Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599343
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Samuel Amsler. 
1er, als er nach München übersiedelte, um in die nach Rafael, damals im Besitze des Ritters 
Kupferstecherklasse unter Professor C. Hess Camuccini, RafaePs Grablegung in der Gale- 
einzutreten; Lips selbst führte ihn beim Di- rie Borghese und dessen Sibyllen in S. Ma- 
rektor von Langer ein, der ihm stets eine ria della Pace. Nach seiner zweiten Rück- 
wolwollende Theilnahme bewahrte. In dieser kehr in die Schweiz liess er sich in Wildegg 
Zeit (1815-1816) radirte A. den hl. Franzis- bei seinem älteren Bruder nieder und führte hier 
kus nach Guido Reni (eigentlich nach Zur- seine Arbeiten weiter, insbesondere den Alexan- 
baran) und führte eine hl. Magdalena mit dem derzug bis zur sechszehnten Platte (1829), bis 
Grabstichel aus; ausserdem stach er nach an- ihn die Berufung zur Professur der Kupferste- 
tiken damals gefundenen Bronzen und ver- cherkunst an die Münchener Akademie führte. 
wendete die freien Stunden zum Studium der Er wurde nun bayrischer Staatsbürger und über- 
Werke der R. Morghen, Longhi, Bervic, Des- siedelte mit seiner jungen, ihm wenige Monate 
noyers; besonders derVergleich derAetzdrücke erst angetrauten Gattin im Mai 1829 nach Mün- 
mit dem vollendeten Abdruck war vom g-rössten chen. Hier vollendete er die letzten fünf Blätter 
Eintlusse auf seine strebende Künstlernatur. Im des Alexanderzuges und die Grablegung (1834), 
Frühjahr 1816 schied A. aus München, um seine stach die Bildnisse von Cornelius und Klcnze, 
italienische Reise anzutreten; zuerst ging er mit SOWiG die lll- Familie Rafael? ßuS dem Hause 
seinem Freunde, dem Maler Rembeux, in die Canigiani, früher in Düsseldorf, und dessen Ma- 
Heimat, dann im Herbst zu P1155 bis nach F10- donna aus dem Hause Tempi nach eigener Zeich- 
renz und erst von hiei- alle mit dem Vettui-in nung. Im Kreise von Künstlern wie Cornelius, 
nach Rom. Schnorr von Carolsfeld, Peter und Heinrich 
Hier zog ihn die Bekaunteehaft mit Therwald- von Hess blieben ihm die römischen Erinnerun- 
sen und COrnelius in einen Kreis, der iiii- die gen lebendig. Dieser Zeit gehört das Bildniss 
Richtung seiner Kunst entscheidend wurde. In- Ameierie an, Weieilee H- Merz iieeii einer Zeieii" 
dem er Werke des Ersteren durch den Stich tref- lliiiig Keiiibdeiiie gestochen irdi- 
fend wiedergab, begründete er in weiteren Krei- Mit der Platte nach Overbeekie diriiimliii der 
sen seinen Künstlerruf. Seine ersten Arbeiten Religion in den Künsten, die 81' 1340 begonnen 
in Rom waren: Eine Caritas (Baei-elief), Amei- und an der er sechs Jahre deissig gearbeitet 
und Venus, Fliegende Genien, die bekannten hatte, sollte er seine künstlerische Thätigkeit 
Reliefs; Tag und Naeht, Der Hii-tenknabe und und sein Leben beschliessen. Eine Kur in seiner 
Die Sperauza, Sämmtlieh nach Thoi-waldsen, Heimat konnte die Krankheit, die er wol schon 
der seine volle Zufriedenheit mit diesen Sti- länger in eieii trug, iiieiii? meilriiebeii; er Starb, 
ehen auggpi-aeh und dem jungen Meister schon verehrt von zahlreichen Freunden und Schülern, 
damals den Stich seines Alexanderzuges über- am is- Mei 1849- 
tragen wollte. Auch der Stich des Titelblat- In der Thiitigkeit des Meisters tritt vor Allem 
tes zu den Nibelungen nach Cornelius wurde die Tüchtigkeit eines ernsten und unermüdlich 
ihm und seinem Freunde Barth zu gemeinscliaft- strebsamen Talentes zu Tage, das besonders die 
licher Ausführung damals anvertraut. Im Früh- Grundlage des Stiche I die Zeichnung", mit aller 
jahr 1818 stach er dann das Bildniss des jungen Sorgfalt auszubilden sucht. Ueberall erkennt 
Malers K. Ph. Fohr aus Heidelberg, der im Alter man den denkenden Meister, der den Charakter 
von 22 Jahren beim Baden in der Tiber ertrank, des Originals treu zu erfassen trachtet und sich 
1130i! einer Zeichnung von Barth. Dieser Zeit wird die Mittel klar macht, mit denen seine Kunst ihn 
auch das Bildniss Amsleris angehören, welches am treifendsten wiederzugeben vermag. Daher 
Barth gezeichnet hat, und das sich im Berliner Stehen ihm die glänzende Wirkung des Grab- 
Kupferstichkabinetbefindet. Das Jahr darauf war Stißhels an sich, der selbständige Reiz der Tech- 
er mit dcrZeichnung und dem Stiche der Madonna nik in zweiter Linie, wie er andrerseits von der 
Staffa, dem Werke RafaeYs, das sich damals malerischen Behandlungsweise, welche eine 
noch im Palazzo Connestabile zu Perugia befand ganze Richtung des modernen Stichs kennzeich- 
und neuerdings nach St. Petersburg gekommen 116i, nur S0 viel aufzunehmen trachtet, als es die 
ist, beschäftigt; eine Arbeit, welche die Fähig- treue Wiedergabe des Originals erfordert. Daher 
keit des" Künstlers bezeugte, Rafael in seiner Waren Mßrß Anton und Dürer seine eigentlichen 
Eigcnthümlichkeit aufzufassen und treu wicder- V0rbilder; insbesondere ist das Studium des er- 
zugeben. steren auf seine Entwickelung- von grossem Ein- 
A. vollendete diesen Stich sowie eine Platte tluss gewesen. S0 bildete er sich zunächst eine 
zum Alexanderzuge von ldiei-tvaldeen in Seiner feste markige Behandlungswcise durch enge und 
Heimat, wohin er sich 1820 zurückbegeben hatte. iieiiie, griieiiieiiiileiiä mit der Sßillleideiiedei ge" 
In diese Zeit fallt auch das Bildniss des Papstes arbeitete Seiireiiiiriiiigeil- 
Pius VII. Zu Ende des J. 1821 ging er aufs Seinem Talente kam die Aufgabe, in Rom eine 
Neue nach Rom , arbeitete hier vorerst an drei Anzahl der plastischen Werke Thorwaldsens zu 
Platten zum Alexanderzuge und führte zu spä- stechen, glücklich entgegen. Das Muster der 
teren Werken seines Grabstichcls verschiedene geläuterten Zeichnung, der feinen Formdurch- 
Zeichnungen aus: die Madonna mit der Nelke, bildung, das es hier fand, wirkte wesentlich mit,
        

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