Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598468
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Giovanni Antonio Amadeo. 
 
Unternehmern, die Marmorarbeitcn an der Fas- 
sade der Certosa zugewiesen erhielten, mussten 
sie sich in diese Thätigkeit mit Amadeo theilen, 
da dieser unter ihnen zu arbeiten verweigerte. 
Dies setzt eine Ebenbürtigkeit voraus, welche, 
da Amadeo noch am Anfange seiner Laufbahn 
stand , das Verhältniss von Meister und Schüler 
nahezu ausschliesst. Indessen derselbe Um- 
schwung einer neuen Kunstweise, welcher sich 
in den Mantegazza anzeigte, bestimmte auch das 
Wirken Amadeds , und immerhin mag ihr Bei- 
spiel mitgeholfen haben in die neue Bahn ihn 
einzuführen. Denn bald war er wie bemerkt neben 
ihnen in der Certosa thätig; die Kirchenrech- 
nungen weisen aus, dass A. im J. 1466 150 Lire 
imperiali und 8 Scheffel Getreide und in den 
ersten Monaten v. 1467 120 Lire und Ein ScheEel 
Getreide als Bezahlung erhielt. Doch ist nicht 
angegeben für welche Arbeiten. 
Jedenfalls stand Amadeo wie die Mantegazza 
unter dem Einfluss des älteren Bramante von 
Mailand (Bramantino) , dessen Existenz, früher 
in Frage gezogen, neuerdings wieder festgestellt 
ist, und der an dem Aufschwung der Kunst in 
Oberitalien , welche daselbst den Beginn der 
Renaissance bezeichnet, ohne Zweifel den be- 
deutendsten Antheil gehabt hat. Amadeo aber 
muss in Oberitalien für den vorziiglichsten Nach- 
folger dieses Meisters angesehen werden, da er 
die Richtung, welche dieser anbahnte , ihrer 
Vollendung entgegengeführt hat. Die Bedeu- 
tung, welche er wie sein Vorgänger für die Be- 
Wegung der Renaissance in der Lombardei und 
für ihre eigenthümliche Ausbildung neben der 
Florentiner und der Paduaner Schule gehabt 
haben, hat man bis vor Kurzem zu wenig ge- 
würdigt, und ist daher auf dieses Verhältniss 
noch weiter die Rede zu bringen. 
Auf die Mittheilungen jener Kirehcnrechnun- 
gen folgt erst wieder 1469 eine Nachricht über 
den jungen Meister. Aus einer Urkunde vom 10. 
Okt. d. J. erhellt, dass er und sein Bruder Pro- 
tasio von dem Verwalter des Klosters leihweise 
20 Blöcke Marmor erhielten, welche sie von 
gleicher Schönheit im Mai des darauf folgenden 
Jahres zurückzugeben sich verpflichteten. Calvi 
(s. Literatur) vermuthet, dass die Brüder diesen 
Marmor zu dem Grabmale des hl. Lanfra nco , 
Bischofs von Pavia  1089) verwendeten, das in 
der nach dem Heiligen benannten Kirche bei 
Pavia noch erhalten ist. Das würde also die 
Ausführung dieses Monuments in das J. 1469 auf 
1470 setzen. Indessen findet sich für dieses Datum 
keine Bürgschaft, und andrerseits wird angege- 
ben, dass jenes Denkmal, das die sterblichen 
Reste der Bischöfe Lanfranco undBernardo Balbi 
aufnahm, erst im J. 1498 auf Kosten des Kardi- 
nals Marchese Pietro Pallavicini errichtet wurde 
(Amati, Dizionario corogratico dell' Italia. V. 
1024). Doch ist auch diese Nachricht verdächtig, 
da sich ein Kardinal Pietro Pallavicini nicht auf- 
iinden lässt. Immerhin möglich also, dass die 
dessen namhafte Betheiligung an dem Ausbau 
der Kathedrale zu Mailand und der Certosa bei 
Pavia erst neuerdings festgestellt worden ist. 
Dagegen nimmt er al Bildhauer durch die Be- 
deutung der von ihm noch erhaltenen Monumente 
schon längst eine hervorragende Stelle in der 
Kunst jener Epoche ein, sowie unbedingt die 
erste unter den lombardischen Meistern seines 
Fachs. 
I. Jugend und Ausbildung. Die frühesten erhaltenen 
Arbeiten in Pavia. 
Amadeo war der Sohn eines Aloisio, der im 
Gebiete von Binasco bei Pavia ein Landgut in 
Pacht hatte , das der Certosa angehörte. Wo er 
geboren war, lässt sich nicht genau ermitteln; 
in einer Urkunde von 1469 wird er als wohnhaft 
zu Pavia angeführt, in anderen von 1495 und 
1502 als Bürger von Pavia und wohnhaft in Mai- 
land; nach einer vierten von 1499 als Bürger 
von Pavia und Mailand, Letzteres wol nur in 
Folge einer ehrenvollen Verleihung des Bürger- 
rechts. Der Anonymns des Morelli nennt ihn 
zweimal Pavese; ebenso Antonio Michcle, der 
am Anfang des 16. Jahrln, also noch vor J enem 
schrieb, in seiner Beschreibung der Stadt Ber- 
gamo Papiensis; nach Beiden also war er von 
oder wenigsten nahe bei Pavia gebiirtig. Wenn 
ihn andrerseits Lomazzo zu den tüchtigen Mai- 
länder Bildhauern rechnet, so kann damit nur 
gemeint sein, dass er dort viel beschäftigt ge- 
wesen und zu Ansehen gekommen; womit jene 
urkundliche Angabe, dass er Mailänder Bürger 
gewesen, ganz wol stimmt. Wahrscheinlich ist, 
dass er nicht in Pavia selbst, sondern auf dem 
Pachtgnte seines Vaters zur Welt kam, und zwar 
11m 1447. 
Sowol er als sein BruderProtasio scheinen 
sich früh der Kunst gewidmet zu haben. Unter 
welchem Meister A. seine erste Ausbildung er- 
halten, hat sich nicht ermitteln lassen; nur ist 
wahrscheinlich, dass er in der Certosa selber, 
mit welcher sein Vater in so naher Verbindung 
stand, die ersten künstlerischen Eindrücke und 
Anregungen empfing. Schon damals hatte jene 
reiche Ausschmückung begonnen, welche dieser! 
Kirche sammt dem Kloster unter den Denkmä- 
lern Oberitaliens eine der hervorragendsten Stel- 
len anweist; um die Mitte des Jahrh. waren 
neben den Malern schon mehrere Bildhauer da- 
selbst beschäftigt. Seit 1464 war an dem Bau 
als Architekt und Bildhauer Cristoforo Man- 
tegazza thätig, der später nebst seinem Bruder 
Antonio mit der Leitung der Steinmetzarbeiten 
beauftragt wurde; und da bald darauf Amadeo 
gleichfalls in der Certosa arbeitete, lasst sich 
wol annehmen, dass Mantegazza auf seine erste 
Kunstübung von Einfluss gewesen. Dass jedoch 
Amadeo dessen eigentlicher Schüler war, ist, 
nicht wahrscheinlich; Cristoforo wird nicht viel  
älter gewesen sein, und als die beiden Brüdcrl 
nach 1472, wie es scheint in der Stellung voul
        

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