Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598539
Giovanni Antonio Amadeo. 583 
verschiedenfarbigem Marmor tritt) gedacht; so darüber erheben und alle anderen Spitzen des 
dass die bestimmenden Bauglieder, der mächtige Doms überragen sollte. Das alte Modell war wie 
Sockel, die Pfeiler, die Bogengänge, die Fenster, bemerkt verbrannt; doch erfolgte von Seiten der 
dennoch wirksam hervortreten und die über- Bauvorsteher die Vorschrift, man solle sich an 
quellende Ornamentation dem Ganzen wieder die valte Maniem halten, d. h. den Plan der gothi- 
unterordnen. Von wunderbarer Schönheit sind sehen Bauweise so viel wie möglich anpassen. 
die Fenster mit den in der Mitte sie abtheilen- Es wurde nun für das Modell der Kuppel eine 
den Kandelabern; Weniges in Italien , auch aus Konkurrenz ausgeschrieben, an der sich ausser 
der besten Zeit, lässt sich ihnen an die Seite Amadeo und Dolcebuono, von denen eine ge- 
setzen. Allerdings hat der Bau nicht die stren- meinsame Arbeit einlief, der berühmte Fran- 
gere geschlossene Form florentinischer Renais- cesco di Giorgio von Siena, dann Simone de' Sir- 
sance; er ist eine Mischung von Architektur und tori und Gio. Bataggi von Lodi betheiligten. 
Dekoration, daran man einen Künstler erkennt, Merkwürdig ist, dass auch Francesco di Giorgio 
der immer Bildhauer und Baumeister zugleich ein Modell einlieferte, da er andrerseits berufen 
war, und jenes vielleicht noch mehr als dieses. worden, nebst dem Baumeister Luca Fancelli, 
Jedes Bauglied löst seine Dienstleistung gleich- der zu Mantua nach dem Entwürfe L. B. Alber- 
sam in plastische Zierde auf, jede Mauerfiäche ti's die Kirche S. Andrea erbaute, das von Ama- 
belebt sich zum Bilde menschlicher Formen. deo und Dolcebuono zu fertigende Modell zu 
Vielleicht ist hier aus dem Gesichtspunkte ern- prüfen (Bcrathlang vom 15. April 1490). Um 
ster architektonischer Wirkung ein Uebcrmaß. Franccsco von Siena abzuholen, war der ange- 
Allein vdie unermessliche Pracht und zum Theil sehene Mailänder Goldschmied Caradosso Foppa 
auch der feine dekorative Geschmack, welche eigens abgesandt worden; Luca Fancelli seiner- 
das Erdgeschoss beherrschen, haben ein in sei- seits war abgehalten zu kommen. Den 27. Juni 
ner Art unvergleichliches Ganzes hervorge- 1490 hielt dann Lodovico Sforza (il Moro) in 
brachtw (Burckhardtl. seinem Schlosse eine feierliche Versammlung ab, 
Von plastischen Arbeiten an der Fassade, zu der neben den Sachverständigen die höchsten 
welche von Amadeds eigener Hand herrühren kirchlichen und weltlichen Behörden geladen 
könnten, sind insbesondere noch die Basreliefs Waren, 11m m18 den aufgestellten Modellen das 
mit kuienden Bischöfen, begleitenden Mönchen beste außzuwählen- Im Beschlüsse, zu dem man 
und fliegenden Engeln in den schmalen Wand- sich vereinigte, ward bemerkt, dass das Werk 
streifenneben derThürezu erwähnen. Ob Amadeo Schön Sein solle, ehrenvoll und ewig, soweit die 
auch, wie Lübke glaubt, an dem Denkmal den Dinge dieser Welt ewig sein können; ein Zusatz, 
Gio. Galeazzo Visconti in dem Inneren der Kir- bei dem 111311 sich nicht enthalten kann auf die 
ehe, dessen Beginn in das J. 1490 fallen SOll, be- Art und Weise zu blicken, wie heutzutage öffent- 
theiligt gewesen, wage ich nicht zu entgclieidnnn liche Staatsbauten betrieben werden. Man kam 
Am Sockel der dazu gehörigen Madonna findet überein, dass Amadeo und Dolcebllünü, unter 
sich die Inschrift; BENEDICTUS DE nnmsgno; Theilnahme des Francesco di Giorgio und nach 
möglich, dass dieser die Leitung des Denkmals gewissen Vßrsßllfiften, das Modell von Neuem 
im J. 1501, als ihm das Portal anvertraut wurde, anfertigen Sollten; Woraus erhellt, dass ihr Mo- 
ebenfalls übernahm, zu einer Zeit also, da Ama- dell gewählt worden, indess mit einigen Aende- 
deo für die Certosa nicht mehr thätig war. rungen, welche denjenigen des Francesco ent- 
iommen waren. Ambrogio Ferrari, der Bau- 
d man r o sl fHDIIllSSäI des Herzogs, hatte die richtige Aus- 
v' Der Kuppelba? el de D m  fuhrung der getroffenen Uebereinkunft zu über- 
Der Herzog Lodovico 11 Moro, der sich den wachen. Francesco aber machte sich schon in 
Ausbau des Mailänder Doms insbesondere ange- nächster Zeit wieder auf den Rückweg; wahr- 
legen sein liess, sah sich dafür ausschliesslich scheinlich blieb die Form des Modells jener bei- 
nach italienischen Architekten um; namentlich den Meister beibehalten, und betraf die Aende- 
nachdem der letzte deutsche Baumeister Johann rung nur einige Bedingungen der Konstruktion, 
von Gratz der ihm zugefallenen Aufgabe nicht wozu Francescds Beihülfe nicht weiter nöthig 
hatte genügen können und überdies das ihm an- war. Die feste Anstellung der beiden Künstler 
vertraute alte Modell durch Brand zerstört hatte. als Baumeister der Kathedrale erfolgte dann am 
Man suchte zuerst im übrigen Italien nach geeig- 1. Juli 1490, mit einem Solde von 16 Gulden 
neten Meistern, kam aber schliesslich auf ein- monatlich für Jeden. 
heimische Künstler zurück und berief vorab Zunächst scheint nun Amadeo die Leitung der 
Amadeo, dem man dann als Arbeitsgenossen mit Arbeit dem Kollegen Dolcebuono überlassen zu 
gleichem monatlichen Solde den Baumeister Gio. haben , da er selber den Weiterbau der Certosa 
Jac. Dolcebuono zugab. Es handelte sich vor- in die Hand nahm; ein Bericht von 1492 meldet, 
nehmlich um Errichtung der Kuppel über der dass die Errichtung der Kuppel ihren guten Fort- 
Vierung im Durchschnitte des Langhauses mit gang nahm. Doch trat ohne Zweifel später eine 
dem Kreuzschiüe, sowie des Thurmes , d. h. der Stockung ein, bis im J. 1497 die Sache auf's Neue 
grossen thurmartigen Fiale (aguglia), die sich betrieben wurde und seitdem auch Amadeo re-
        

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