Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598849
614 Michel Angele Amerigi.  
richtigen zu erkennen meinte. Prospero, der scheiden. C. ist in seinen früheren Bildern, wo- 
das grose Talent erkannt zu haben scheint, be- zu insbesondere die Werke dieser Epoche zäh- 
stärkte ihn in dieser neuen Richtung. Und nun len, in ofenbarer und glücklicher Nachahmung 
wandten sich ihm auch Glück und Erfolg mehr der grossen Venezianer, durchaus hell, blond in 
zu, indem ihn der Kardinal del Monte in sein der Färbung und in der Gesammtharmonie von 
Haus aufnahm. Einer solchen Gunst und Em- einem schönen Gold. Das hat sein anderer Bio- 
pfehlung bedurfte mehr oder minder Jeder, der graph Bellori wol gewusst und eigens bemerkt: 
in Rom sein Fortkommen suchte. nseine erste milde und reine Weise des Kolori- 
In dieser besseren Lage begann dann A. seine ren's War die bessere, in ihr verdiente er grosses 
eigene Weise auszubilden. Er hatte schon vor- Lob und erwies er sich als treiflichen lombar- 
her, wie berichtet wird, einige Male versucht dischen Koloristens. Zu den anziehendsten Wer- 
sein Bildniss im Spiegel zu malen, offenbar um kenidieser Art gehören: die Lautenspielerin in 
sich so streng wie möglich an die Natur selber zu der Galerie Liechtenstein zu Wien, eins sei- 
halten. Es ist wahrscheinlich, dass er schon da- ner Bilder im Palazzo Doria zu Rom und Judith 
mals nicht bloss zu dem falschen und siisslichen mit dem Kopfe des Holofernes in einem Korbc, 
Idealismus des Cavaliere d'Arpino und seiner begleitet von ihrer Magd, früher in der Samm- 
Genossen, sondern auch zu den akademischen lung Scarpa zu La Motta im Trevisanischen 
und eklektischen Bestrebungen der Caracci, die (jetzt in England). Letzteres ist ein Werk, das 
in Rom allmälig Boden gewannen, in schroifen kaum einem Pordenone nachsteht, und ersteres 
Gegensatz trat. Er griff ohne Weiteres zu den ein Prachtstück, das einmal gesehen nicht leicht 
alltäglichen Erscheinungen des Lebens, zu den wieder vergessen wird. Auch in der Form zeigt 
niederen Stoifen der Wirklichkeit; denn gegen- der Künstler in dieser Periode noch mehr Aus- 
über den idealisirten Formenjener Kunst, welche Wahl und Reiz; auf den wenigen Bildern der- 
ihm widerstrebte, erschien ihm die gemeine selben, welche noch erhalten sind, findet sich 
Menschennatur nicht bloss als der Gegenstand, sogar der eine und andere anmuthige Frauen- 
sondern auch als das beste Vorbild einer wahren kopf. Damals wirkte in ihm offenbar das Stu- 
Darstellung. Zudem entsprach seinem eigenen dium Giorgonds noch fort; was ihn gegenüber 
Wesen die derbe und vulgäre Erscheinung des den Idealisten auszeichnete, war neben der Klar- 
Lebens, in der sich die Leidenschaft unverhüllt heit die Natürlichkeit der Farbe, die Einfachheit 
und mit der ganzen Wildheit ungezügelter Na- der Töne, die zu dem künstlichen Farbenge- 
tur kund gibt; an Zigeunern, Raufbolden, Trin- pränge der Modeknnst in glücklichem Gegen- 
kern, Spielern und Dirnen hatte er zeitlebens satze stand. Andrerseits trat er durch die genre- 
55111 Gefallen, Solchen] Volke gntnahm er auch hafte Darstellung des gewöhnlichen Lebens (1611 
die Vorwürfe, die er zuerst, wie es scheint, für Reformbestrebungen der Caracci entgegen. Diese 
seinen Gönner behandelte. Das erste Bild der hatten immci die idcclc, Ciic gfcßßc Kllnst im 
Art soll die wahrsagende Zigeunerin gewesen Allgc, und Wie sie die Form Zii iiiiiieiii Siichicil. 
sein, die sich noch jetzt in der Galerie des Ka- S0 Waren die Gegenstände, fiil? Wclchc Sie nach 
pitols zuRom befindet. Für den Kardinal malte einem ernsten und angemessenen Ansdmck 
er die berühmten falschen Spieler, welche jetzt trachteten, kirchlicher und mythologischer Art. 
daselbst die Galerie Sciarra besitzt. Von Eihc ganz andere Weil W31" Es, Wclchc Caravag- 
einem anderen Gemälde gleicher Gattung (Gc- gio zur Geltung bringen Wollte. Das Talent und 
sellschaft von musizirenden jungen Leuten) für Gcßchicli, Wclchcs 91' dabei hcWiihYic, nöthigte 
denselben, das zugleich ein bezeichnendes Bei- auch den Caiiicci Anerkennung ab, und Anili- 
spiel für die dem Meister eigene Treue genrehaf- bale meinte damals, A. müsse sich wol Fleisch 
tei- Naturnachahmung gibt, erzählt sein Biograph zum Malen des Fleisches reiben , worin freilich 
und Zeitgenosse Baglione, dass sich darauf eine auch ein leiser Tadel der blossen Naturnach- 
Flasche mit Wasser und Blumen befand, worin ahmung liegen konnte. Allein die Schilderung 
sich das Fenster, neben anderen Gegenständen gewöhnlichen Lebens, niederer Menschen und 
ganz vortreiflich spiegelte, und dass selbst der ihYcS iiiglichciiTicihßnS, und zWßPih iehßiisgmß" 
Thau auf den Blumen mit nauserlesenem Fleisses Scm Maßstäbe, Wie Wchll diese Gestalten das 
dargestellt war. Caravaggio selber soll damals gleiche Recht moiiliincilicflci Erscheinung hätten 
dieses Bild für sein bestes Werk gehalten haben. Wic Giiilici und Kiichcilvaicr, cißchien als eine 
Doch hatte G. zu der Zeit noch nicht jene Dar- iinerhprte Neuerung" Dabei Waren ausdrück" 
stellungsweise entwickelt, welche den vollen lieh die Geseize Veredelter Form und Wclgccid" 
Gegensatz zu den Idealisten sowol als zu den "eher Gruppiiung Veiiciiiiiiiiiiä wie es der zu" 
Caracci bezeichnet und jene eigenthiimlichen iiiii des Lebiifis gab: iiieiiien die Figuren sich 
lüge an sich trägt, welche wir mit seinem N8, dar. Auf schone Vertheilung der Gestalten im 
men allezeit in Verbindung bringen. Es ist Riiiiine kaiii es dem Künstler 30 Wenig im, da" 
ganz wesentlich, bei diesem Meister  was er 81.6 zumeist dicht auf einander drängte und 
neuerdings öfters übersehen worden ist  zwei Oft mit biosseii Hßlbiigiiieii sich begnügte. da 
völlig getrennte Kunstweisen, wenigstens was schon damit eine treffende Nachbildung des Le- 
Färbung und Beleuchtung anlangt, zu unter- bens sich erreichen liess.
        

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