Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1597665
ß 
355010 Allori. 
J. 1564; es erhellt daraus, dass die beiden Scusi il Pittor chi guarda, e fermi il passe, 
Gemälde für Pisa und Elba am 11. Fcbr. 1,564 Perehe Pintcnzion 811a fu di für questv, 
fertig waren und darauf die Aufträge zu Male- Di fOYIPM CTÄSW, i Senllir e 51 Tesfo, 
reien in S. Lorenzo erfolgten.  Endlich aber, Ma egh Sbaghö del Paradlso a1 01113580" 
und dies war nicht die kleinste seiner Arbeiten Wegen dieses unkirchlichen Charakters wurde 
 war Bronzino der berufene Bildnis sm aler denn auch später dieses Bild von seinem Platze 
der Familie, der ihre sämmtliehen Glieder, bis entfernt und durch ein anderes ersetzt. Aus dem- 
zu den natürlichen Kindern herab, wiederholt selben Grunde wurde auch eine Auferstehung 
darzustellen hatte. Eine Anzahl dieser Porträts, Christi in der Kirche S. Annunziata in der Ka- 
von denen noch die Rede sein wird, kam in den pelle der Familie Guadagni getadelt, obwol sie 
Besitz treuer Anhänger des Hauses und in das sonst für ein gutes Werk des Meisters galt: 
Ausland. vweil, wie Borghini bemerkt, darin ein so leicht- 
Bronzino blieb zeitlebens in diesem nahen fertigeYEngel sich befindet, dass es eine Sßllmäll- 
Verhaltniss zu den Medici. Er war ihr erklärter lißhß Sache ist". 
Giinstling, wie denn Cosimo I. in den Billetten, Und doch hatte der Meister sicher die Absicht 
darin er ihm seine Aufträge ertheilte, ihn mit nicht mit unreinem Reiz auf die Sinnlichkeit zu 
Carissimo mio anredcte und seinerseits der Mei- wirken. Obgleich aus der Schule Pontormds 
ster in treuer Anhänglichkeit in einem Briefe kommend, hatte er sich nach Michelangelo wei- 
vom J. 1545 seine Gönner ndas himmlische Haus ter ausgebildet und auf das Studium der Ana- 
der Medicic nannte. tomie und der nackten Formen besonderen Fleiss 
Obwol derart unablässig für die fürstliche Fa- verwendet. Ein kühles Talent, weder von bo- 
milie beschäftigt, fand er doch noch Zeit zu sonderer Tiefe des Gefühls noch von grossem 
Staiieleibildern für andere Besteller. So erhielt Reiehthum der Erfindung, hielt er eine vollen- 
Alamanno Salviati eine Venus mit einem Satyr, dete Darstellung des menschlichen Körpers in 
insbesondere aber Franz I. von Frankreich eine den mannigfaltigsten Stellungen und Lagen fiir 
Venus mit Amor und allegorischen Figuren (nach das eigentliche Ziel der grossen Kunst. Diese 
Vasarfs Bericht; das Bild war also vor 1547 Richtung hatte schon vor der Mitte desldJahrh. 
gemalt). Letzteres ist erhalten und gegenwärtig die ilorentinische Malerei überhaupt genommen, 
in der Nationalgalerie zu London (s. Vcrz. indem sie von Michelangelo die iiussere Ge- 
No. 52). Solche Darstellungen von der Hand schieklichkeit zu entlehnen suchte, ohne für die 
Bronzinds fanden besonderen Beifall. Doch Gewalt des Ausdrucks und die Tiefe des Lebens, 
fehlte es ihm, namentlich in der späteren Zeit, welche dieser in seine Figuren legte, Verständ- 
aueh nicht an mannigfachen Aufträgen zu Ki r- niss zu haben. Unliiugbar hat diese Kunst in der 
chenbildcrn. Fiir Matteo Strozzi malte er in Formdarstellung noch 'l'iichtiges geleistet, und 
der Nähe seiner Villa zu S. Casciano ein Taber- Bronzino gehört auch in dieser Hinsieht zu ihren 
nakel mit einer Pietät in Fresko (jetzt sehr ver- besten Meistern. Daher auch Benvenuto Cellini 
derben); für die von Gio. Batt. Cavalcanti ge- von ihm rühmt, dass Keiner mehr als Er sich 
widmete Kapelle in S.Spirito ein Nolime tangere einer solchen Wahrheit in der Kunst genähert 
(jetzt im Louvre zu Paris); für Ant. Salviati habe, wie sie Michelangelo erreichte, indem die- 
eine Geburt Christi n. s. w. Auch ein Haupt- ser Alles was er malte aus sorgfaltig studirtcll 
Werk von ihm, das noch erhalten ist (jetzt in Skulpturmodellen herleitete. Auch hierin zeigt 
den Uffizien) , entstand im Auftrage eines Pri- sich, wie die späteren Florentiner in der Malerei 
vatmannes, des Giovanni Zanchini: Christi Nie- das Formelement einseitigausbilrleten : sie mach- 
derfahrt in die Vorhölle, gemalt für eine Kapelle ten aus ihr mehr oder minder eine kolorirte Pla- 
in der Kirche S. Croce und vollendet 1552 (s. stik. Bei allem Geschick aber trieb diese Rich- 
Verz. N0. 5). tung die Kunst einem raschen Verfalle entgegen- 
Die blosse Schaustellung nackter Figuren auf 
   der Bildfläche in den ewa testen Stellungen 
11' Charakter "In" Gemaldm und den aufgeregtesten äebeiälen, um dem Kriilr 
Letzteres Bild, für die Kunstweisc des Mei- per eine ungewöhnliche Bewegtheit zu geben, 
sters besonders bezeichnend, hat früh ein leb- fiihrte nothwendig zur llfaiiier oder war es viel- 
haftes Interesse und ein eigenthiimliches Schick- mehr selbst schon. Und diese Manier gewann 
sal erfahren. Durch ein päpstliches Dekret dadurch nicht, dass sie einen akademischen Zug 
wurde es mit dem Bann belegt wegen der vie- hatte und aus allen Figuren die kalte Beobach- 
lerlei nackten Figuren beiderlei Geschlechts, die tung des Modells sah. Auch Bronzino, so ernst 
es ohne alle Verhüllung darstellte; und auch er es ohne Zweifel mit der Form nahm, wenig" 
sonst rief diese Schaustcllung kräftig ausgebil- stens was seine religiösen Gemälde anlangt, "E1155 
deter Körperformen, offenbar der Hauptzweck zu diesen Manieristcn gerechnet werden. Nlßht 
dieser Väter und Bewohner der Vorhölle, eine bloss ist sein Christus in der Vorhölle ohne alle 
herbe Kritik hervor. Der Poet Alfonsino de' Würde und Feierlichkeit; sondern überdies Sllld 
Pazzi machte darauf folgende uniibersetzbare die Gestalten ohne Ausdruck, das Ganze ohne 
Spottverse: Stimmung und nur eine gleichgiiltige Ausstel-
        

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