Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599268
656 Bartolommeo Ammanati. 
der Bibliothek zu S. Lorenzo nach dem Modell eine überreiche Anwendung von Rustika, indem 
Michelangelds betrifft; dann folgen Briefe mit er damit die Bogen (wovon nur die mittleren an 
kleineren Aufträgen des Fürsten; 1563 ein sol- den drei Hofseiten offen gelassen sind) einfasste, 
eher, der die Herbeibringung der Granitsäule den Mauerke1'n bekleidete und sie sogar um die 
aus den Thermen des Antonin zu Rom betrifft, Pfeiler und Säulen herumlaufen liess. Das letztere 
welche, ein Geschenk des Papstes Pius IV. an Motiv ist besonders unglücklich. Die Säulen 
den Grossherzog, auf dem Platze S. Trinita auf- sind in den Trommeln der fortlaufenden Rustika 
gestellt werden sollte, was übrigens noch einige wie eingefangen, der Schein des Tragens, des 
Zeit dauerte, da ein Schreiben Ammanatfs vom vertikalen Aufstrebens durch diese wuchtigen 
10. April 1565 an Coccini, den Provveditore des horizontalen Bänder ganz aufgehoben, und zu- 
Grossherzogs, von der Länge und Stärke der gleich mit dem Ausdruck der baulichen Dienst- 
Seile handelt, welche zur Errichtung der Säule leistung die Form entstellt. Solche Rustikasäu- 
nothwendig waren; andere Briefe wieder betref- len sind nach diesem Vorgange öfters angewen- 
fen die Herbeischaffung von Piianzen für den det worden (vorher meines Wissens nur an Fe- 
Garten des Palastes Pitti und die Aufstellung stungsbauten) und bleiben überall eine barocke 
von Statuen in Nischen im Florentiner Dom, Form, deren Werth mehr als zweifelhaft ist; 
wieder ein anderer aus dem J. 1564 das Geschenk allein das Auftreten in Masse lässt sie geradezu 
eines Hauses, das A. vom Fürsten erhalten hat. widersinnig erscheinen. Die vierte Seite des 
Ueber den Ausbau des Pitti insbesondere ist ein Hofes wird von der Gartengrotte mit darüber 
Brief vom Dezbr. 1562 erhalten; dann ein Be- befindlichem Springbrunnen gebildet, und hier 
richt über den Fortgang des Baus vom Febr. 1563, ist bei noch reicherer Anwendung architektoni- 
der den Ankauf von Materialien bespricht und scher Formen (gekuppelte Säulen etc.) der 
die bisherigen Kosten angibt. Es waren damals schwerfällige und pomphafte Ernst, der den Hof 
5625 Scudi, eine für jene Zeit sehr beträchtliche charakterisirt, doch etwas gemildert. Die Ein- 
Summe, verausgabt worden, und doch der Bau, rahmung der in den Bogen stehenden Fenster 
wie es scheint, noch nicht zu einem Drittel des mit schweren Pilastern, gebrochenen und runden 
Entwurfs vorgeschritten. In welches Jahr die Frontispizen etc. zeigt überall die schweren, 
Vollendung fällt, ist nicht abzusehen, da der stark ausgeladenen und mit dekorativer Will- 
Briefwechsel mit dem Grossherzog nur bis zum kür behandelten Formen, welche insbesondere 
J. 156-5 geht. Michelangelo in die Epoche der Spätrenaissance 
Doch dieser Ausbau des Pitti, obwol dem Um- einführte. Auch finden sich hier schon im Ge- 
fange nach Ammanati's grösstes Bauwerk, ge- simse die gebauchten statt der geraden Stäbe 
hört keineswegs zu seinen besseren Leistungen. und Friese, eine Lockerung und Schwingung der 
Nach ihm bemessen würde seine arehitekto- Linie, derenVerstoss gegen die architektonischen 
nische Thätigkeit kein günstigeres Urtheil her- Gesetze immer fühlbar bleibt.  Auch die Fen- 
vorrufen als seine plastische. Der Palast war stereinrahmungen am Erdgeschoss der Fassade, 
bekanntlich im Auftrage Luca Pitti's durch Bru- mit Giebeln auf Pfeilern und von mächtigen 
nelleschi begonnen, und von diesem die Fassade Sockeln mit Konsolen getragen, rühren von Am- 
in der Hauptsache vollendet worden; die wesent- manati her; sie zeigen einen ähnlichen Aufwand 
liche und schöne Aufgabe, die nun dem Amma- mit architektonischen Formen wie die Hof- 
nati zufiel, war die Ausführung des Baus in die fenster. 
Tiefe, welche bei der wahrhaft fürstlichen An- Ein weit grösseres Geschick und mehr Ver- 
lage die Nachkommen des Luca aus Mangel an ständniss für eine vornehme festliche Wirkung 
Mitteln nicht hatten unternehmen können, ins- bekundet A. in den Bauten, welche er ganz 
besondere die Errichtung des Hallenhofes. Die- selbständig im Sinne seiner Zeit und ihrer archi- 
ser sollte natürlich der ernsten und monumenta- tektonischen Bedürfnisse aufführen konnte. A. 
len Grossheit der Fassade entsprechen. Allein gehört neben Alessi und Palladio zu jenen Ar- 
A., an ein solches Vorbild und durch dessen For- ehitekten, welche vor und nach der Mitte des 
derungen gebunden, wusste die Grösse hier nur 16. J ahrh. für die ebenso an Zahl wie an Pracht- 
zu finden in einer äusserlichen und übertriebenen liebe zunehmende Gesellschaft der Grossen und 
Wucht der Formen; es zeigte sich, dass seit Reichen den Palastbau passend fortbildeten, wo- 
Brunelleschi die Architektur ganz andere Wege bei sie sowol für den fürstlichen Weitbau als 
betreten hatte und eine Rückkehr zu der einfach für das kleinere Haus des zu höherem Ansehen 
grossen Formenweise desselben den Spätcren undVermögen gelangtenPrivatmannes die rechte 
nicht möglich war. Freilich war auch der Vor- Form zu finden wussten. Unserem Meister ist 
gänger dem Nachfolger an Begabung weit übcr- dabei eine gewisse Einfachheit und Grösse der 
legen.  A. führte, wie dies bei den reicheren Anordnung, bei sparsamem Gebrauch der archi- 
Anlagen der gewöhnliche Brauch war, in seinem tektonischen Formen zur Gliederung der F35- 
Hofe die Vertikalgliederung der drei Ordnungen sade, eigenthümlich. Die vertikale Eintheilung 
mit Halbsäulen auf Pfeilern durch, verband aber durch Pilaster oder Halbsäulen findet sich bei 
damit, um mit dem kolossalen Quaderbau der ihm verhältnissmässig selten; (lagegcn sind die 
Fassade einen gewissen Einklang herzustellen, hohen Stockwerke durch wuchtige Gurten oder
        

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