Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592999
 
halter war, ein Kommando und befehligte im 
Feldzuge gegen Siena 1554 das deutsche Kriegs- 
volk. Recht wol möglich, dass sich dann wie- 
der Madruzzo in Mailand aufhielt und hier durch 
die Empfehlung des berühmten Leoni den talent- 
vollen jungen Abondio kennen lernte. Bald 
darauf und noch ehe dieser nach Böhmen kam, 
imag er ihm jene Medaille bestellt haben. Dafür 
lspricht auch, dass der Verfertiger derselben 
offenbar die österreichischen Verhältnisse noch 
nicht genau kannte; denn das Bildniss des Feld- 
herrn hat das goldene Vliess um, das dieser gar 
nicht hatte, und noch dazu unrichtig an einem 
 Bande. Vielleicht dass jene Bekanntschaft Abon- 
 die's mit Madruzzo und die Denkmiinze auf die- 
sen die erste Veranlassung gaben, den Künstler 
 nach Prag zu berufen. 
Amt. Abondio in Prag und in München. 
Wann Abondio nach Böhmen gekommen, ist 
unbekannt. Er wird 1566, also schon unter Kai- 
ser Maximilian II. , als ßConterfeter und Malern 
mit monatlich 20 il. ilofbesoldung im kaiserli- 
chen Hofstatus aufgeführt. 1568 und 1570 sind 
dann Zahlungen für kaiserliche Bildnisse notirt; 
auch kommen noch Medaillen mit Maximilian II. 
und seiner Gemahlin Maria vor, wie denn der 
Meister öfters auch als vErzschneidera bezeich- 
net ist. Unter dem 28. Febr. 1574 wurde ihm 
von Maximilian II. der Adel bestätigt und das 
Wappen aufgebessert; ein Zeichen, Idass einer- 
seits unser Künstler aus einem adeligen Ge- 
schlechte entsprossen (vergl. Alessandro Abon- 
dio) war, und andererseits beim Kaiser in hohem 
Ansehen stand. Nicht geringere Gunst erwies 
ihm hierauf Rudolf II. Der Künstler schien mit 
seinem Verdienst nicht recht auszukommen; 
eine Urkunde von 1577 berichtet, dass er auf 
dem neuen Markte zu Wien ein überschuldetes 
Haus besass, ein Recepisse vom 16. Jänner 1580, 
dass vSeine Majestät Rudolf II. den Antonio 
Abondio Contrefaktor bei seinen Gläubigern um 
1000 11. enthoben hattea. Abondio muss um jene 
Zeit von Prag abwesend gewesen sein, da ihm 
der Kaiser bemerken liess, dass "er auch ehestens 
allher zu Hof sich vermögen mögen; auch wird 
durch Dekret vom 19. April dem I-Iofzahlmeister 
angezeigt, dass vlhrc Majestät dem Antonio 
Abondio "seine Absenten, so 757 5- bringen, 
passiren zu lassen, gnädigst bewilligethabeu. 
Dass" der Künstler längere Zeit vom kaiser- 
lichen Hofe abwesend war, ergibt sich auch aus 
verschiedenen Medaillen mit Bildnissen auswär- 
tiger Fürsten, die oHenbar nach dem Leben ge- 
nommen siud. Die Denkmiinze zwar mit den 
Porträts des Herzogs J oh. Friedrich von Sachsen- 
Gotha und seiner Gemahlin Elisabeth vom J. 
1576 ist sicher in Wien selber modellirt, als das 
herzogliche Ehepaar zu Wiener-Neustadt gefan- 
gen sass. Auf einen Aufenthalt in Koburg aber 
lässt die schöne Medaille mit dem Bildnisse jenes 
Hieronymus Scotti (vom J. 1580) schliessen, der 
kann nicht Alexandri {ilius heissen, wie Einige 
angenommen, da der angebliche ältere Alessau- 
dro Abondio (s. den nächsten Art.) noch später 
als unser Antonio nach Prag berufen wurde. 
Vielmehr ist sehr wahrscheinlich , dass Antonio 
der Sohn des oben genannten älteren Antonio, 
und zwar, da dieser längere Zeit in Mailand 
arbeitete, in eben dieser Stadt geboren ist. Es 
liegt sogar die Vermuthung nahe. dass der junge 
Abondio nicht blos von seinem Vater, sondern 
auch von jenem Medailleur Leone Leoni, der 
der reiche Günstling Kaiser KarYs V. war, und 
sein Haus" vom alten Abondio so stattlich hatte 
ausschmücken lassen , die Uebung seiner Kunst 
erlernte. Für diese Annahme scheint eine Me- 
daille auf den siid-tirolischen Freiherrn Nicolaus 
von Madruzzo, Karl's V. Obersten über deut- 
sches Fussvolk, zu sprechen, deren Avers, das 
Bildniss des Obersten, mit dem Monogr. AN; 1B 
bezeichnet ist, während der Revers in vor- 
treiflieher Arbeit den Sturz der Giganten dar- 
stellt, dessen COXUPOSltlOD nach Oicognara und 
Vasari von Leone Leoni herrührt. Zwar ist diese 
Medaille kein Beweis für ein gemeinschaftliches 
Arbeiten des Leoni und des jungen Abondio, da 
der Originalguss zu jener Medaille auf Madruzzo 
einseitig war und erst auf späteren Güssen jener 
Gigantensturz vorkommt , der ursprünglich den 
Revers zu einem Bildnisse Karls V. bildete. 
Allein bezeichnend ist es doch, dass auf diese 
Weise ein Werk von Leoni mit einem solchen 
von Abondio verbunden wurde , und jeder Um- 
stand, der diesen mit jenem in Beziehung setzt, 
um so interessanter, als dadurch die Abkunft des 
jüngeren Antonio vom älteren gewisser wirda 
Dass übrigens jene Denkmünze auf Madrnzzo  
vom jüngeren Abondio, und nicht, wie man -wol 
gemeint hat, vom älteren herrührt, ergibt sich 
aus dem Bildnisse auf der Medaille selber. Nag- 
ler wollte sie in den Monogrammisten in das 
Jahr 1547 setzen und daher dem älteren Abon- 
dio zuschreiben, weil sich bei J. T. Luckius, 
"Sylloge numismatum elegantiorum eten, 1620, 
bezüglich der abgebildeten Münze die Stelle 
findet: wNumus votivus Nicolai Baronis Ma- 
drucii cusus in honorem Caroli V. 0b foedus. 
Smalcaldieum dissipatum, eaptos primos ejus 
Proceres anno 1547". Ist aber auch die Münze 
auf die Vernichtung des schmalkaldischen Bun-, 
des geschlagen, so ist damit nicht bewiesen, dassi 
sie in ebendemselben J. 1547 gefertigt seid 
Vielmehr liegen für eine spätere Entstehungs- 
zeit die deutlichsten Anzeichen vor. Denn Ma- 
druzzo  davon ganz abgesehen, dass er im! 
vorgerückten Alter (erst 157 O gestorben) abge- 
bildet ist  führt auf der Medaille selber den. 
Titel des vDominusn von Madruzzo u. s. f.; so 
konnte er aber erst-von Ende 1552 an heissen, 
da erst dann sein älterer Bruder gestorben und 
er mit den Lehen der Familie investirt war. In 
den fünfziger Jahren war er viel in Italien; er 
hatte in Mailand, als sein Bruder daselbst Statt-
        

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