Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1597928
522 Alovigi.  
 
hintereinander bekleidete. In solchen Stellun- 
gen bezog er natürlich vom Papste  sicher 
nicht von Sixtus IV., der 1484 starb  eine Be- 
soldung, nicht aber wie Vasari meinte einen 
Ruhegehalt. 
Möglich, dass Andrea auch Maler gewesen; 
aber erwiesen ist dies nicht, und mit seinem Na- 
men bezeichnet linden sich keine Bilder. Auch 
die urkundliche Nachricht, welche Rumohr aus 
dem öifentlichen Sekretariat zu Assisi beibringt, 
dass nämlich Magister Andreas Aloysii eine An-' 
Weisung erhielt für die Malerei von Wappen anl 
dem Platze und den Thoren der Stadt, beweist) 
nicht, dass Andrea selber diese ausgeführt habe;  
nach dem Wortlaut der Stelle kann er ebenso) 
gut nur die Bezahlung vermittelt haben. Daher-i 
ist auch die fernere Vermuthung Rumohns, dass 
ein früher im Privatbesitz zu Florenz mit den 
Zeichen A. A. P. befindliches Gemälde von An- 
dreas herriihre, durch Nichts begründet. Rumohr 
las diese Buchstaben als Andreas Aloysii Pinxit 
und schrieb dann nach den Merkmalen, welche 
das Bild zeigte, einige Wandmalereien zu Assisi 
dem angeblichen Meister zu. Allein nichts be- 
rechtigt jene Zeichen so auszulegen. 
Dagegen hat Rumohr richtig erkannt, dass 
dem Andreas eine Anzahl Fresken und Tafel- 
bilder ohne allen Grund zugeschrieben werden. 
Lanzi hat sogar den Charakter seiner Malerei 
näher bestimmen wollen: Der Ingegno sei der 
Erste, welcher der Manier der umbrisehen Schule 
mehr Grösse, ihrem Kolorit mehr Lieblichkeit 
gegeben habe; während doch die Fresken zu 
Assisi, aus denen er dies schliessen wollte, ur- 
kundlich in eine spätere Zeit fallen.  Die 
Werke, welche unter dem Namen des Andrea 
bekannt sind, führen wir in Folgendem an. 
Die dem Ingegno in As s i si und der Nachbar- 
schaft beigemessenen Fresken tragen alle ein 
gemeinsames Schulgepräge : 
l) Madonna mit dem Kinde in einer Glorie von 
Seraphim, am Thore S. Giaeomo; von um- 
brisehem Charakter (nach Miindler vielleicht 
von Pinturicchio).  
2) Madonna zwischen dem hl. Hieronymus und) 
einem anderen Heiligen, in einer Vertiefung) 
an der iiusseren Fassade von S. Andrea;  
erinnert so lebhaft an die Werke von Fio- 
renzo di Lorenzo, dass dieser für den Ur- 
heber gelten könnte. 
3) Jungfrau und Kind zwischen den hh. Fran- 
ziskus und Hieronymus aus dem alten Klo- 
ster der Benediktinerinnen (jetzt delle Man- 
telluccie). 
4) Madonna mit dem Kinde und dem hl. Fran- 
ziskus vom Durchgang von S. Antonio. 
5) Jungfrau mit dem Kinde, Heilige und Sera- 
phim, früher in einer kleinen Kapelle zu 
Mojano bei Assisi, alle drei auf Leinwand 
übertragen und jetzt im Museum zu As- 
sisi, von perugineskem Charakter und die 
Mitte haltend zwischen dem Stil Fiorenzds 
und dem schwächeren des Tiberio von Assisi. 
In Galerien Italien's und des Aus- 
landes finden sich im Stil verwandt mit 
jenen Fresken und einander gleichend: 
6) Madonna mit Kind im Museum zu N e a p e l. 
7) Madonna mit Kind, das auf einer Brüstung 
steht. Unter dem Namen Pinturicchids in 
der Nationalgalerie zu L on don. 
8) Madonna mit Kind im Musee Napoleon III. 
im Louvre zu Paris. 
9) Madonna mit Kind in der Galleria Oggioni 
in der Brera zu Mailand. 
10) Madonna mit Kind im Kloster S. Chiara zu 
Urbino, dort dem Rafael zugeschrieben. 
Auf der Rückseite die offenbar apokryphe 
Inschrift: Fu compra da Isabeta da Gobio 
rnatre di Rafaello Santc da Urbino iiorini 25. 
1488. 
Alle diese Madonnenbilder (No. G  10; 
sämmtlich Halbiiguren) scheinen einem und 
demselben Original entnommen, das sie über- 
trifft und könnten wol Wiederholungen des- 
selben von der Hand des Fiorenzo di L0- 
renzo sein. Dieses Original ist: 
11) Madonna mit Kind in mandelförmiger Glo- 
rie mit acht Cherubsköpfen auf Goldgrnnd. 
Im Besitze des Herrn Anthony Stirling zu 
L0 ndon. Die Formen in diesem Bilde sind 
besser, die Gesichtszüge ausdrncksvoller, 
die Gewandung natürlicher und die Farbe 
gefälliger. Als Urheber desselben möchte 
mit dem meisten Rechte Pinturicchio gelten. 
Weiterhin werden als Werke des Ingegno 
bezeichnet: 
12) Madonna das Kind auf ihrem Schoosse an- 
betend, zwischen zwei Engeln. Im Palazzo 
de" Conservatori al Campidoglio zu Rom; 
Fresko in der Art der Malereien zu Assisi 
(verdorben und restaurirt, zum Theil in Oel 
übermalt). Vermiglioli (Memorie di B. Pin- 
turicchio. Perugia1S37. p. 73) schreibt das- 
selbe dem Pinturicchio zu, Passavant da- 
gegen (Rafael I. 501) dem Ingegno. Es er- 
innert ebenfalls an Fiorenzo di Lorenzo. 
13) Der hl. Michael, auf den Drachen tretend, 
in einer Landschaft, Fresko. In der Oasa 
Gualtieri zu O r vie t o (wo es der Maler Cor- 
nelius 1812 auffand und restaurirte) , aus 
der Kapelle S. Brizio der Kathedrale da- 
selbst. Augenscheinlich ein Werk des Eu- 
sebio , eines der Gehülfen Peruginds (nach 
Mündler vielmehr von Luca Signorelli). 
14) Madonna und Kind zwischen Heiligen und 
zwei Donatoren (Herzog und Herzogin von 
Urbino?), im Karlsruher Museum. Aus 
der umbrischen Schule, aber vom Ende des 
16. Jahrh. 
15) Kleine Madonna, in der Sammlung Volk- 
man zu Florenz. Das Bild mit dem Zei-
        

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