Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598688
598 Amaury-Duval  Amay a. 
Verständniss des Körperbaus und verbunden 
mit einer idealen Anordnung und Darstellungs- 
weise, ist ihm wie der ganzen Schule die Haupt- 
sache, der gegenüber das Kolorit in die zweite 
Stelle tritt. Von dieser Seite zeigen die Arbei- 
ten Amaury's eine sehr achtbare Tüchtigkeit, 
während andrerseits  wie bei den meisten 
Werken dieser Schule  der Mangel an maleri- 
schem Reiz, eine gewisse Kälte der Auffassung, 
Diirftigkeit in der Erfindung und Trockenheit 
der Behandlung ihre Wirkung beeinträchtigen. 
Wie begreiflich, fand diese ideale Richtung in 
der monumentalen Kunst eine geeignete Verwen-  
dung; nur glaubten hier die Künstler, und ins- 
besondere Amaury, sich die vorrafaelische Ma- 
lerei zum Muster nehmen zu müssen. Er hat sich 
daher in den Wandmalereien, die er in der) 
Kirche St. M er r y (Kapelle der hl. Philomene, 
im J. 1839, später auch die der hl. Maria), in 
St. Gerxnain-fAuxerrois (Kapelle der hl. 
Jungfrau 1840), beide zu Paris , und neuerdings 
in der Kirche von St. Germain en Laye 
(1848-1853) ausgeführt hat, durchweg an die 
traditionelle Weise der älteren Italiener gehal- 
ten. Die Strenge und Befangenheit derselben; 
erschien ihm gegenüber der modernen Ausge-f 
lassenheit des Pinsels als das einzig Richtige   
und wol auch als das Wirksamste. Architek- 
tonisch angeordnet sind die Gestalten wenig be- 
wegt, im Ausdruck erinnern sie an die liebens- 
würdige, aber einförmige Innigkeit der Köpfe 
Fiesolds; wie von der Realität abgewendet und 
in eine ideale Ferne gerückt, sollen sie ein stil- 
les Leben für sich zu führen scheinen. Aber das 
Absichtliche solcher Rückkehr zu einer älteren 
und überwundenen Anschauung blickt überall 
durch und macht das Dürftige und Unlebendigc 
der Darstellung noch fühlbarer. 
Wie die Mehrzahl der Künstler dieser Rich- 
tung hat sich Amaury auch im Porträ t hervor- 
gethan, namentlich in Frauenbildnissen. 
Hier kam ihm sein Verständniss der Form und 
sein Vermögen, sie treu und doch mit einer ge- 
wissen Anmuth wiederzugeben, zu Statten; mit 
gewissenhaftem Fleisse sucht er die grösste 
Wahrheit und ihm mögliche Vollendung zu er- 
reichen. Im Ausdruck weiss er die etwas ge- 
suchte Vornehmheit, worein jetzt die höheren 
Stände den Adel der Erscheinung setzen, wol zu 
treffen; doch auch die jugendlichen Frauen von 
ihrer liebenswürdigen Seite zu geben , wobei er 
den Schmuck und Schiller kostbarer Gewänder 
geschickt verwerthet. Indessen sind ihm ver- 
möge seiner Formenkenntniss und festen Hand 
auch Männerbildnisse gelungen, wie dasjenige 
seines Vaters (Salon von 1830), die Porträts des 
Akademikers A. Duval und des Stempelschnei- 
ders Barre (beide im Salon von 1840). Neuer- 
dings hat er versucht im Kolorit leuchtendere 
Wirkungen zu erzielen, als sonst der Schule 
eigen sind; aber über die matte und eintönige 
Malerei derselben ist er doch nicht hinausge- 
kommen , während andrerseits die Glätte und 
Sauberkeit einer Behandlung bis zur Aengst- 
lichkeit geht. 
Endlich hat der Meister, als sich neuerdings 
die französische Malerei mit Vorliebe wieder 
der Darstellung des Nackten zuwendete, in 
nackten weiblichen Einzelfiguren und verwandten 
Darstellungen seine ernste und stilvolle Auf- 
fassung der Form nicht ohne Glück bewährt; 
allein eine gewisse Trockenheit und Kälte sind 
auch hier fühlbar. Seine Venus (Naissance de 
Venus, im Salon von 1863, jetzt im Museum zu 
Lille), eine schlanke Gestalt, die eben dem 
Meere entstiegen sich die Haare auswindet, ist 
bei aller Feinheit der Formen zu gesucht in der 
Stellung, zu hart in den Linien. Gefällig dage- 
gen und von natürlichem Liebreiz ist sein 
Junges Mädchen, das in den zarten Formen 
des halbwüchsigen Alters, nach dem Bade noch 
nackt auf seinen Gewändern sitzend , mit der 
Puppe spielt (Etude d'enfant im Salon von 1864). 
Nur ist die unfertige Schönheit des erst halb- 
reifen weiblichen Körpers  bekanntlich "ein in 
der neuesten französichen Kunst nicht unbelieb- 
tes Motiv  für die künstlerische Darstellung 
immer ein bedenklicher Gegenstand. Derselben 
Gattung anmuthiger Idealliguren, deren eigent- 
licher Reiz die Schönheit der nackten oder we- 
nig verhüllten Form ist, gehören noch sein 
Daphnis und Chloe (Salon von 1865) und 
seine Psych e an (Salon von 1867 ; in den Be- 
sitz der Prinzessin Mathilde übergegangen). 
Zeichnung und Modellirung sind in diesen Ge- 
mälden immer fein durchgebildet, die Färbung 
dagegen, meistens von lila-rosigem Ton, ist matt 
und trocken. 
s. H. Delaborde, Des Oeuvres et de 1a Manierc 
de M. Amaury-Duval in : La Gazette des Beaux- 
Arts. XVIII. 419-428.  G a. z e t te des Beaux- 
Arts 1861. pp. 63. 64. passim.  Kunst- 
blatt, Stuttgart. 1841. p.146. 1846. p. 138.- 
Meyer, Geschichte der mod. franz. Malerei. 
pp. 353. 380.  Bellier de la Chavig- 
nerie, Dictionnaire, woselbst das Verzeichniss 
seiner von 1830-1868 ausgestellten Werke. 
Nach ihm gestocheh etc. 1 
1) La Naissance de Venus. In Holz geschnitten 
nach der Zeichnung Chenavarrfs von M. Gnil  
laume. 4. In: Gazette des Beaux-Arts. XVII. 
177. 
2) Jeune Fille (nackt, mit der Puppe). Leopold 
Flameng del. scu. 4. In: Gazette des Beaux- 
Arts. XVIII. 
äl- 
Amaya. Amaya, spanischer Maler, Schüler 
von Vicente Carducho. Er malte 1682 die Bil- 
der des Hauptaltars der St. Martinskirche zu 
Segovia und zwei andere für das Pfarrhaus. 
Sie stellen Vorgänge aus dem Leben des hl. Mar- 
tin dar und zeigen mehr Gewandtheit im Kolo- 
rit als in der Zeichnung.
        

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