Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598487
E 
Giovanni Antonio Amadeo. 
nicht schön, aber jungfräulich still und rein, leoni bei seinen Lebzeiten das neben derKirche 
trefflich beseelt, die kleinen krausen Löekchen gelegene Heiligthum erbauen liess und darin sein 
des üppigen Haafs sowie die Perlenschnur um Grabmal von Amadeo errichtet wurde. Die Stelle 
den Hals meisterhaft behandelt.  Ueber der lautet: Is id vivens dicavit, et ut quottidie ibi 
Hauptfigur in der Nische ein Flachrelief der Ma- sacerdos operaretur ad plaeandos Deos suis ma- 
donna mit dem Kinde, das lebhaft erregt auf die nibus testamento instituit, ubi et sepulehrum ei 
neben ihr sitzende hl.Katharinazuschreitet,Wäh- est erectum marmore lunensi et sculptura Jo. 
rend auf der anderen Seite im Nonnenkleid eine Antonii Amadei Papiensis opere spectatissimü, 
Heilige sitzt. Diese Gestalten sind voll Adel und cui nuper equestris statua est imposita ex mate- 
Schönheit, die Gewänder trefflich in grossen rie illa quidem auro illita, aerea aut marmorea 
Massen geordnet, die Bewegungen durchweg frei alioquin futura, nisi subjecta moles ponderi im- 
und lebensvoll. Vorzüglich gelungen die Ma- par essetjudicata. Daraus scheint vielmehr mit 
donna, ohne Frage eine der schönsten Oberita- Gewissheit hervorzugehen, dass Amadeo aller- 
liens. Der Kopf ist von lieblicher Form, die dings das Grabmal, nicht aber die Kapelle auf- 
Hände sind meisterhaft behandelt, auch dasKind führte. Die Stelle ist übrigens in mehr als einer 
ist voll Anmuth-i (Liibke). Das ganze Denkmal Beziehung von Interesse. Da Michele seine ganze 
ist von karrarischem Marmor und am Sarkophag Beschreibung sehr knapp hält und nur die Haupt- 
 sachen berührt, bekundet die Erwähnung des 
FEOIT  HOC  OPUS; ausserdem auf einem Zettel Grabmals und seines Urhebers, in wie hohem 
die Inschrift; m0 JACET MEDEA vmeo FILIA Ansehen damals noch beide gehalten wurden; 
QUONDAM ILLUSTRIS ET Exz. D. BAIVPHOLOMEI merkwürdig ist dann auch die Nachricht, wie der 
comom DE ANDEGAVIA snnw DU. n. VENETIAR alte rücksichtslose Condottiere, der sich die Ka- 
CAPIT GNALIS 1470 DIE 6 MARCI. Die plastische pelle wider den Willen der Kirchenvorsteher er- 
Arbeit scheint durchweg von der Hand des Mei- richten liess , doch testamentarisch darauf be- 
sters  ohne Mitwirkung eines Gehülfen  her- daeht war, durch das tägliche Gebet des Priesters 
Zuführen; denn Sie zeigt fast durchweg eine vdie Götter mit seinen Manen zu versöhnen". 
Freiheit und Vollendung der Darstellung, welche Die heidnische Fassung dieser frommen Umkehr 
die Härten der vorangegangenen Kunst abge- ist wol dem Schriftsteller anzurechnen; aber sie 
streift hat und zu maßvollcm Ausdruck, zu rei- stimmt doch auch zu dem Charakter des ehernen 
ner Anmuth der Formen durchgedrungen ist. Nur Kriegsmannes, wie andrerseits die reiche Pracht 
in den beiden klagenden Engeln ist die Empün- der Kapelle und des Grabmals die heitere welt- 
dung noch zu heftig ausgesprochen.  Erst in liche Freiheit der Renaissance verkündet.  
diesem Jahrh. ist das Denkmal nach Bergamo Die anderen Zeugnisse, darauf sich Calvi beruft, 
gebracht worden. bestehen in einigen Inschriften, welche bei der 
Noch war wol Amadeo an diesem Werke be- neuerlichen Herstellung des Gebäudes entdeckt 
schäftigt: als der bejahte CUIIÖQlIlFiCYG, der auf worden. Er führt leider den Wortlaut derselben 
seinem Schlosse Malpaga in der Nahe von Ber- nicht an; allein die wichtigste war offenbar die- 
gamo fürstlichen Hof hielt, noch bei seinen Leb- jenige auf der Rückseite einer der beiden Büsten, 
zeiten sich selber ein Denkmal zu setzen be- welche sich an der Fassade in den Nischen über 
schlos und auch dazu den Meister berief. Zur den Fenstern befinden, und diese scheint nach 
Errichtung derKapelle, die hart neben derKirche den eigenen Worten Calvfs lediglich Amadeo 
S. Maria Maggiore stehen sollte, verlangte er in seiner doppelten Eigenschaft als Bildhauer 
von der Bauverwaltung der Kirche den Abbruch und Architekt bezeichnet zu haben, ohne sein 
der einen von ihren beiden Sakristeien: und da Verhältniss zum Bau der Kapelle zu bestimmen. 
ihm dies abgeschlagen wurde: 11855 91', läewalll- Sie sagte also ohne Zweifel nichts weiter aus, 
thätig wie er war, auf eigene Faust den Bau ein- als dass die Büste selber das Werk des Bild- 
reissen und trotz aller gerichtlichen Einsprüche hauers und Architekten Amadeo sei. 
den Neubau aufführen. Perkins (s. Literatur) Was mich bestimmt, diese Zeugnisse auf ihre 
schreibt auch den Entwurf dieser Kapelle {und Glaubwürdigkeit näher anzusehen und jene Mei- 
ihrer reichen Fassade dem Amadeo zu; doch nung zu beanstanden, ist der Bau selber. Mit 
führt er für diese Angabe keine Quelle an, und der grössten Pracht, mit einem fast verschwen- 
meines Wissens ist sie durch keine altere Nach- derischen Reichthum des Details ausgestattet, 
richt verbürgt. Er hat sie wol Calvi (s. Literatur) zeigt er im Allgemeinen eine gewisse Verwandt-  
entnommen, der sie indessen mit weniger Be- schaft mit der Fassade der Certosa; allein es ist 
stimmtheit ausspricht und sich dabei wenigstens bei aller Schönheit mancherEinzelformen und der 
auf verschiedene Zeugnisse beruft. Allein das dekorativen GesammtwirkungeineAufsatzarchi- 
wichtigste derselben , eine der frühesten Schrif- tektur von schweren Verhältnissen, von seltsa- 
teu über Bergamo, bestätigt jene Annahme kei- mer Häufung einzelner Bauglieder (wie der Säul- 
neswegs. Diese schon angeführte Schrift des chen in den Fenstern), die zudem mehrfach von 
Marcantonio Michele, eine kurze Beschreibung plumper Bildung sind, und endlich von orna- 
der Lage und, der Merkwürdigkeiten der Stadt mentaler Ueberladung durch die bunte Marmor- 
von 1516 (s. Literatur), sagt hier nur, dass Col- Inkrustation der Wandiiäche, welche als allzu
        

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