Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1597683
1192 
Agnolo 
Allori. 
Bei alledem ist hier die sorgsame Durchbildung 
der Formen in den schlanken Verhältnissen und 
Wellenlinien, wie die spätere Renaissance sie 
mit Vorliebe bildete, nicht unschön, wozu auch 
die zarte milchige Färbung des Fleisches in 
einem blassen Lichte , so kühl und manierirt sie 
ist, das Ihrige beiträgt.  Eine allegorische 
Darstellung war wahrscheinlich auch Die Ver- 
mälung der Katharina von Medieis mit Hein- 
rich II. von Frankreich, welche ein gewisser 
Herr Valori zu Florenz besass. 
Es ist in der Kunst Bronzinds ein Zug kühler 
Ueberlegung; er treibt sie gleichsam wissen- 
schaftlich und bekundet gerne seine Kenntnissi 
der Formen. Dass er überhaupt ein Mann von 
nicht gewöhnlicher Bildung und von denkendem 
Geiste war, ergibt auch sonst was wir von sei- 
nem Leben Wissen. Es ist ein Bruchstück eines 
grösseren Briefes von ihm an den Historiker und 
Gelehrten Benedetto Varchi (aus dem J. 1546) 
erhalten, das in dieser Hinsicht ein besonderes 
Interesse bietet. Varchi hatte eine Anzahl nam- 
hafter Künstler, mit denen er in vertrauter Be- 
ziehung stand, aufgefordert, ihm ihre Ansichten 
über die Vorzüge der Skulptur und der Malerei 
und über das Verhältniss der beiden Künste mit- 
zutheilen; insbesondere Michelangelo, Benve- 
nuto Cellini, den Baumeister Tasso, den Bild- 
hauer Tribolo, Pontormo und unseren Meister 
Angele. Unter den noch vorhandenen Briefen, 
welche dieses Thema behandeln, zeigt aber un- 
streitig derjenige Bronzinds die beste Einsicht 
in die Sache, die grösste Folgerichtigkeit des 
Gedankens und Klarheit des Ausdrucks. Leider 
fehlt gerade der Theil, welcher die Vorzüge der 
Malerei darlegt. Was jedoch Bronzino gegen 
diejenigen verbringt, welche die Skulptur für 
die höhere Kunst erklären, ist sehr deutlich und 
auch für unser heutiges Urtheil zutreffend; wo- 
bei ihm freilich verborgen bleibt, wie sehr seine 
Malerei von plastischen Grundsätzen abhängig 
war. Insbesondere verräth sich darin ein feines 
Verständniss für das Wesentliche in der Kunst 
überhaupt. Es ist bezeichnend für den Meister, 
dass er in solchen Erwägungen, wie in der Ele- 
ganz der Schreibweise seinen Genossen über- 
legen ist; er hat über die Künste nachgedacht 
und weiss sich darüber weit deutlicher als jene 
auszusprechen. Seine vielseitige geistige Bil- 
dung- wir werden ihn auch als Dichter ken- 
nen lcrnen  überragte sein produktives Talent. 
HI. Bronzino als Bildnissmaler. 
Allein merkwürdig, so nüchtern und gesucht 
Bronzino in seinen kirchlichen und allegorischen 
Malereien ist, in seinen Bildnisscn wciss er 
doch das Leben mit grossei- Sicherheit zu fassen.  
Als Porträtmaler muss er unbedingt, wenn auchl 
nicht den ersten Meistern gleich, ganz in ihre 
Nähe gestellt werden. Hicr kommt ihm sein 
Trachten nach Festigkeit und Deutlichkeit derl 
Form nur zu statten; hier braucht er keinen Auf- 
wand von Eründung zu machen, bleibt daher frei 
von seiner sonstigen Manier und begnügt sich 
die reale Erscheinung der Persönlichkeit in ihrer 
einfachen Gediegenheit zu ergreifen und mit 
jenem "unsäglichen Fleissn, welchen Vasari an 
ihm hervorhebt, wiederzugeben. Freilich darf 
man von ihm nicht jene Auüassung erwarten, 
welche die tieferen, besonderen Züge der In- 
dividualität geistvoll heraushebt, wie auch hier, 
da hier gleichfalls die malerische Behandlung 
ausbleibt, es öfters den Köpfen an jener Weich- 
heit fehlt, welche den tieferen Ausdruck gibt. 
Dagegen ist die Erscheinung als Ganzes in vol- 
ler Bestimmtheit und mit überzeugender Natur- 
treue getroffen, in der sehr durchgebildcten Form 
das Wesentliche, der Charakter sicher hervor- 
gehoben, und die Anordnung fast immer von 
einer vornehmen, dem Leben glücklich abge- 
Jauschten Einfachheit. In den guten Werken 
dieser Art  sie sind es nicht alle, aber doch 
zur Mehrzahl  ist nichts mehr von Manier, 
sondern wirklich noch Stil. Hier ist auch das 
ihelle kühle Kolorit, wo es nicht allzuschr in's 
,Gelbliche oder Röthliche spielt, von besserer 
Wirkung; es macht keinen Anspruch und hebt 
nur die Erscheinung deutlich heraus. 
Von den noch in ziemlicher Anzahl erhaltenen 
Bildnissen der Me dici stehen diejenigen in den 
Florentiner Galerien in erster Reihe. Insbeson- 
dere sind die beiden Kinder Cosimds I., lllaria 
,im Alter etwa von 12 Jahren, und der etwas 
 jüngere Sohn Don Garcia vortrefflich. Der 
 dicke lachende Junge in seinem rothen Sammt- 
,kleid mit gedunsenem Gesicht, in der fetten 
lHand einen Vogel haltend, ist von grösster 
Wahrheit des Ausdrucks; auch der Abkömmling 
 eines grossen, dem Verfall schon entgegengehen- 
den Geschlechts ist wol zu erkennen. Die Be- 
handlung ist einfach und meisterhaft. Ferner 
ist das Bildniss Cosimds selber, in stählerner 
Rüstung, die rechte Hand auf einen Helm ge- 
stützt in seiner energischen Festigkeit sehr 
lebendig (in der Galerie Pitti). Gut ist auch das 
Bildniss des Fürsten in der Galerie zu Turin. 
Eine ganze Anzahl weiterer Porträts desselben 
gibt das Verzeichniss. Von grosser Sicherheit 
der Erscheinung ist dasjenige seiner Gemalin, 
lder Herzogin Eleonore, in heller reicher Klei- 
dung, ihren Sohn Ferdinand zur rechten Seite 
 (in den Ufüzien); doch ist in den Gesichtszügen 
zu viel Härte (ein anderes Bildniss der Herzogin 
in Dresden).  Auch verschiedene Bildnisse der 
Bianca Oapello, der verrufenen Geliebten und 
Gemalin des Grossherzogs Franeesco Maria, 
kommen vor; doch fallen sie, wenn überhaupt 
acht, in die späteste Zeit Bronzinds, da Bianca 
erst 1565 die erklärte Geliebte des Fürsten wurdß- 
Es ist bemerkt worden, dass nicht wenige der 
fürstlichen Personen, welche Angelo malte, einen 
aussergewöhnlichen und verhängnissvollen T03 
starben (so Don Garcia, Eleonora von Toledo, 
Francesco I., Bianea Gapello); doch wird da-
        

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