Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1597117
13922319 5119533. 
ä 
eigne et des petits garcons pres ses piedsa). 
Dass die Leda in jenem 1652 aufgesetzten 
und 1653 revidirten Inventar genannt ist, 
zeigt am besten, was von dem fabelhaften 
Schicksal zu halten, welches das Bild in 
Schweden erfahren haben soll. Es heisst 
nämlich: dieses Bild sowol als Die Danae 
seien daselbst wenig beachtet werden und 
daher bald verschollen. Da habe sie Seba- 
stien Bourdon, welcher 1753-1754 Hofmaler 
der Königin Christine gewesen, an zwei Fen- 
stern eines Künigl. Stallgebäudes entdeckt, 
wo sie zum Schutze gegen Wind und Wetter 
dienten, ihren Werth erkannt und für ihre 
Wiederherstellung gesorgt. Diese Erzählung 
tritt meines Wissens zuerst bei Tessin auf, 
in dessen Briefen an den schwedischen Kron- 
prinzen Gustav, Welche Anfangs der fünf- 
ziger Jahre des 18. Jahrh. im Druck erschie- 
nen; hier sind der Bilder, welche als Läden 
für Stallfenster dienten, gar ihrer fünf ge- 
wesen (Comte de Tessin, Lettres au Prince 
Royal de Suede. Paris 1755. I. 148). Ange- 
führt von Winckelmann im J. 1755 (Werke. 
Stuttgart 1847. 11. 5. 22) und Piganiol de la 
Force (Description historique de la Ville de 
Paris. Paris 1765. 11. 330) hat sie sich dann 
weiter verbreitet. Ihr sagenhafter Charakter 
leuchtet von Haus aus ein; vollends wird sie 
durch jenes Inventar widerlegt. Es licsse 
sieh allerdings noch annehmen, den Bildern 
sei in jener Weise noch vor 1652 mitgespielt 
worden; allein es ist ganz unglaublich, dass 
so bald nach ihrem Eintreffen in Schweden 
die Prager Kunstschätze derart sollten miss- 
achtet worden sein. Wahrscheinlich hat sich 
jene Erzählung in Paris gebildet, nachdem 
die Bilder Eigenthum des Herzogs von Or- 
leans geworden, und Graf Tessin hat sie 
von dort, wo er längere Zeit als schwedi- 
scher Gesandter verweilte, nach Schweden 
mitgebracht. 
Als die Königin Christine am 6. Juni 1654 
die Krone niedergelegt hatte, und nach Rom 
aufbrach, nahm sie ihre höchst ansehnliche 
und mannigfaltige Kunstsammlung mit sich, 
darunter auch alle Gemälde von Bedeutung. 
Zu Rom in ihrem Palaste Riario (später Cor- 
sini) wurde die Galerie aufgestellt; hier be- 
fanden sich auch zehn dem Correggio zuge- 
schriebene Gemälde (s. e) N0. 1x). Nach 
ihrem Tode (19. April 1689) ging die kost- 
bare Galerie an den von ihr eingesetzten 
Erben, Kardinal Dezio Azzolino über, der 
sie seinerseits seinem Neffen Pompeo Az-l 
zolino hinterliess. Dieser verkaufte sie  
1701 an den Fürsten Livio Odescalchi" 
(Herzog von Bracciano), der sie bis 
zum J. 1722 besass. Wie Richardson (Des- 
cription etc. 11. 284-293) berichtet, befan- 
den sich in dieser Galerie 10 Bilder, welche 
dem Coreggio zugeschrieben wurden, da- 
M e y ci- , Künstler-Lexikon. I. 
runter Eine Jo (s. No. 34), Eine Leda und 
Eine Danae. Im J. 1722 kam dann die 
Sammlung um die Summe von 90,000 Seudi 
an den Regenten Philipp von Orleans. Dessen 
frömmclnder Sohn Ludwig, aufgereizt zu- 
dem durch seinen Beichtvater Abbe de 
Sainte-Genevieve, nahm Anstoss an den 
ausdrucksvollen Köpfen Der Jo und Der 
Leda und schnitt beide aus den Bildern 
heraus. Es wird auch erzählt, er habe das 
Bild der Leda noch weiter in verschiedene 
Theile zerschneiden lassen, wie überhaupt 
die Gemälde mit Nacktheiten zerstört wer- 
den sollten; von den Trümmern der Lcda 
seien dann mehrere verloren gegangen. Ver- 
bürgt ist dies nicht; doch scheint, dass Die 
J o und Die Leda verbrannt werden sollten. 
Glücklicherweise geriethen die jedenfalls 
verstümmelten Bilder in die Hände des 
Charles Coypel, des Hofmalers des Her- 
zogs, sei es nun, dass er sie heimlich zu ret- 
ten wusste oder von Letzterem zum Ge- 
schenk erhielt. Coypel soll (nach Landen) 
Carle Vanloo, dann Boueher ersucht ha- 
ben, den Kopf zu ersetzen, beide Mei- 
ster aber, aus Scheu sich mit Correggio 
zu messen, dies abgelehnt haben. Da habe 
endlich ein wenig bekannter Maler, Namens 
Deslyen, die Lücke ausgefüllt; nach anderer 
Nachricht habe es Coypel selbst gethan. 
Bei der Versteigerung der von CoypeTs 
künstlerischem Nachlass im J. 1752 kam die 
Leda um den Preis von 16,050 Livres an den 
Sammler Pasqilier; und als den 10. März 
1755 dessen Nachlass ebenfalls unter den 
Hammer kam, ging das Bild durch Ver1nitt- 
lung des Grafen d'Epinaille "um 21,060 Liv- 
res in den Besitz Friedriclrs des Grosseu 
über. 1806 von Sanssouci als Beute nach 
Paris gebracht, wurde es dort, da es allem 
Anschein nach in sehr üblem Zustande war, 
von dem Restaurator J. M. Hooghstael fast 
ganz übermalt; dann 1814 zurückgeführt, 
fand es 1830 seinen Platz im Berliner Mu- 
seum, wo es von Schlesinger, der auch den 
jetzigen nicht schlechten Kopf der Leda 
hineinmalte, auf's Neue gereinigt und re- 
staurirt wurde. Wie sehr das Original unter 
so vielen Schicksalen und Retuschen gelit- 
ten haben muss, leuchtet ein; auch wenn 
jene weitere Zerstückelung unter Louis von 
Orleans Fabel ist. s. Stiche N0. 277-295. 
Ueber eine angebliche Wiederholung des 
Bildes (mit Weglassung einiger Figuren] im 
Palazzo Rospigliosi zu Rom, die man öfters 
für Original gehalten, s. b) N0.  
36) Zwischen 1530 -153'2. Danae auf dem 
Lager ruhend mit Amor und zwei Putten. 
Auf Leinwand. Ueber die ursprüngliche 
Bestimmung des Bildes s. Die Leda (N0. 35); 
über seine weiteren Schicksale, nachdem es 
nach Spanien gekommen, die Geschichte 
Der Jo (N0. 34), mit welcher es nach Prag 
56
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.