Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598583
588 Pomponio Amalteo. 
 
mit seiner Kunst wirklich stand und wessen Bedeutender, schöner und vollendeter sind die 
Schüler er gewesen war. Wandmalereien in der Kirche S. Maria de'Battuti 
Die erste historische Kunde, die wir von zu San Vito, wo P. den ganzen Chor ausge- 
Pomponio haben, begegnen wir in den Akten malt hat. Oben in der Kuppel die Himmelfahrt, 
des Prozesses, den er gegen seinen Schwieger- d. h. der Heiland in den Wolken die Jungfrau 
vater Girolamo de'Sbrojavacca vor dem Gericht empfangcnd und mit dem Finger zeigend, wie 
zu Udine führte, um die Mitgift seiner verstor- Gott Vater über ihnen schwebt und beiden den 
benen Frau Tisa de'Sbrojavacca ausgezahlt zu Segen ertheilt; unten die Jünger, Doktoren, 
erhalten. Eine zweite Nachricht finden wir in Sibyllen und Volk gen Himmel emporschauend; 
einemHeiratskontrakt, worin er am 29. Juni 1534 in vier Medaillons an der Wölbung Daniel in 
Graziosa, Tochter des Malers Pordenone, zu der Löwengrube von Habakuk und dem Engel 
ehelichen verspricht. Aus späteren Zeiten haben genährt, das Opfer Melchisedeks, das Opfer 
wir zahlreiche und eben so sichere Nachrichten; Abrahams und Let's Flucht aus Sodom. Auf 
wie er z. B., nachdem er 1439 ein eigenes Haus der Wand links in den Lünettcn die Vertrei- 
in San Vito gegründet hatte, sich 1541 zum drit- bung Joachims und Anna's aus dem Tempel 
ten Mal mit Lucrezia Madrisio aus Udine ver- und die Geburt Marias; unterhalb derselben 
malte; wie er im März 1542 sich als Agent an der Besuch Maria's im Tempel; in der Seiten- 
dem Prozess betheiligte, den Balthasar, Por- lünette rechts die Verkündigung und Heim- 
denone's Bruder, gegen die Frescolini führte, suchung, darunter die Anbetung der Könige und 
um Antheil an des Malers Nachlass zu gewinnen. die Flucht nach Egypten; auf dem Eingangs- 
Weiter noch erfahren wir aus den Archiven, wie bogen zwei kolossale Gestalten Paulus und 
er sein eigenes Grabmal in S. Lorenzo zu San David. Ueberall stösst man auf Erinnerungen 
Vito 1561 baute, wie er 1562 Podeste von San an Pordenone; bei Betrachtung der Kuppel 
Vito wurde und zweigseiner Töchter, die älteste denkt man unwillkürlich an die Kapelle Broc- 
(vor 1572) an Sebastiano Secante, die zweite cardi zu Treviso, oder an die Fresken im Chor 
Quintilia (1570) an Giuseppe Moretto (beide der Kirche zu Travesio. Die Zeit der Vollen- 
waren Maler) verheiratete. dung ist in der Inschrift unterhalb der Wölbung 
Das älteste erhaltene Bild Pomponids befindet angegeben : Dei parae Virginis Collegio jubente 
sich im Dom zu San Vito und stellt fünf Heilige, pictura haac Roberto corona rectore principium 
darunter Rochus, Appollonia und Sebastian habuit Mnxxxv. Vasari erzählt, dass Kardinal 
dar. Es trägt die Inschrift Pomponius pinxit Maria Grimani mit einem Adelsbrief den Künst- 
MDXIXIII; und wenn es sonstnicht bekanntwäre, ler belohnte. Solche Auszeichnungen müssen 
dass wir einen Schüler Pordenones vor uns ha- damals billig gewesen sein; denn gibt man 
ben, würde es hier augenscheinlich. Eine breite zu, dass in diesen Fresken hie und da viel 
Pinselführung und Freiheit des Auftrags bezeu- Feuer, Leben und natürliche Bewegung in den 
gen, dass der Maler damals schon im Stande war, einzelnen Figuren, auch Fantasie derDarstellung 
die Schulkunst Giovanni Antonios sich anzueig- zu finden ist, so bleibt doch manches zu tadeln, 
nen. Zugleich aber zeigt sich, dass P. als wie die vernachlässigte Zeichnung, die groben 
wandernder Bursche Gelegenheit gehabt haben Umrisse und die Undurchsichtigkeit der Schat- 
muss nicht nur Pordenone, sondern auch Tizian tenfalrbung. Oft ist man durch kolossales Maß 
zu studiren; denn die Farbe ist glänzender , die der Gestalten, öfter durch schwache Raumver- 
Zeichnung sorgfältiger, als sie gewesen wären, theilung oder Mangel an Gleichgewicht gestört; 
hätte der Maler nur den einen Meisternachgeahmt. und vollen Ersatz dafür findet man nicht in der 
Nach einer Ueberlieferung von Renaldis wur- Pracht und Glut der Farben. 
den die Fresken in der Halle des Stadthauses Gleich großartig an Zahl und Größe sind 
zu Ceneda Gfßt 1534 Vollßlldet; dßßh sind Sie die Fresken, welche, 1538 bestellt, in der Kirche 
vielleicht später ausgeführt worden. Auf einem zu prodolone in Friaul 1542 vollendet wur_ 
dieser Bilder Vßrtheidigt der Junge Danlel, 89' den. Es sind hier wiederum Szenen aus dem 
gen die Ältesten gewendet, die keusche 51153111134 Leben des Heilands und der Jungfrau dargestellt. 
auf einem zweiten kniet die Mütter V01 331101110, An beiden Seiten des Altars der kreuztragende 
der dem Henker Befehl gibt das lebende Kind Christus uud die Himmelfahrt, darüber in 
zu theilen. Ein drittes Bild stellt die Mutter vor, Lünetten Christus und die Schriftgelehrten, 
die dem Kaiser Trajan ihr todtes Kind zeigt und und Christus, den heiligen Frauen den Segen 
ihn um Gerechtigkeit gegen den Mörder anruft. crtheilend; links in zwei Lünettcn die Verkün- 
Zu Pferd, in schöner Haltung deutet Trajan sei- digung Anna's und die Begegnung Joachims 
nem heranreitenden Sohne die Schuld an. Diese und Annas, darunter eine reiche Komposition 
Bilder, zum Theil beschädigt, sind ganz im der Geburt Christi, die, schön geordnet und le- 
Geist des Pordenone gehalten und diesem sogar bendig gruppirt, doch nachlässig gemalt ist. 
von Ridolli zugeschrieben worden. Voll Leben Rechts oben der Besuch Marias im Tempel und 
in den Bewegungen und Geberden der Figuren, ihre Vermälung, unten die Beschneidung und, 
voll Kraft in der Handlung, sind sie dagegen gut komponirt, die Anbetung der Könige.  
leicht und skizzenhaft ausgeführt. Von sieben Figuren der Tugenden, einst in der
        

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