Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592887
Die Gebrüder Abel aus iKgn. 16. J ahrh. 
hard reiste zur Gewinnung des rothen Marmors 
Mitte Juli nach Salzburg, Meister Arnold nach 
Italien. Letzterer hatte sich aber für seine Reise 
nicht blos zur Aufgabe gestellt, den für die Re- 
liefs nothwendigen Kararischen Marmor an Ort 
und Stelle auszusuchen, sondern hatte auch vor, 
Rom und andere Städte Italiens zu besuchen, um 
die Antike zu studiren, oder wie der Kammer- 
meister, welcher ihm zu diesem Zwecke 100 fl. 
5 kr. auszahlte, sich ausdrückt: uzur Ersehung 
der Antiquitiitenu. Dass Meister Arnold in Rom 
war, beweist eine Rechnungfüi- einen neuen Sat- 
tel, den er zu Rom für sein Ross gekauft hatte. 
Er war 51 Tage auf der Reise. Als uExpendit-i 
beim Ankauf des Marmors wurde ihm Erasmus 
Linder, Bürger und Wirth von Innsbruck, mit- 
gegeben. Sie kauften 52 Stück lliarmorsteine. 
Linder erhielt für die Reise, für den angekauf- 
ten und hiuausgelieferten Marmor 194 H. 12 kr.; 
die sonstigen Auslagen für den Ankauf und den 
Transport des italienischen Marmors betrugen 
294 ü. 20 kr.; für den Salzburger Marmor (376 
Ctr. 65 Pf.) wurden verausgabt 438 ü. 19 kr. 
Auf Rechnung ihrer Arbeit hatten die Gebrüder 
Abel vom 10. Juli bis 12. Dez. 696 tl. aus der l. 
f. Kammer zu Innsbruck erhalten. Die Gesammt- 
auslagen dieser Kammer für das Grabmal betru- 
gen im J. 1561 im Ganzen 2042 fl. 
Beide Meister Abel finden wir Mitte Dezember 
von ihren Reisen zurückgekehrt in Innsbruck. Sie 
hatten jedoch wenig Lust zur Arbeit mitgebracht 
und obwol sie von der Regierung mit Werkzeug, 
Wachs (zum Bossiren), Hausrath und aller Not- 
turft versehen): worden waren, udamit sie im 
Werk nicht verhindert wärenv, so hatten die 
beiden Künstler im Juni 1562 doch erst vden 
vierten Theil einer Historie IJOSSiTÜK. Während 
sie die Werkstatt ihrem einzigen Gesellen über- 
liessen, ergaben sie sich dem fröhlichen Leben 
auf Unkosten ihres freigebigen kaiserlichen Be- 
stellers, und zwar so rückhaltlos, dass sie beide 
erkrankten. vSie sindn, schreibt amlö. Juni 1562 
die Regierung an Se. lllajestät, nwie uns vor- 
kommt, durch ihre unordentliche Haltung in 
tödtliche Krankheit gefallen und lange Zeitr 
krank gelegene; es sei keine Aussicht, dass sie 
vZitterns halber in den Händen" sobald wieder 
arbeiten könnten. Die Zeichnungen zu den Hi- 
storien hatten auf sich nicht warten lassen; der 
Bruder der beiden saumseligen Bildhauer hatte 
darin nichts mit ihnen gemein. Die zwei ersten 
Zeichnungen langten schon im Spätherbst 1561 
in Innsbruck an, und in einem Schreiben des K. 
Ferdinand ddo. Prag 3. Jiin. 1562 wurde ver-l 
sprechen, dass Manch die zwei andern Stück 
Feldungen aus den Historien el1estens nachfol- 
genw würden. 
