhaft Iieissige Machwerk bezeichnet sitzend und von drei Amorinen und vier Knaben 
die geringere Tüchtigkeit des Arbeiters und hat umgeben. Ein kleiner Amor, eine Traube in der 
den Charakter der Kopie. Uebrigens, obgleich rechten Hand haltend, stützt sich mit dem rech- 
der ungenannte Stecher viel von seiner Manier ten Ellenbogen auf den Schenkel Silens. Ein 
in dies es Stück hineingebracht, ist es doch das- anderer Amor reicht ihm eine Traube, wonach 
jenige, welches er mit dem glücklichsten Erfolge er mit der linken Hand greift, und der dritte 
nachgeahmt hat BemerkenSwei-th und der ge- Amor bekränzt ihn mit Rebenlaub und Trauben. 
wohnlichen Kopistenart ganz zuwider ist der Ein Knabe giesst ihm aus einem Schlauch Wein 
Umstand, dass die schmückenden Stickereien in eine Schale, die er mit der rechten Hand hin- 
am Aermelsaume des Kleides der Maria, am hält; ein anderer Knabe klammert sich an seine 
Rande des Leichentuches Christi und an den Schulter. Komposition von acht nackten Figuren. 
Stiefeln des Jüngers, welcher das Leichentuch qu. Fol. B. XIII. N0. 17; Pass. V. N0. 39. 
hält, wie auch die Worte der Inschrift am Grabe: Unbezeichnetes Stück, angeblich nach einer 
l-IVMANI GENERIS iusnnrmronr (in vier Zeilen] auf Zeichnung des A. Mantegna, von Bartsch dem 
der Kopie und auf dem Original in derselben Giov. Ant. da Brescia, von Passavant dem Zoan 
Richtung hinlaufen. Andrea zugeschrieben; es ist in derselben Art 
4] Der Schmerzensmann, auf seinem Grabe sitzend. behandelt wie die unter N0. 2, 7, 9 und ll 
Im stark schattirten Hintergründe zwei Engel, erwähnten Bll.  
die ihn zu stützen scheinen. 8. B. 4. 7) Allegorie, bestehend aus zwei BIL, die. wenn 
Unbezeichnet. Gegenseitige Kopie nach dem sie zusammengefügt sind, ein grosses Querstück 
schönen Stich von A. Mantegna (B. XIII. bilden. Passavant will darin das Urtheil des Mi- 
No. 7), mit Abänderungen, die hauptsächlich das erkennen, woran gar nicht zu denken ist: 
darin bestehen, dass Christus hier, anstatt des er hat das thronende Weib für einen Mann an- 
Nimbus, einen strickartigen Wulst um den Kopf gesehen. Die schwer verständliche und ver- 
hat, und dass der Hintergrund, anstatt der land- wickelte Komposition scheint die Herrschaft der 
schaftlichen Ferne, eine schwarze Felsenwand Dummheit oder die dumme Geldherrschaft vor- 
zeigt, von der sich zwei Engelilguren in schwachen stellen zu sollen. In der oberen Abtheilung sitzt 
Umrissen abheben.  Ganz unglaublicherweise auf der von Sphinxen umgebenen und als Thron- 
wird diese Kopie oder vielmehr freie Nachah- sessel dienenden Weltkugel eine sehr dicke und 
mung dem Zoan Andrea zugeschrieben, und hässliche nackte Frau, die, anscheinend blind. 
ebenso wundersam sagt Ottley, dass sie höchst eine Krone auf dem Kopfe trägt und ihre Hand 
wahrscheinlich in Mantegnds Werkstatt, viel- auf ein antikes Ruder stützt. Hinter dieser ke- 
leicht sogar von dem Meister selbst verfertigt lossal plumpen Herrscherin stehen zwei Thron- 
worden. Passavant muss das Bl. gar nicht ge- trabantinnen; die eine rechts, mit aufgelöstem, 
sehen haben: er findet den Stich nsteif und struppigem Haar und schlaif hcrunterhängenden 
schwerfälligc, während gerade das Gegentheil Brüsten, hat die Augen offen und scheint die 
mit der grössten Evidenz hervorleuchtet. Jene Schelsucht vorzustellen; die andere links, jung, 
Kopie ist durchaus nicht von einem alten Meister mit zierlichen Formen, geringelten Locken und 
des 15. Jahrh. , sondern von einem jüngeren verbundenen Augen, hält in der Linken zwei be- 
Künstler, der in der Art der Schüler des Marc- büschelte Stäbe oder Wedel und legt die Rechte 
anton stach. Sie ist in's Kreuz schrafiirt, die auf die Schulter der Kronträgerin; vielleicht ist 
Striche sind fein und dicht zusammengehalten die blinde Jugend oder Eitelkeit damit gemeint. 
in der Manier des Agostino Veneziano; die Vor der Weltkugel, an der Erde, liegen zwei zu- 
Zeichnung ist ausgebildeter, fliessender, und das gebundene straffe Geldbeutel, und im Fussboden 
Ganze sogar auf Effekt angelegt, wovon die sieht man die Oeifnung eines Kellerraums, der 
Quattrocentisten noch keine Ahnung hatten. Ich bis an den Rand änit Goldstücläen vollgepfropft 
begreife nicht, wie die namhaftesten Kenner und ist. Links ein du elsackspielen er glatzköpflger 
Kritiker von Fach sich so ausserordentlich bci- Satyr mit Fledermaustliigeln und Rauhvogelbei- 
nahe um ein Jahrh.) haben versehen können. nen; ein Mann, der ein Tuch um das ganze Ge- 
5) Amor auf einem SZiegenbock. Der Bock geht sirälht gebunden hat ulpd einen Hund an der Leine 
nach der rechten eite hin. Ein Satyrweib, in fü rt; zuletzt eine rau, die mit der Rechten 
der linken Hand eine Peitsche schwingend, zupft ihr Kinn stützt und mit der Linken einen esels- 
mit der rechten Hand den Bock am Bart, wäh- ohrigen Mann an der Hand fasst. Diese vier Fi- 
rend ein ilöteblasender Satyr ihn mit der Rech- guren , sämmtlich blind, befinden sich, scheint 
ten am Schwanz gefasst hat. Im Hintergrunds es, am Rande eines Abgrundes, aus welchem 
Landschaft mit Gebäuden. S. B. XIII. N0. 11; Merkur hineingefallene Verunglückte heraus- 
Pass. V. p. 81. zieht. In der rechten Ecke der oberen Abthei- 
Meyer, Künstler-Lexikon. I. 89
        

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