Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1597790
Gristofano Allori. 509 
Detail im Modell vor sich haben, ehe er sie bil- mit ihr verprasste und Schulden dazu machte, 
den konnte. Natürlich aber konnte ihn das Mo- für den Luxus und die Launen der Dame nicht 
dell niemals ganz befriedigen, und so änderte ausreichten, nahm sie noch andere Liebhaber 
und besserte er lange an seinen Bildern, ehe er neben ihm und bereitete ihm dergestalt alle Qua-  
damit fertig wurde. Dabei hatte er unbestreit- len der Eifersucht. Unmöglich aber, sich von 
bar die grösste ihm mögliche Vollendung immer ihr loszureissen. Und so führte er in dieser Fes- 
im Auge. Dem Cigoli, der ihn warnte nicht ohne sel ein unruhvolles und elendes Leben. 
Noth seine Arbeit immer wieder zu zerstören, 
grivsriederte er: lnicht dar-lauf lärirmees ihm an gzrlnz 11. seine Malereien, Charakteristik, 
.1 0mm znnna en' son am "enges, was n," Allein Eine gute Frucht trug diese Leiden- 
II]. Wahrheit zu gefallen vermochte. Daher _bl1e- Schaft dennoch; Sie regte ihn zu dem Schönsten 
ben ihm auch die vollendeten Werke der Meister, Bilde an das er überhaupt genmclrt hat 0b er, 
welche ihm Vorbild waren, fortwiihrendes Stu- damit wie angegeben wird die Verderblicblreit 
nnnn Und an er gleich Cigon nnn Pagani Cnr" seinen Liebe und die vernichtende Herrschaft 
mggio sich Zinn Muster genommen, so bnivnn" seiner Schönen habe darstellen wollen muss da- 
derte er namentlich dessen kleine büssende Mag- hingestellt bleiben. nach zu tiefen Beäielmn du 
dalena (jetzt in Dresden), welche sich damals in darf man bei den llialern i-riiliererE beben näht 
der Sammlung des Cavalierc Gaddi befand und Sudlierr Aber (lass Mazzaiirra zupdbr Stolzen 
deren vollendete Ausführung allerdings nicht und erbarmungslosen Schönheit als Welche A 
mehr zu übertreffen ist, und kopirte sie mehr- sie darstellte, wol passte, ist kein Ziveii-el. und 
1113115 (eine diGSeTKOPiCU in den Ufnzieni- Einige da or keine Gestalt ohne Modell zu bildcnavcr- 
ninser Kopien Sinn später für eigenhändige Wie" mochte da zudem Baldinucci, der sehr bald nach 
nernnlnngnn Cnnngginys nnsgegeben worden: ihm lebte die Sache erzählt; so darf sie wol für 
wozu wol der Umstand mitwirktc , dass A. den verbürgt :,elieri_ 
landschaftlichen Hintergrund verschiedentlich Das bbfrilimt gewordene Bild jetzt in der Gar 
nnnertn- lerie Pitti zu Florenz, stellt imkostbarer Klei- 
Seltsam aber: dieser gewissenhaften Weise zu dung die J udith dar, mit der Linken das abge- 
arbeiten entsprach keineswegs das Leben des schlagene Haupt des Holofernes fest am Schopfe 
Meisters. Er war ein Lebcmann und von l0cke- haltend, in der Rechten noch das Schwert, ent- 
rcn Sitten; das ausgelassene Welttreiben der schlossen und kühn hinausblickend, in strammer 
damaligen Florentiner scheint er bis zum Ueber- und sicherer Stellung, das edel gebildete Ge- 
maß mitgemacht zu haben. Zunächst von seiner sieht in schwarzem wallendem Haar eingerahmt. 
harmlosen Seite; er war ein gesuchter Gesell- Hinter ihr, in wirksamem Kontrast, ihre alte 
schafter, von grossem Nachahmungstalent, tanzte Magd, in welcher A., was den Ziigen nach wol 
und spielte die Theorbe vortrefflich und verstand wahrscheinlich, die Mutter der Geliebten darge- 
gleich seinem Oheim im burlcsken Geschmack stellt haben soll. Weniger glaubwürdig ist, dass 
des Bernini zu dichten (Rosini, Pitt. Ital. VI. 105, wie gleichfalls Baldinucci erzählt, der Maler zum 
gibt von seinen Versen eine Probe). Allein da- Haupte des Holofernes seinen eigenen Kopf be- 
bei blieb es nicht; A. war besonders noch den nutzt habe; denn sein Selbstporträt in den 
schönen Frauen ergeben und verzettelte in sol- Ufiizien zeigt wol einen ähnlichen Bartwuchs, 
ehen Verhältnissen nicht bloss die erheblichen doch einen anderen Schnitt der Züge. Dies Bild- 
Ertriignisse seiner Arbeit, sondern auch einen niss, mit dem sorgsam gepflegten Barte und am 
guten Theil seiner Zeit. Dass er nicht viel zu vollen Lippen, Verräth wol den eleganten Lebe- 
Stande brachte, lag auch in dem ebenso lockeren mann, hiitte aber zum Haupte des assyrischen 
als leidenschaftlichen Zug seines Lebens. Ein- Hcerfiihrers wenig gepasst. Das Bild ist auch als 
mal suchte er sich davon freizumachen, als auch Farbe nicht ohne Erscheinung; das Spiel prächti- 
er von dem strengeren kirchlichen Geiste, der gerTPönein den Gewändernmacht einereiche Wir- 
sich damals in Folge der Gegenreformation or- kung, wie überhaupt die ganze Anordnung und 
hob, ergriffen wurde; hingerissen von den Prc- Behandlung von vielem Geschmack zeugt. Den- 
digten des Ippolito Galantini, legte er seine ele- noch fehlt es an tieferem koloristischen Reiz, 
gante weltmännische Kleidung ab, trat in eine wie an dem Ausdruck einer ergreifenden Stim- 
fromme Briiderschaft ein und legte nun nicht mung, dessen der Gegenstand wol fähig ist.  
mindercn Eifer an den Tag sich vor Allen buss- Noch von einer anderen Seite übrigens schilderte 
fertig zu zeigen. Allein diese entsagende Fröm- er seine Geliebte: als schöne und stark ent- 
migkcit währte nicht lange. Er fasste eine blösste biisseude lllagdalena in derWiiste (s.Verz. 
neue Neigung, und zwar eine solche, welche der Werke No. 7), wie ein Zeichen jener glück- 
ihn vollkommen beherrschte. Eben diese Lieb- liehen Tage, da er sie unbestritten besass. Al- 
schaft mit Mazzafirra, einer der schönsten Flo- berto de" Bardi, für welchen das Bild bestimmt 
rentiner Kurtisanen, sollte ihm verhängnissvoll gewesen, schenkte es dem Kardinal Carlo de" 
werden. Das Leben, das er mit ihr führte, Medici, der seinerseits an der Nacktheit Anstoss 
brachte ihm mehr Pein MS Lust; denn da seine nahm und einen Theil des Körpers durch Bal- 
Mittel, obwol er Alles was er hatte und erwarb dassare Volterrano bedecken liess.  Zeichnun-
        

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