Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598529
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"G-iovanni Antonio Amadeo. 
denkmäler setzen, die sichjetzt in der Familien- wurde damals, im Juni 1490, zum ständigen Ar- 
kapelle der Borr omei auf I sola B ella beiin- chitekten der Certosa mit einer festen monat- 
den und welche er ohne Bedenken unserem Mei- liehen Besoldung von 12 Lire imperiali ernannt. 
ster zuschreibt. Beide befanden sich ursprüng- Zu diesem Amt mochte er den Bauherren um so 
lieh in der Kirche S. Pietro in Gessate zuMailand, tauglicher erscheinen , als er kurz zuvor in Mai- 
das eine zu Ehren des Giovanni Borremeo, das land zum Baumeister des Doms bestellt wor- 
andere für ein unbekanntes Mitglied der Familie den war. 
errichtet. Insbesondere ist das erstere durch Aus den oben angeführten Bemerkungen eines 
seine Gesammtwirkung wie die feine Ausfüh- KarthäuserszudenKirchenregistern erhelltauch, 
rung der Details bemerkenswerth. Der Sarko- dass mit dem Fortbau der Fassade von 1491 an 
phag wird von acht Pfeilern getragen , vor wel- gründlicher Ernst gemacht und derselbe in den 
chen Schildhalter in edler kriegerischer Ge- folgenden Jahren bis zu dem Bogengang, der 
wandung stehen; die Sockel derselben sind mit das Hauptgeschoss abschliesst,  immer mit 
weiblichen Figuren und Amoretten in Relief ge- Ausnahme des Portals  vollendet wurde. Aus- 
ziert. Am Sarkophag selber acht Basrelief mit drücklich wird hinzugefügt, dass Amadeo sofort 
Szenen aus der Kindheit Jesu zwischen Statuet- Hand an die Fenster legte; und diese bilden in 
ten; darauf das liegende Bild des Verstorbenen ihrer eigenthümlichen Form und äusserst reichen 
unter einem Baldachin, dessen Vorhänge von Ausstattung einen wesentlichen Bestandtheil der 
kleinen Genien gehalten sind. Fassade. Dass der ornamentale Schmuck dieser 
Fenster nur zum geringsten Theil seine eigene 
Arbeit und das Werk seiner Bau ehiilfen unter 
Im Die Fassade d" 09m" bei Pavia" seiner Aufsicht ist, versteht siäi von selbst; 
Mit dem J. 1490 eröffnete sich dem Meister sicher aber ist ihm wol der Entwurf beizumessen. 
eine zweifache und in beiden Fällen bedeutsame Dieser Theil der Fassade Wal" im J- 1493 fertig; 
Thätigkeit: er wurde sowol an den Mailänder und im Jahre darauf (nach einer Urkunde vom 
Dom als an die Gertosa von Pavia berufen, um 3. August) verzichtete Amadeo auf die Fortfüh- 
da wie dort am Ausbau der mit aller Pracht zu rung des Bau's, oifenbar weil er vom Herzog 
vollendenden Kirchen einen erheblichen Antheil Lodovico Sforza nach Mailand berufen werden, 
zu nehmen. Da seine Bauthätigkeit für den Mai- um den Fortbau des dortigen Doms zu betreiben. 
länder Dom, zwar damals schon begonnen, doch An der Certosa übernahm nach ihm Crist. Lom- 
namentlich in seine letzten Lebeusjahre fallt, bardi die Leitung, und unter diesem wurde die 
betrachten wir zunächst seine Betheiligung an Fassade vollendet, d. h. der obere Theil über 
der Certo sa. dem unteren Bogengang aufgeführt. Es ist wol 
Wie bemerkt war Amadeo schon 1481 mit der anzunehmen, dass auch hiebei das Modell, d. h. 
Leitung des Fassadenbaus vorläufig betraut der Vefbessßfte Entwurf Amßdßdß, Grundlage 
worden. Als er dann Anfangs 1490 von Mailand blieb und nur etwa einzelne Details Aenderun- 
in der Certosa wieder eingetroüen war, augen- gen erfuhren. Im Ganzen wird man daher die 
scheinlich um im Auftrage der Bauverwaltung Fassade immerhin als das Werk Amadeo's be- 
die steckende Ausführung eifriger zu betreiben, trachten können. Nur in der Ausführung des 
da war sein Erstes, ein Modell der Fassade aus Portals scheint man sein Modell nicht benutzt 
Thon zu fertigen; eine Arbeit für welche er zu haben. Denn diese wurde im J. 1501 (Ur- 
200 Lire imperiali empfing (ungefähr gleich kunde vom 5. August) dem Benedetto Briosco 
1600 Fr.) Da der Aufbau der Fassade seit übertragen, dem wir oben schon als Arbeitsge- 
1473 begonnen, hatte sich ohne Zweifel der nossen des Amadeo begegnet sind, und dabei 
Sockel mit den Medaillons der Kaiserköpfe und ausdrücklich bemerkt, dass er vor Allem ein 
den darüber befindlichen Reliefs schon über dem neues Modell des Portals machen sollte. 
Boden erhoben; der Unterbau mag bis zu den Die Fassade, soweit sie von Amadeo aufge- 
Fenstern, das Portal ausgenommen, fertig ge- führt wurde, war übrigens damit im Wesent- 
wesen sein. Im Wesentlichen sind daher wol die liehen fertig; dieser Theil bestimmt die eigent- 
Skulpturen dieses Theils als gemeinsames Werk liche Wirkung, während das Obergeschoss, auch 
der Mantegazza und des Amadeo zu betrachten, in der Ornamentation weniger reich, nur als Ab- 
da diese früher schon, wie wir gesehen, in die schluss zu betrachten ist. Der ganze Bau ist, 
plastische Arbeit der Fassade sich zu theilen abgesehenvon dem unvergleichlichenReichthum 
hatten. Wenn nun Amadeo die Fertigung eines der plastischen Dekoration, auch als architek- 
neuen Modells übernahm, so geschah dies sicher tonische Form ein Musterwerk der oberitalieni- 
nicht nur, um die Anordnung der Skulpturen an sehen Renaissance. Der Antike hat er nur die 
der Fassade sowie deren Detailformen zu be- einzelnen Glieder, nicht die Baugestalt entnom- 
stimmen, sondern um an die Stelle der früheren men und damit einzelne ältere , romanisch 10m- 
noeh vorhandenen Zeichnung des Guiniforte So- bardische Motive glücklich verbunden. Vor Al- 
lari eine wesentlich verbesserte und veränderte lem ist das architektonische Gefüge trefflich als 
zu setzen. Das Modell Amadeds muss den Wün- Rahmen für den plastischen Schmuck (an dessen 
schon der Bauherren entsprochen haben; er Stelle im oberen Geschoss Inkrustation von
        

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