Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598559
Giovanni Antonio Amadeo. 
wie mannigfache Nachwirkungen; ja, sie ist in weise, die sich von der toskanischen unterschei- 
der Hauptsache von dieser lombardischen Bau- det. Er überwand zwar die naturalistischeHärte, 
weise bestimmt. In Mailand selbst ist letztere welche noch seinen Vorgängern, wie den Mante- 
allerdings kaum mehr vertreten, weil von den gazza, eigen war und an die damalige Kunst 
Bauten jener Zeit fast Nichts mehr erhalten ist; jenseits der Alpen erinnert, und erfuhr ohne 
dagegen haben Bergamo in derKapelle Colleoni, Zweifel auch seinerseits die Einiiiisse, welche 
Como an den Seiten des Domes Beispiele des Stils Brunelleseo und Michelozzo bei ihrem Mailänder 
aufzuweisen. BesondereMerkmale desselbensind Aufenthalte auf die dortigen Meister ausgeübt 
die Mischung romanischer Elemente, wozu na- hatten; Manches bei ihm erinnert sogar, wie wir 
mentlich die quer durchlaufenden Bogengängc gesehen, an Donatello. Allein immerhin bekun- 
gehören, mit den antiken Formen und die Bele- den seine Werke einen eigenthümlichen lombar- 
bung sowol der Bauglieder selber als der Wand- dischen Charakter. Die Einwirkung der Antike 
fiächen durch reichen plastischen Schmuck oder zeigt sich in ihnen weniger mächtig, die Gewan- 
Marmor-Inkrustation. Dabeiist die Anlehnung an dung hat noch mannigfach gebrochenes Gefalte; 
die klassischen Bauformen weit weniger streng, in der Schilderung der Affekte ist eine gewisse 
als in der iiorentinischen Architektur, offenbar leidenschaftliche Schroifheit des Ausdrucks und 
auch das zu Grunde liegende Studium der An- der Bewegung (wie z. B. in der Kreuzabnahme 
tike geringer; vorab tritt dies in der Verglei- am Grabmale des Colleoni),während sich andrer- 
ehung mit den Bauten L. B. Albertfs hervor. seits in den Nebengruppen eine genrehafte, harm- 
Es bringt dies schon der stark dekorative Cha- los spielende Auffassung bekundet, die an der 
rakter dieses Stils mit sich , seine entschiedene Anmuth der Erscheinung als solcher ihre Freude 
Vorliebe für die Ornamentation. Bewahrt die hat. Bisweilen findet sich auch im Ausdruck 
üorentinische Renaissance in derAnwendung der inniger Empfindung ein Anklang an Perugino 
klassischen Formen wenigstens den Schein des und Francia. Zeigt sich so neben cigenthiim- 
organischen Aufbaus und lässt desshalb den liehen Ziigcn die Mischung verschiedener Ele- 
konstruktiven Sinn der Glieder  auch in ihrer mente, so erreicht doch der Meister in der edlen 
vielfachen Wiederholung  sprechend hervor- Bildung der Formen, der freien, flüssigen Be- 
treten, so verdeckt gleichsam die lombardische wcgung wie in der Anmuth des Ausdrucks nicht 
die Dienstleistung dieser Glieder durch das da- selten eine Vollendung, die ihn den besten 
rüber sich ausbreitende Leben der ornamentalen Künstler; der Epoche ebenbürtig zur Seite stellt 
Ausstattung. Dennoch weiss sie in den guten und die chranken seiner Schule überwindet. 
Beispielen die Einheit eines festgesehlossenen Obwol Siiriftsteller des 16. Jahrh., wie Mi- 
Baus zum Ausdruck zu brin en, indem sie, wie chele , der nonymus des Morelli und Lomazzo 
in den stark vorspringendeä Pfeilern der Cer- Amadeo rühmend erwähnen und mehrere seiner 
tosa bei Pavia, wenige aber mächtige Formen Bildwerke Seinen Namen tragen, war er doch 
als die bestimmenden Glieder des Baus hervor- lange Zeit fast in Vergessenheit gerathen; wahr- 
hebt. Im Ganzen aber belebt sie die Mauer- scheinlich weil Vasari seiner mit keinem Worte 
Bächen weit mehr durch die gemeisselte oder in- gedenkt. Dieses Stillschweigen erscheint selt- 
krustirte Dekoration, als durch den Schein eines sam, beweist aber nur, wie oberflächlich der 
konstruktiven Formenspiels, wie dies die iioren- Aretiner von der oberitalienischen Kunst unter- 
tinische Architektur thut. Erst Bramante bringt richtet war. Auch mag die etwas zersplitterte 
dann nach Oberitalien die strengere Anordnung Thätlgkeit des Meisters an verschiedenen Orten 
der Formen im Sinne der Antike. dazu beigetragen haben, sein Andenken in Schat- 
Zu jenerAusbildung des lombardisehenStilshat ten zu stellen.  Dass Amadeo nicht, wie Gi- 
sicherAmadeowesentliehbeigetragen.Esistoben cognara vermuthet, die gleiche Person sei mit 
bemerkt, dass er dabei unter dem Einflusse des dem Medailleur Amadei, erhellt aus dem Artikel 
älteren Bramante von Mailand stand. Indessen Amadio. 
ist hier nachzuholen, dass die" Forschungen S- Antqnü Michßelis A511 et urbis Bßfgvmßtis 
Calvis, welche die Existenz dieses Meisters und DeSmPeo anßtMDxyääsFgärFöinänäehgnä änf 
seine wesentliche Einwirkung auf den braman- 3125er rlägjeäis fäpärl_ Moräui läötizfiiaaetgl 
tesken Stil in Oberitalien feststellen sollten, kei- d, 11;, Anonimo. PP. 36. 49. 159. 1,82.  L0; 
neewegs unanfeehtbar sind (3- auch CTOWe und  
Cavalcaselle, History of Painting in North Italy. rare in: Bottari, Raccolta di Lettere etc.V. 418. 
11. 14. 15). Daher ist diese Frage noch als eine  Z aist, Notizie istoriche etc. I. 32.  P33- 
oifene zu betrachten und an ihrem Orte (s. Bra- zaypigiältriäigzäeliläanäg- PPÖ ?3- 168-  Star- 
 1'    O 1    100 113.171, 0113. 
  1-       
ler (wie Franc Barytoli) die Existenz des älteren  Malaäplna" Gnu-h dl Efavuh P' 143  
  Milanesi , Documentl Senesi. lI. 431. 434.  
Bralllaßnte behauptet und Werke Von 111133 nach" Fr an chetti, Storia e Descrizione del Duomo 
gewesen hßben- P0011 W19 dem auch sel, Svwvl a1 Milano. p. 13.  c. L. Calvi, Notizie 811113 
als Baumeister, wie als Bildhauer folgte Ama- vita e sulle opere dei principali Architetti etc. 
deo in mehr als einer Hinsicht einer Kunst- in Milano. II. 152-174.  Perkins, Italien 
Meyer, Künstler-Lexikon. I. 74
        

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