Während nun die Gebrüder Bernhard undAr- 
nold Abel thatlos ihrer Aufgabe gegeniiberstan- 
den, bewiesen sie sich um so ausdauernder 
in ihren Geldforderungen. Damit dasWerk nicht 
in völlige Stockung gerathe, hatte ihnen die Re- 
gierung im Juni, als sie sich von ihrerKrankheit 
soweit erholt hatten, dass sie wieder ihrem Ge- 
schäfte nachgehen konnten, weitere 300 H. be- 
zahlt und damit Meister Bernhard, welcher vZit- 
terns halbem für die subtile Arbeit doch noch nicht 
recht zu brauchen war, nicht müssig gehe, bean- 
tragte die Regierung, ihn nach denNiederlanden 
zu schicken, um schwarzen Marmor zu holen- 
Inzwischen erhoben aber die beiden Abel neue 
Forderungen und verlangten weitere 400 H..zur 
Abzahlung ihrer Schulden, eine "Ergötzlichkeitn 
für ihre erlittene Krankheit, und 500 fl., um zur 
Besorgung von Gesellen sich auf die Reise be- 
geben zu können, endlich die Bezahlung einer 
aWirthshausrechnung von 81 11., im Ganzen, die 
"Ergötzlichkeitw ungerechnet, 1062 H. Diese 
Summe kam der Regierung als eine zu hohe vor, 
zumal die Gebrüder Abel bisher nicht bloss aus 
der Kammer zu Innsbruck, sondern auch aus 
dem Hofzahlmeisteramte Geldvorschüsse erhal- 
ten hatten. Im Jahre 1561 hatten sie aus ersterer, 
die Reisegclder nicht gerechnet, 696 fl. und aus 
dem Hofzahlmeisteramt 736 ü. 30 kr. bezogen. 
Der durch diese Ausgaben veranlasste Bericht 
des Hofzahlmeisters macht uns mit dem dritten 
Bruder Abel etwas näher bekannt. Nachdem der 
Zahlmeister jene Vorschüsse an Bernhard und 
Arnold aufgezählt, sagt er: vDann, so ist auch 
bihremBruder Florian Abl von Köln, welcher 
ihnen auch geholfen, gleichfalls auf k. Mj t. Ver- 
ordnung 249 fl. 40 kr. geben wordenß Florian 
war also der Vorname des dritten Abel. Dass 
dieser der Zeichner der berühmten Reliefs am 
Maximilianischen Grabmal ist, wird durch ein 
Schreiben K. Ferdinands aus Prag 28. Feb. 1562 
zur vollen Gewissheit; darin hgisgt es ; tWir 
senden Euch wiederum eine durch Florian, Ma- 
ler, gefertigte Historie zu K. lllaximilians Be- 
"grabnissv. Da dieser Maler auch für alle weitern 
Reliefbilder die Zeichnungen geliefert hat (siehe 
Collin), so ist derselbe trotz der meisterhaften 
technischen Ausführung der Reliefs durch Col- 
lin und seine Gehilfen, doch die Seele des ganzen 
Unternehmens, so weit es sich auf die Plastik in 
Marmor bezieht. Leider ist uns von diesem treff- 
lichen Meister bisher weiteres nicht bekannt. In 
Prag, wo er urkundlich viele Jahre zugebracht 
hat, dürfte jedoch seineWirksamkeitnicht spurlos 
vorübergegangen sein; wir irren vielleicht nicht, 
wenn wir an den Skulpturen des schönen Grab- 
mals in der Prager Domkirche die Bethätigung 
dieses Meisters in ähnlicher Weise wie in Inns- 
 bruck zu finden glauben. 
 Zu den Arbeiten seiner Brüder wurden bisher 
die vier Reliefbilder Nr. 21, 22, 23 und24 an dem 
Maximilianischen Grabmal gerechnet. Ein von 
Collins Sohn dem Landesfürsten überreichtes 
Promemoria behauptet jedoch, die beiden Vor- 
gänge? Seines Vaters hätten nur "drei Stück Hi- 
stori angefangen und deren keines ausgemachtw. 
In der That sind die genannten vier Bilder in 
ihrer Durchführung so verschieden,_dass man
        

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