Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1599255
 Bartolommeo Ammanati. 655 
die nachbildende, dabei aber anspruchsvolle ren Baukunst bis zu einem gewissen Grade seine 
Kunst der Späteren unausbleiblich mit sich berechtigte Stelle hat. 
bringt, ünden sich nur Wenige Züge von ein- A. hatte wie bemerkt, nachdem er im J. 1550 
facher natürlicher Schönheit. Mit einer gewissen für längere Zeit nach Rom gegangen war, dort 
Leere und Gleichgültigkeit tragen auch hier die begonnen, sich mit der Architektur eingehender 
allegorischen Figuren ihre Formen, ihre zum zu beschäftigen: Unzweifelhaft hatte er dazu, 
Theil gewaltsamen Geberden zur Schau. Doch wie fast alle Künstler der Zeit, schon in der Ju- 
sind die Figuren an dem schon erwähnten Denk- gend gründliche Studien gemacht und war nun 
mal des Benavides zu Padua in der Bewegung bestrebt sich nach allen Seiten und in allen Be- 
nicht ohne Adel, auch der Aufbau des Ganzen dingungen des Bauwesens vollends auszubilden. 
von einer gewissen Schönheit. Dagegen trägt Denn schon sehr bald nach seiner Ankunft fielen 
ein späteres Grabmonument des Meisters, das ihm grössere Bauaufgaben zu (wovon später); 
Gregor XIII. im O ampo S anto zu Pi sa einem zugleich schrieb er eine ganze architektonische 
Neffen, dem berühmten Juristen Giovanni Buon- Abhandlung (La Cittä), deren Gegenstand die 
compagni, 1574 errichten liess  mit der Statue Anlage einer grossen Stadt war mit Entwürfen 
des Heilands, welcher die Wundenmale zeigt, zu allen möglichen Gebäuden. Leider ist die- 
zwischen den Figuren der Gerechtigkeit und des selbe als Ganzes zu Grunde gegangen, nur ein- 
Friedens  erstrecht jene Eigenschaften an sich; zelne Fragmente davon sind noch in den Samm- 
und noch mehr die Stuck-Statuen, welche A. in lungen der Uffizien erhalten. 
einigen lllloreniinel" Kirchen (Bdliilsierilini; S- Als er nach Florenz zurückgekehrt war, fand 
Gievdnnine) erriehilei hdi- er dort bald als Baumeister einen weit grössercn 
S0 läSSi Sich A- als Bildhauer, ObWOl ihm Wirkungskreis. Die grosse Uebersehwemmung 
gründe Aufgaben Zillielen, nill" eine mittelmäßige des Arno im Sept. 1557 hatte die Brücken zer- 
Bedeutung Zlispredlleii- Wenn er einerseits die stört, und A. erhielt nun den Auftrag, diejenige 
gar zu derbe und doch prunkende Gewöhnlich- 311a Can-ajg, von der zwei Bögen eingerissen 
keii, Welche die Fignien Bdhdihellie kennzeieh- waren, wiederherzustellen, die andere aber, S. 
net, zu vermeiden weise, so bleibt er doch and- Tringtd neu zu errichten Er 15Std diese Auf. 
rerseits hinter der anmuthigen Lebendigkeit des gabs in ebenso praktischer, technisch tüchtiger 
Giovahrli Bologna Weit Zurück. ES fehlt über" als künstlerischer Weise. Er konstruirte die 
haupt seinen plastischen Werken an Selbstän- Pfeile;- deral-t im Dreieck, dass sie gegen den 
digkeit. und Charakter. Die Nachbildung Michel- Anprall der Fluthen den grösstmöglichen Wider- 
angelois musste, wo es an einem eigengearteten stand leisten, und wö1bte darüber drei weite 
Talent und 54,11 plastischem Lebensgefühl fehlte, Flachböggn, yvelghg gl-Qsge Massen des Wassers 
Zu einer Manier führen, die nur die Spuren des auf einmal durchlassen. Begonnen wurde der 
Verfalls zeigte nnd in den dnepidehsvdllen Ge" Neubau erst den 30. Mai 1567, vollendet den 
bilden die innere Leere nicht verhehlen konnte. 15_ Sepsblg 157d Milizia erklärte diese Brücke 
für die schönste, welche seit dem Beginn der 
II Die Bauwerke des Meistcrs in Rom, Florenz, Lucca ete- Renaissance gebaut Worderh In der That muss 
Amlnenhii als Arehiieki-  sie durch die nedle Spannungu der drei Flachbö- 
Eine ganz andere Stellung nimmt dagegen A. gen, welche die immer etwas harte Linie der 
als Architekt ein. Was er als Baumeister ge- Stlchbögen durch leichte Schwingungen vermei- 
lcistet, macht seine eigentliche Bedeutung aus, den, dnreh ihr feines Verhälinlss Zn einander, 
und die Barock-Arehitektiir, soweit sie als ein indem Sie gegen die Mitte Sdhiii ansteigen, dnrßh 
besonderer Stil bezeichnet werden kann, hat ge- die Wirksame Profilirung und durch den Linien- 
l-sde von seinen Bauwerken wesentliche Cha- linss, die anmuthige Formeneinfachheit des Gan- 
rakterzüge empfangen. An ihm erweist sich Zeh auch heilte noch für eine der Schönsten 
deutlich, wie in der zweiten Hälfte des 16. J ahrh. Briißlißh gelten- 
dio Dinge in der Baukunst ganz anders liegen Zugleich mit diesem Werke war ihm noch ein 
als in der Plastik. In dieser trat der Verfall grösseres und ruhmvolleres zugefallen: dcrAus- 
offenkundig auf und entartete der Stil, der sich bau des Palast es Pitti, den Eleonora di To- 
vorhcr zur höchsten Blüte entwickelt hatte, zu ledo, die Gemalin Cosimds I., von den Erben 
einer Manier, die nicht einmal die reichen deko- des Luca Pitti angekauft hatte. Dass A. auch 
rativen Wirkungen zu erreichen wusste, durch mit dieser monumentalen Arbeit betraut wurde, 
welche sich unläugbai- eine spätere Epoche wie- der grössten, Welche der Grossherzog vornehmen 
der hervorthat. In der Architektur aber zeigt liess, bezeugt die Gunst, in welcher der Meister 
sich wol auch Verfall hinsichtlich der früheren bei seinem Fürsten stand. In der That ergibt 
Reinheit der Formen und ihrer Anwendung nach sich aus seinen Briefen an denselben, dass 
gewissen künstlerischen Gesetzen; allein es bil- A. alle grösscren Arbeiten in der Hand hatte 
det sich dafür eine Behandlungsweise der For- und Cosimo auf seine Kunst wie auf seine Lei- 
men aus, der man einen eigenen architektoni- tung der Geschäfte grosse Stücke hielt. Schon 
sehen Charakter nicht absprechen und welche aus dem J. 1559 lindet sich ein Schreiben an den 
daher für einen Stil gelten kann, der in der ncuc- Grossherzog, das die Ausführung der 'I'reppe in
        

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