Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599560
686 Francois Andre. 
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ment bei Bellier de la Chavignerie). Sein Vater die übrigen auf die Rechtspiiege bezüglichen 
gehörte einer sehr angesehenen Familie der-Stadt Tugenden. Diese Arbeiten begründeten seinen 
an und sass in der Verwaltung derselben als Ruf. Andre War damals einige Jahre in seiner 
Konsul oder Schöife, welche Acmter auch der Heimat thätig. Er malte daselbst auch, unter Lei- 
Grossvater bekleidet hatte. In den Rathspro- tung von Joseph de Haitze, der die Vorwürfe 
tokollen ist der Name immer nur Andre ge- angab," eine Folge von neun geschichtlichen und 
schrieben; dennoch fügten am Ende des 17. und allegorischen Bildern für den grossen Saal des 
im 18. Jahrh. verschiedene Familienglieder ein Rathhauses (am 21. August 1792 zerstört). Zu 
d" hinzu. Auch der Grossvater mütterlicherseits dieser Zeit wol verfertigte er den Christus am 
nahm eine angesehene Stellung ein. Louis Kreuz in der Kirche St. J eröme zu Aix und eine 
Barden, der Bruder der Mutter, hatte seinen grosse allegorische Darstellung in dem Hause 
Nelfen Francois zum Gesammterben eingesetzt, d'Albertas' daselbst. 
mit der Verpflichtung, den Namen Barden fort- Andre kehrte hierauf nach Paris zurück. Hier 
zuführen. Unter Letzterem findet sich unser malte er ein Bild: Tullia, die Gattin des "Parqui- 
Meister in einigen Werken angeführt. nius Superbus, lässt ihren Wagen über den Leich- 
 Honore bestimmte seinen Sohn für den Rich- nam ihres Vaters, Servius Tullius, hinrollen; es 
terstand und liess ihn seine Rechtsstudien zu verschaffte ihm die Aufnahme in die k. Akade- 
Paris vollenden, woselbst dieser auch als Advo- mie der Malerei und Bildhauerei am 30. April 
kat aufgenommen wurde. In Folge der in der 1735. Das Gemälde, seit 1811 im Museum zu 
Provenee 1720 und 1721 ausgebrochenen Seuche Montpellier, lässt erkennen, dass der Maler 
blieb er dann länger in Paris als er vorgehabt.  innerhalb der Manier seines Zeitalters ganz 
In seinen freien Stunden begann er im J. 1719 geschickt  die Zeichnung der römischen Schule 
unter J. B. Van Loo, seinem Landsmanne, zu mit dem Kolorit der venezianischen zu vereini- 
zeiehnen; dann lernte er malen bei J. F. de Troy. gen suchte. 
Seine raschen Fortschritte entschieden seinen Am 12. Juli 1737 wurde Andre zum Adjunkt 
Beruf; zum grossen Verdrusse seiner Eltern der Akademie. ernannt. In diesem Jahre wie in 
wurde er Künstler. Andre's besondere Verdienste den folgenden brachte er auf die Ausstellungen 
während seiner langen Laufbahn lassen ihn einer verschiedene Gemälde religiösen und mytholo- 
näheren Beachtung Wcrth erscheinen; die Nach- gisehen Inhalts, darunter: Die guten Werke der 
richten, welche Wi1' von ihm geben, finden sich Nonnen zum hl. Thomas von Villanuova für 
nirgends so genau und vollständig. das Kloster dieses Namens zu Paris (17 37 ) ; Jung- 
Im J. 1725 erhielt A. den zweiten lilalpreis frau mit dem Kinde in den Wolken für dieKirche 
bei dem Konkurse der k. Akademie. Bald da- der ausländischen Missionen ebenda (1738); Ja- 
rauf ging er nach Italien und blieb daselbst son piiügt mit den beiden feuerschnaubendcn 
nahezu sechs Jahre, nachdem er durch die Gunst Stieren, grosse Komposition, die dem Maler von 
des Herzogs d'Antin unter die Zöglinge, welche Ludwig XV. bestellt und zur Vorlage für die 
vom König Jahrgelder bezogen , bei der franzö- Hautelisscmanufaktur zu Beauvais bestimmt war 
sisehen Akademie zuRom aufgenommen worden. (1739)- was aus (ließen Werken l SOWiC (Einigen 
Bei der Rückreise hielt er sich noch sechs Mo- kleineren Bildern, welche in diese Zeit fallen, 
nate zu Venedig auf. geworden, ist uns nicht bekannt; die Galerie 
Auf Andre's Durchreise nach Italien hatte in des LQIWYQ besitzt kein Bild Von Andrä- 
Aix der erste Präsident des Rechnungshofes In den J. 1744 oder 1745 bewogen ihn der 
der Provenee, H. R. d'Albertas, ihm den Vor- Wunsch seine Heimat wiederzusehen und die 
schlag gemacht, den grossen Gerichtssaal des Anfechtungen, die er bezüglich seines Erbgutes 
Palastes, worin sich auch das Parlament befand, zu erleiden hatte, zur Rückkehr nach Aix. Dort 
mit Malereien zu schmücken. Der Künstler nahm beschäftigte er sich diesmal neben der Malerei 
den Auftrag an und machte sich in Rom an's auch mit Musik und liess im Kenzertsaale des 
Werk zu diesen Darstellungen gehört das 1m- Rathhauses seine erste musikalische Komposi- 
lassale Gemälde, das seit 1755 einen Saal im tion aufführen. Doch haben ihn nach dem Zeug- 
Rathhause zierte und sich jetzt im Museum zu nisse von F. Fetis seine musikalischen Werke 
Aix befindet, mit der Inschrift: Dandre Bardon nicht überlebt. Damals stattete er auch den 
aquisextiensis pinxit romee mtat. sua: 29 anno Konzertsaal zu Aiir _mit Malereien aus, deren 
1729; es stellt den Kaiser Augustus dar, der die sinnreiche perspektivische Wirkungen noch heute 
der Entwcndung vonVStaatsgeldern Angeklagten Beifall Enden- 
in die Tiber stürzen lasst. Zu diesem Bilde mo- Andre Barden versuchte sich ebenfalls in der 
dellirte ein Freund Andre's, der Sohn des iläimi- Poesie. Von seinen Dichtungen sind einige im 
scheu Bildhauers Slodtz, der damals seine Stu- Mercure de France erschienen: ein grössercs 
dien zu Rom machte, die Hauptiiguren nach Gedicht von ihm s. seine Schriften No. 1. Zwei 
dessen Zeichnungen. Das Museum von Aix be- Gedichte schenkte er im J. 1750 im Manuskript 
sitzt gleichfalls die Skizze zu dem Werke. Die der Akademie der Wissenschaften zu Marseille  
anderen Gemälde Andre's für den genannten Pa- Le Triomphe des Talents et des Arts dans 1a 
last schilderten die Religion, Gerechtigkeit und Grece und le Sacrifice (Tlphigenie.
        

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