Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598377
Niccolö Alunno. 567 
J. 1468 bildet, zeigen auch die übrigen in Ita- bleibt auch in der Form hart und trocken; nur 
lien zerstreuten Bilder derselben Epoche (Verz. in den besseren Verhältnissen zeigt sich ein 
N0. 9-13), sowie ein in der Karlsruher Ga- Fortschritt. Seine Färbung ist flüssig wie früher 
lerie befindliches Werk, das ehemals eine Fahne und in einem bräunlichen Ton sehr verschmol- 
war (N0. 14). Letzteres gehört zu den besten zen; die technische Behandlung so vollendet als 
Erzeugnissen des Meisters in dieser Zeit; die es seine Temperamalerei, die er durchweg bei- 
Darstellung ist belebt und ausdrucksvoll; auf behält, nur irgend erlaubt. Die Predella jenes 
dem Bilde des Gekreuzigten der Kopf der Jung- Altarwerkes befindet sich im L ouvre zu Pa- 
frau in ihrem Schmerze schön, doch auch hier ris (Verz. N0. 22). 
der ilachshaarige Johannes in maßlosem Jam- Das letzte der erhaltenen Altarbilder Alunnds 
mer das Gesicht vcrzerrend. ist aus dem J. 1499; es befindet sich in der Kirche 
Ungefahx- um 1471 beginnt dann der Einfluss zu La Bastia zwischen Assisi und Perugia und 
Crivellfs in seinen Werken hervorzutreten. Die Stellt in dem Hauptgemälde die Jungfrau vor, 
ersten Spuren dnven zeigt insbesondere eine welche das nackte Christuskind liebevoll an sich 
grosse Altartafel im Dome zu Gualdo, deren drückt, mit vier kleinen Engeln, welche den 
Hauptbild Madonna mit dem Kinde von Engeln Thron musizirend und anbetend umstehen (Verz. 
umgeben darstellt, während eine Anzahl von N0. 24). Nach 1499 finden wir keine weiteren 
Heiligen die Seitenflügel einnehmen (Verzeichn. Spuren Von dem Meister, und so wenig wir von 
Nd 15)_ Mehrere dieser Figuren sind eehmieg- dem Beginn seiner Laufbahn wissen, so wenig 
Sein und ven ndtüriieher Bildung in den Fer- ist uns das Ende derselben bekannt. Doch fin- 
inen ; in anderen dagegen nein-seht dei- gewühn- den sich zwei undatirte Werke von seiner Hand 
liche und realistische Typus vor, der für Cri- im Mnsne Nnpnlänn HI- des LOUVYG (Verzeichn- 
velli's Darstellungen so bezeichnend ist. Ein N0. 25 und 26)- 
weniger bedeutsames Werk in demselben Stile Alunno ist weder durch grosse Meisterschaft 
ist Die Verkündigung in der Pinakothek zu noch durch ein ausgesprochenes Talent hervor- 
Bologna, welche das Datum 1481 trug, als sie ragend; doch nimmt er innerhalb seiner Schule 
noch die Kapelle des Hospitals zu Arcevia eine ansehnliche Stelle ein durch seine Fähig- 
sehmiickte (Verz. N0. 16). Ailsserdem sind in keit des Ausdrucks inniger Hingcbung und Ver- 
diesem Charakter einige monumentale Male- ehrung in den Engeln und Heiligen, zarter liebe- 
reien, d. h. Altartafeln in mehreren Abtheilun- voller Empfindung in den Madonnen. Das Hold- 
gen, aus späterer Zeit erhalten. Davon sind die selige und Seelenvolle, das von Anfang an in der 
bemcrkenswerthesten : Geburt und Krönung der sienesischen und umbrischen Kunst liegt, nimmt 
Maria von 1483 im Dom zu Nocera , Kreuzi- in ihm eine festere, lebendigere Gestalt an. Und 
gung und Szenen aus der Leidcnsgeschichte, zwar, wie wir gesehen, indem er mit der umbri- 
vollendet im J  1486, Madonna mit Heiligen in sehen die Eigenschaften anderer Kunstweisen zu 
dem Kloster S. Chiara zu Aquila und Ma- verbinden sucht. Allein diese Verbindung ge- 
donna in S. Francesco zu Serra Patrona lingt nur halb, da er die fremden Einiiüsse nicht 
(Verz. N0. 17-20). zu bewältigen vermag. Daher kommt er in der 
In einer Altartafel von 1492 in S. Niccolo KOTnPOSitiOn und Zeichnung aßen nicht über 
zu Foligno finden wir dann eine deutliche Mi- Seine Vnrgänger hinaus ä Seine GßStüliißn über- 
sehung der flel-entinisehen, der nmbrisehen und winden einen Rest von Starrheit nicht, und seine 
der veneto-paduanischen Kunstweise. Es ist Färbung behält den dunklen Sßhwefßll T011 der 
eines jener grossen aus einer Reihe von Tafeln 5181165811- 
zusammengesetzten Werke in architektonischem Dazu kommt jene Eigenthümlichkeit des Mei- 
reich ornamentirten Rahmen von gothischen sters, in den Darstellungen des Leidens und des 
Formen und mit spitzbogigen Giebeln, wie sie Schmerzes seine Figuren von diesen Empfindun- 
insbesondere die sienesischc, die umbrische und gen auf das Heftigste, bis zur Verzerrung ergrif- 
venezianische Kunst bis zum Schlüsse des fen zu zeigen. Kein Zweifel, A- hat eine 510356 
15. Jahrh. liebte. Eine der Haupttafeln ist die Kraft des Ausdrucks, und diese Eigenschaft eben 
Geburt Christi in einer mit Begebenheiten reich zeichnet ihn aus; allein gelingt ihm öfters die 
stafiirten Landschaft, nach dem Beispiele vene- Versinnlichung süsser Innigkeit, so geräth er 
zianischer Bilder dieser Zeit; eine andere im andrerseits in der Schilderung des Schmerzes 
Giebel die Auferstehung Christi  eine der fast immer in das Starre und Maßlose. Sowol 
besten Schöpfungen des Meisters, darin die die Richtung der umbrischen Kunst als seine 
Hauptfigur zum Theil an Benozzo, zum Theil eigene Natur trieben ihn bei den Leidensmo- 
an Orivelli erinnert, während die sehlefenden menten der christlichen Geschichte und der Hei- 
Kriegsknechte in einer Weise verkürzt sind, ligenlegende zu verweilen; und in ihm geht die 
welene die Kenntniss sowol der Meisterwerke Malerei, ehe sie sich auch in derartigen Darstel- 
Signei-ellfe als der Arbeiten lifantggnafg vel-ens- lungen zu edler Natürlichkeit läutert, bis zur 
setzt. Dabei Wird aber Alunno nicht frei von Hässlichkeit der Verzerrung. Sein Christus er- 
seiner Art die Gesichtszüge abstossend und bis- scheint nicht selten in überwältigender Heftig- 
weilen mürrisch bis zur Karikatur zu bilden, keit des Schmerzes, wilde Rohheit karikirt die 

        

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