Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599658
ÄFEÄF-ßgmqäätigßß; 
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einer gewissen Unabhängigkeit auf, verheiratete S. Maria Nuova (sämmtlich zu Grunde gegan- 
sich und erwarb das Eigenthum eines Hauses. gen). Er begann diese Arbeit, welche er laut 
Vermuthlich sind zwei Bilder der Kreuzigung in Vertrag um 100 Goldgulden übernommen, im 
dem Kloster der Angeli zu Florenz die Jan. 1451 und verliess sie 11153, ohne dass sie 
frühesten von seinen erhaltenen Werken. Beide jedoch vollendet gewesen. 
in Fresko zeigen die Jungfrau, den Evangelisten Dazu gehörte auch das schon erwähnte Abend- 
Johannes und eine Anzahl Heiliger zu den Seiten mahl im Refektorium, das durch die An- 
dßS Kreuzes (e- VeYZ- NO- 1 11- 2l- Die Fäflinng wendung eines niedrigen Gesichtspunktes frühe 
ist matt und trübe, auch in den lichten Fleisch- die Aufmerksamkeit erregte; es war hierin ohne 
tönen, und ohne harmonische Abstufung in den Zweifel ein Seitenstiick zu dem Fresko Manteg- 
Gewändern; das Nackte ist tüchtig studirt, von 113,13 in der Kapelle der Eremitani zu Padua, das 
guten Verhältnissen und natürlich bewegt, aber den Gang des h1_ Jakob zum Martyrium dar- 
die Zeichnung iei- hart und eekig, in den Extie- stellt. Was der Meister hier beabsichtigt und 
lnißiiten beeendeie Fell, und eine gewöhnliche geleistet hatte, vermögen wir aus einer anderen 
Realität tritt S0W0l iIn Anedfllek die im Typus noch erhaltenen Wandmalerei desselben Vor- 
der Köpfe zu Tage, wobei es selbst an Verzer- ganges in dem Refekterium von S_ Apollenid 
rungen nicht fehlt.  Ein besseres Beispiel von in Florenz zu ersehen. Dieses Werk, lange dem 
Andrea's Kunst ist die Reihenfolge der Heroen Ueeelli zugeschrieben, ist in der That von der 
und Sibyllen, die sich ursprünglich in der Villa Hand Castagnds, und zudem die bedeutendste 
Pandollini zu Legnaia befand (von Vasari irr- Leistung, die sich von ihm erhalten hat, sowol 
thümlich doppelt angeführt: einmal in der Villa was die Komposition als die künstlerische Aus- 
Pandolfini, dann nochmals in der Casa Carducci führung und den Umfang des Bildes anlangt. 
z" blldieiiz) llndjeiziimMdeeeNd-Zidilele ist Der Verschwindungspunkt der Linien ist hier 
(s. Verz. N0. 3). Hier richtete der Meister sein tief genommen, aber so berechnet, dass er ge- 
Augenmerk auf eine besondere perspektivische 113,11 dem Auge des Beschauers sich anpasst, der 
Darstellung: die Figuren waren darauf angelegt, aus der Mitte des Saales das Bild betrachtet, und 
Ven 1111i3e11 gesehen 111 Weiden , und demgemäß dass von hier aus alle Linien des Raums in jenem 
der Gesichtspunkt niedrig genommen. In den Punkte zusammentreffen. Die Anordnung ist 
Nischen an ihrem ursprünglichen Platze gesehen dieselbe, welche sich später auch bei Ghirlan- 
konnten sie allein die richtige Wirkung machen. dajo findet; unter den Florentinern hat Castagno 
Die Heroen sind aus verschiedenen Zeiten, da- zuerst in der Darstellung dieses Gegenstandes 
runter Dante, Farinata Degli Uberti und Pippü an die Stelle der herkömmlichen Feierlichkeit 
Spann, der Sieger über die Türken; unter den Bewegtheit und Mannigfaltigkeit gesetzt. Der 
Sibyiien Esilier, Tdmyiie und diejenige Von Heiland sitzt an der Mitte des Tisches, welcher 
Cumä. Alle in geeigneter Stellung, belebt und doppelte Flügel hat, und gibt dem Jünger Je- 
kiilnl in der Bewegung, (ldllei ldieii 11nd kiäitig hanncs, dessen Haupt ihm entgegensinkt, seinen 
modellirt; einige darunter mit deutlichen An- Segen, Judas, von entschieden hässliehem Ty- 
klängen an antike Vorbilder. pus, sitzt allein an der einen Seite zunächst dem 
Die Freiheit und die kecke Behandlung, welche Beschauer. Die Apostel sind in Gruppen ver- 
in diesen Wandmalereien zu Tage treten, be- einigt oder doch in Bewegung und Ausdruck 
zeugen ein besonderes Geschick des Meisters einander zngewendet, wie wenn ein gemeinsa- 
zu grossen Wanddekorationen. Daher war er mer Gedanke sie belebte, gleich den Personen 
ganz zu einer Aufgabe geeignet, wie sie ihm im eines dramatischen Vorgangs. Ohne dass sich 
J. 1435 zuiiel: nämlich im Palast des Po- A. hier von den Fehlern befreite, welche seine 
desta (Bargello) die damaligen Staatsver- früheren Werke kennzeichnen, weiss er doch 
riither in voller Lebensgrösse zu malen. Er seinen Figuren Mannigfaltigkeit des (Jharak- 
sollte, nachdem die Verschwörung der Albizzi ters und Individualität zu geben. Einige Köpfe 
und Peruzzi fehlgeschlagen war, die Häupter sind trotz ihrer Gewöhnlichkeit von mäch- 
derselbcn, zum warnenden Gedächtniss an die tiger Erscheinung und die Prototypen gleichsam 
Verräther, im Bilde gleichsam an den Pranger zu denen, Welche am Seilldeee des Ja-ilrll. del" 
stellen; eine Arbeit, die ihm  da es sich nur Genius Leonardos in idealer Vollendung herzu- 
um lebendige Darstellung realer Persönlichkei- stellen wusste. Die Zeichnung ist kühn, freilich 
ten handelte  so wol gelang, dass er seitdem nicht durchaus korrekt, die Färbung zwar stumpf 
den Namen Andrcino degli Impiccati (i-Andreas und fast düster, aber ohne verletzende Misstöne. 
der Galgenstricken) erhielt und unter den Zcit- Es ist ein Bild, welches einen guten Begrid von 
genossen auch fortführte (nicht erhalten).  Im der Tüchtigkeit des Meisters gibt und der Flo- 
J. 1444 wurde er in die Gilde der Chirurgen und rentiner Schule jener Zeit alle Ehre macht.  
Spezereihändler aufgenommen, die zugleich die- Auch sonst noch war Andrea in dem Kloster 
jenige der Maler war. 1446 arbeitete er in der von S. A polloniabeschäftigt; in einem nahen 
Kathedrale S. Maria del Fiorc an den Tafeln der Kreuzgange ist über der Thiire ein Fresko von 
Orgel; 1451 malte er dann gemeinsam mit Do- ihm, das Christus im Grabe zwischen zwei En- 
menieo Veniziano die Fresken im Hospital von geln vorstellt.
        

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