Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1598038
Rudolph Alt. 533 
erreicht: Rom und Neapel mit ihren paradisi- dringen in das Innere des Landes unmöglich 
scheu Umgebungen zu sehen. Mit Entzücken machte.  Das J. 1868 führte ihn seltsamer- 
denkt der Künstler noch jetzt an jene Zeit zu- weise nach der Schweiz, für die er als Künstler 
rück. Das gemüthliche Zusammenleben in Rom, niemals Sympathien hatte und wo er auch keine 
auf Oapri und Amalti mit anderen Künstlern, Ausbeute finden sollte, da er gerade in die 
die meistens ausserösterreichische Deutsche und Ueberschwemmungsperiodc hineinkam.  Die 
Schweizer waren, erhöhte noch den Genuss, dem unter so ungünstigen Umständen entstandenen 
selbst die Würze des Verbotenen nicht fehlte, Studien der letzten Jahre konnten sich keines 
denn das Zusammentreffen mit diesen nAuslän- besonderen Erfolges erfreuen, und A. ist gegen- 
derna war unter Metterniclrschcr Verwaltung wärtig wieder (1869) mit Ansichten von Innen- 
streng verpönt, räumen beschäftigt. 
Neen der Riiekkeilr des Kiinsriere wendete Wenn bisher auf seine Ochnalereien nicht die 
ihm der hohe Adel mehr und mehr seine Gunst Rede kann, so geschah (linss deshalb, Weil A_ 
Zn; nilein diese verliebe für Seine Aqnnreiie sich nur ausnahmsweise dieses Mittels der Dar- 
Zeigie sich immer nur in Bestellungen Von An" stcllung bediente und alles Derartige  wie 
Sieilten der Wohnzimmer, S0 dass er Sieh Selbst manches Vortreffliche sich auch darunter befin- 
Seilen Zilnlnerrnälier nannte- Unterdessen neiiln dct  selber nur als vVersuclm bezeichnet. Dass 
die LnSi ein Reinen beständig Znä er besneilte er nicht mehr Oclbilder malte  wie er selber 
wiederholt den Comersee und Mailand, Galizien, W01 wünschte  ist nn Gi-nnde nicht zu be- 
Prag u. s. w., welch letztere Stadt besonders klagen; Wien, wie R_ Alt, in einer selbstgfn 
reichlichen Stoff zu Studien gab.  Ein Werk wähltgl] Knnstgattung ein Höchstes erreicht 
über die österreichische Monarchie, welches der hat, (lni- bmncht nicht nach Erfolgen zu gei- 
(längstverstorbene) Kunsthändler Müller heraus- zgn nnf einem Gebiete, wo er die Palme mit 
geb, Ward Veranlassung, einen er (Sernn1ei' 1340) anderen zu theilcn im Falle wäre. In der That 
Dnirnßlien beenente- Sebenienysliliiirite, Rngnee ist den Blättern, welche A. in seiner besten 
und Cattaro waren Glanzpunkte sowol der Reise, Zeit  etwa zwischen den J  1535 und 1555  
als seiner sämmtlichen Studien. Diese erregten hervorgebracht, von Allem was sich zum Ver- 
nngewöhnliches Aufsehen, allein für seinen Er- gleiche eignet, nichts an die Seite zu setzen, 
werb war er auch ferner gezwungen, für die wenn auch verschiedene Aquarellmalei- unserer 
Grossen Ansichten VOn Innenräumen ihrer Pil- Tage ihrem Namen eine allgemeinere Verbrei- 
läste zu malen.  Im J. 1841 heiratete A. zum tung zu verschaffen gewusst haben, und wenn 
ersten Male; schon nach zwei Jahren aber ent- auch Boningtons und Turner's Schöpfungen jeg- 
riss ihm der Tod die Gattin. Eine zweite Ehe lichcm Vergleich sich entziehen mögen. Doch 
ging er dann 1846 ein.  Ein Besuch in Regens- sind diese beiden, und namentlich der letztere, 
burg und Nürnberg, und eine Folge von Donau- Engländer durch und durch, während in den 
ansiehten von der ersteren Stadt bis Pest, für Schöpfungen von R._Alt sein ächtdeutsches We- 
den österr. Lloyd in Triest, fallen auf das sen sich auf das liebenswürdigste ausspricht. 
J. 1852.  Die folgenden Jahre gehörten Böh- Zudem weiss er mit seinen Aquarellen Wirkun- 
menan. Hier wollten die reichen Grundbesitzerv. gen zu erreichen, welche von keinem anderen 
ihren in altenglischem Stile neu erbauten Schlös- Material überboten werden können, ohne jemals, 
sern Abbildungen haben; und so malte A. eine wie viele englische Maler, dem Aquarell Auf- 
Reihe von Aquarellen  auch Innenansichten  gaben zuzumuthen, welche ausserhalb seines 
von den Schlössern Rosenberg (Graf Buquoy), Feldes liegen. 
Frnnenberä (Fürst Schwamenbergl, Zieh (Fürst Was den Wiener Künstler vor Allen auszeich- 
Vineenz Anerslnerg), Hmdek (Graf Ha-Tranhi- net, ist das reine Naturgefiihl, das ihn beseelt, 
Bis zum J. 1863 hatte A. keine bedeutende die gewissenhafte Treue, mit der er alles und 
Studienreise mehr gemacht; erst durch eine jedes Einzelne wiedergibt, ohne eine Spur von 
Reise in die Krim, wo cr Ansichten der neuen Konvcntionellem, ohne jemals Ungewöhnliches 
Besitzung des Kaisers Nikolaus, Livadia, für die zu suchen oder nach audallenden Effekten zu ha- 
Kaiserin aufzunehmen hatte, war die Lust dazu sehen. Nie geht A. mit einer bestimmten Absicht 
wieder geweckt. Schon im Herbst des folgenden oder irgendwelcherVoreingenommenheit an seine 
Jahres, nachdem er sechs Wochen in Hradek Aufgabe: er gibt nie mehr als er sieht, was er 
(Böhmen) zugebracht hatte, besuchte er wieder aber sieht, gibt er mit der grössten Gewissen- 
Venedig und ein Jahr später Rom, das ihm haftigkeit wieder; bei der wunderbaren Schärfe 
aufs Neue den tiefsten Eindruck machte.  Im seines Auges entgeht ihm nichts, und dieser 
J. 1867 ging er abermals nach Rom und Neapel, Schärfe iißlnnlt eine erstaunliche Sicherheit und 
und zum ersten Male nach Palermo. In letzterer Gewandtheit (ler Hand sowie eine tadellose Stren- 
Stadt erwarteten ihn indess manche Enttäu- ge derZeichnungfzuI-Iiilfe. Dabei istesnichtmög- 
schungen. Auch war seine Ausbeute an Studien lich , die Unterschiede der Jahreszeiten und der 
in Sizilien eine geringe, da zugleich mit seiner Himmelsstriche, das Eigenthümliche z. B. der 
Ankunft auf der Insel die Cholera ausbrach und römischen Ferne mit ihren lilafarbenen Schat- 
ihm, da alle Gemeinden sich absperrten, ein Vor- ten, im himmelweiten Abstand von einer Donau-
        

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