Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598140
544 Albrecht Altdorfer. 
 
Stoiflichen darf man in ihnen natürlich nicht gegen hat er den Sündenfall und die Erlösung 
suchen. Aus Altdorfefs oben erwähntem Inven- durch das Leiden und Sterben Christi in 40 Blät- 
tar ersehen wir, dass er eine ganze Reihe von tern dargestellt. Diese Vorstellungen zeigen des 
silbernen Bechern etc. besass, diese mögen ihm, Künstlers Kompositionstalent von einer schwa- 
wenigstens theilweise, zum Vorbild gedient chen Seite, und wir vermissen in Folge der ziem- 
haben. Am freiesten und originellsten aber ent- lieh rohen Behandlung des Architektonischen 
faltet sich Altdorfefs Kunst in seinen Land- und derLandschaft auchdasjenige, wodurch uns 
schaftsradirungen, deren wir 10 (No. 102-111) Altdorfer so oft für die Schwäche seiner Figuren 
verzeichnet haben. Dieselben sind, wie es da- zu entschädigen pflegt. Charakteristischfiir seine 
mals die Maler zu thun pflegten, von hohem häufig so seltsame Auffassung ist No. 44, wo 
Standpunkte aus genommen, um der Landschaft der Engel im Vordergrunde von hinten sehr gross 
einen reichen Charakter zu geben; man erblickt gesehen wird, während die kleine Maria links im 
in ihnen Dörfer, Städte, Burgen, Flüsse, das Hintergrunde ganz unbekümmert um die Worte 
Alpengebirge etc. in mannigfaltiger Abwechse- des ungeschlachtenHimmelsboten an ihrem Pulte 
lung. Sie sind mit feinem Naturgefiihl und leich- zu beten scheint. Die Anbetung der Hirten (N0. 
ter Behandlung ausgeführt, so dass sie ohne 45) ist durchdie Steifheit derFigurenabstossend, 
Zweifel indie reifste PeriodevonAltdorfensThä- schön behandelt dagegen ist die Renaissance- 
tigkeit zu setzen sind. Es ist nur zu bedauern, architektur,undoriginell sinddie dreiEngelchen, 
dass sie, wie überhaupt die Radirungen, so sel- die über der Säulendecke aus einem Notenbuche 
ten vorkommen. Augustin Hirschvogel und H. singen. In's Komische verirrt sich die Seltsam- 
S. Lautensack, die ebenfalls Landschaften ätz- keit der Auffassung in dem Urtheil des Paris 
ten, bleiben hinter Altdorfer zurück. (N0. 61), wo dieser ausgestreckt auf dem Boden 
liegt und sich um die Göttinnen nicht im Min- 
w_ Seine Homchnimh desten kümmert, während in einer Strahlen- 
glorle Eros mit verbundenen Augen nach ihm 
Alleh 8-19 Zeichner für den Fernleehnitt ist Alt- zielt. Ein fein durchgeführtes Blatt ist N0. 50. 
dorfer thätig gewesen; jedoch auch hier nicht in Dei- hl. Hieronymus (N0. 59) ist durch die Song- 
S0 heTVeTYegendeT Tnätigkeit, als es bei Dürer, faltige Behandlung der Höle und des Beiwerks 
H- S-Behenl, Sehenfelein n-A- der Fell Wßr- Bei eines der schönsten Bll. des Meisters, an male- 
ihm ebenfalls iet die Frage angeregt werden, 0b rischer Wirkung dürften sich wenige mit ihm 
er nicht auch selber seine Zeichnungen in das vergleiehen, Ein besondere eehonee B1_ ist auch 
Helz geschnitten habe- R- Weigel, der neben No. 64, der Fahnenträger mit ganz individueller 
delnBernnven Rnlnnnl" hnnptsäenlieh die Theerie Landschaft. Altdorfefs Phantastik zeigt sich be- 
der eigenhändigen Malerfvrmschnitte verfoßht, sonders in dcrkriiftig beleuchtetenAuferstehung 
veröffentlichte in seinen Formschnitten zwei Ko- Christi No, 45, die wie eine Vorahnung Rom- 
Pien nach Altderfer, die eehöne Mafia NO- 52 brandts erscheint. Hauptblätter sind noch u. A. 
und den hl. Hieronymus N0. 59, worin er die die sghöne Maria von Regensburg (N0. 52), die 
Arbeit des Meisters erkennen wollte. Sonderbar, Enthonptnng Johannes den Tänfene (von 1517 
bald sollten die Maler die rohesten, bald wieder No 54) nnd besondere des mit kräftiger Lieht- 
dievollendetsten Blättergeschnitten haben!Dass Wirkung und einei- gewieeen Breite behandelte 
Altdorfer, der als Maler, Kupfersteeher und Blatt N0. 41, die m. Familie auf der Flucht bei 
Architekt so vielfach beschäftigt war und seine dem grossen Taufbecken, das sich gewiss mit 
Bilder und Stiche mit dem grössten Fleisse aus- den schönsten Erzeugnissen des gleichzeitigen 
Zuführen Pnegte, eßlbßtiIlHelz geeennitten habe, Formschnittes messen kann und in der eigen- 
davon habe ich mich nicht überzeugen können. thümlichen Auffassung worin die hl. Familie 
Und warum hätte 61' Sieh flieser Mühe Zu unter- ganz zurücktritt, uns den originellen Künstler 
ziehen brauchen, da es Ja F ormschneider von und den kenntnissreichen Beobachter des Orna- 
Handwerk gab; er hatte besseren nn tnlln, als 811 mentalen und Architektonischen zeigt. 
jene immerhin mechanische Arbeit seine Zeit zu Zeichnungen von A. sind ebenfalls nicht 
verschwenden. Nicht häuiig, gerade wie bei den häufig; im k. Kupferstichkabinet und in dem 
Stichen, pflegte A. auch bei den Holzschnitten erwähnten Buche von Peuchel auf der Bibliothek 
eine Jahreszahl anzubringen, und diese Jahres- zu München,_ in der Albertina in Wien u. a. 0. 
zahlen fallen in einen noch kürzern Zeitraum. finden SlCh einige; in der Sammlung der Hand- 
Wir finden bloss zweimal 1512 u. 1513 und ein- zeichnungen der Ermitage zu St. Petersburg eine 
mal 1517 , während 1511 auf nicht weniger als Geburt Christi auf braunem Papier, schwarz mit 
vier Blättern erscheint.  Das Haar pflegt auf der Feder und in Weiss gehöht, Schule des Lu- 
Altdorfefs Schnitten wie eine Perücke behan- kas van Leiden genannt, jedoch von Waagen 
delt zu sein; die herabhängenden Gesträuche dem A. zugeschrieben; auch die Federzeichnung 
finden sich hier ebenso wie bei den Stichen. einer Landschaft im Britischen Museum führt 
In seinen Stichen hat sich A. nicht zu einer Waagen als Altdorfer an.  Besonders reich ist 
grössern Folge historischer oder genrehafter das Berliner Kabinet an ächten Zeichnungen des 
Kompositionen erhoben; für den Holzschnitt da- Meisters. Davon sind namentlich hervorzuheben:
        

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