Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1597808
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Gristofano Allori. 
vio in dessen Villa am (Jomer See hatte nehmen 
lassen. Doch sind die meisten der von Allori 
übernommenen nur von seinen Schülern ausge- 
 führt. Auch seine Fürsten hat der lileister ver- 
schiedentlich gemalt; drei dieser Bilder, welche 
sich durch wirksame lilärbung und edle Haltung 
auszeichnen, sind nach Spanien gekommen 
(s. Verz. N0. 20-22). 
Alle diese Arbeiten brachten dem Maler den 
reichlichen Verdienst ein, den er für die Mazza- 
Iirra vergeudete. Doch kommen seine Bild- 
nisse, so beliebt sie waren, nicht denjenigen sei- 
nes Vaters gleich. Er hatte, wenn auch seine 
Färbung eine glänzendere ist, weder die Treue 
der Beobachtung noch die Bestimmtheit der 
Zeichnung, wodurch sich Alcss. Bronzino in 
diesem Fache noch hervorthat. Hier zeigen sich 
die Fehler, Welche Cristofano als einen Meister der 
'Vcrfallzeit kennzeichnen, in welche damals die 
florentinische Kunst, 0b sie gleich einen Versuch 
der Erneuerung machte, vollständig eingetreten 
war. Gegenüber der michelangelesken Manier, 
welche seine Vorgänger beherrschte, hatte er 
mehr Geschmack in der Anordnung und mehr 
Anmuth der Bewegung; weit besser verstand er 
sich auch auf das reliefatrtige und leuchtende 
Hcraustreten der Körper, indem er seinen Ge- 
stalten durch das Mittel des Helldunkels Run- 
dung und der Färbung weit mehr Glanz und 
Wärme zu geben wusste. Er ist Kolorist, sofern 
er dem Fleisch einen gefälligen Schimmer zu 
geben und in der harmonischen Behandlung rei- 
cher Gewandstoife, wie überhaupt in dem Zu- 
sammenstimmen der Farben, eine heitere volle 
Wirkung zu erzielen weiss. Dass ihm dabei der 
Reiz tieferer malerischer Stimmung fehlt, ist 
schon oben bemerkt. Allein, so sehr er auch auf 
sorgfältige Zeichnung bedacht war, am Ver- 
ständniss des Körpers, an der Sicherheit der 
Formgebung stand er hinter den beiden anderen 
Bronzino zurück. Unter den kostbaren Gewän- 
dern vermisst man zu oft das Leben der Form. 
Und 0b er sich gleich viel Mühe gab, fielen seine 
Arbeiten dennoch sehr ungleich aus. So ist sein 
Bild im Louvre (s. Verz. N0. 23), Isabella von 
Aragonien und Karl VIII. von Frankreich eine 
ganz mittelmässige Arbeit; seine Anmuth zeigt 
bisweilen, wie in dem schlafenden Christus- 
kind in den Uffizien (s. Verz. No. 5), eine 
süssliehe Manier. In der grossen Kunst ist er 
ohne Bedeutung. Zu seinen Lebzeiten ist er 
überschätzt werden; man war nicht weit (lavon, 
ihn dem Correggio gleichzusetzen. Dass ihm 
aber in jener sinkenden Zeit noch ein gutes und 
geschmackvolles Bild mitunter gelang, das be- 
weisen seine Judith und sein IIl. Julian 
(s. Verz. N0. 13). 
A. Starb 1621, in der Kraft der Mannesjahre. 
Eine Wunde, die er sich am Fusse beibrachte, 
versehlimmerte sich dergestalt  die Säfte des 
früh angegriffenen Körpers mochten nicht die 
besten sein  dass er amputirt werden sollte. 
gen der lilazzafirra in schwarzer und rother 
Kreide für Die Judith und Die Magdalena, welche 
A. zerrissen hatte, wurden von dem jüngeren 
Buonarotti, dem Freunde des Meisters, wieder 
zusammengeklebt und in dessen Hause erhalten. 
Begreiflich, dass unter solchen Umständen A. 
hinter dem fruchtbaren Fleisse des Vaters wie 
des Oheims weit zurückblieb. Dennoch sind sei- 
ner Werke nicht so wenige, wie man gemeinhin 
annimmt. Er war in Florenz für verschiedene 
Kirchen thätig. So malte er in S. lilaria N0- 
vella um 1608 eine Tafel, Die knieenden 11h. Be- 
nedikt und Julian in Anbetung des Gekrcuzig- 
ten, zu einem Reliquiensehrein; und für so vor- 
trefflich hielt man das Gemälde, dass es die Be- 
nediktiner als Deckel des Sehreins nicht belas- 
sen wollten, sondern um 1640 in zwei Tafeln zer- 
legten und diese zu Seiten eines Tabernakels 
aufhängten (daselbst nicht mehr vorhanden). 
Weiterhin malte er für S. Cristofano den hl. 
Roehus und für die Annunziata eine Geburt der 
Maria, die damals sehr gerühmt wurde; auch für 
den Dom von Pisa eine daselbst noch erhaltene 
Altartafel. Ein hl. Petrus, auf dem Wasser wan- 
delnd, von ihm für die Kapelle der Usimbardi in 
S. Trinita unternommen, wurde erst nach sei- 
nem Tode von seinem Schüler Zanobi Rossi voll- 
endet. Verschiedene seiner Kirchenmalereien 
sind jetzt in den Florentiner Galerien (s. das 
Verz. der Werke). 
Mehr noch scheint er als Bildnissmaler 
beschäftigt gewesen zu sein; dass er zu Porträts 
namhafter und hervorragender Florentiner gerne 
berufen wurde, bezeugen die von ihm hinterlas- 
senen Werke. Er malte unter Anderen eine be- 
rühmte Schönheit jener Zeit, Maddalena Sear- 
latti, dann den jüngeren Michelangelo Buona- 
rotti, Giuliano de' Medici (jetzt in den Uflizien), 
Pandolfo Pandolfini, Jaeopo Jacopi und den 
Marchese Geri della Rena. Auch das Bildniss 
eines Landmädehens von Castello aus der Nähe 
von Florenz, das eine Zeitlang seine Geliebte 
war, hatte von sich reden machen. Ein seltsa- 
mes Gemälde, eine nüchterne Mischung von 
Bildniss und Allegorie im Geschmack jener Zeit, 
fertigte er zu Ehren Miehelangelds gleichfalls 
für den jungen Buonarotti; der grosse Meister 
war darin sinnend als Dichter vorgestellt, er 
selbst mit dem Nachkommen im Hintergründe 
und ausserdem noch Figuren in der Luft, welche 
Zanobi Rossi vollendete. Besonders beliebt aber 
waren seine kleinen Bildnisse auf Kupfcrplatten, 
in sorgsamer Ausführung; eine Anzahl dersel- 
ben sammelte der Kardinal Leopold von Toskana. 
Auch sonst malte er mitunter kleine Gemälde 
von miniaturartiger Behandlung. Die Erfolge, 
die er mit seinen Porträts hatte, verschafften 
ihm auch vom Grossherzog den Auftrag, die 
Galerie berühmter Männer zu vervollständigen, 
welche Cosimo mit den Kopien angelegt, die er 
durch Cristofano dell" Altissimo nach den Bild- 
nissen in dem bekannten Museum des Paolo Gio-
        

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