Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1597097
Antvgliß, 
Hund. Auf Leinwand. Im Belvedere zu 
Wien, s. Text xxv. und Stiche No. 296  
2917. Das Bild hat sehr gelitten, namentlich 
auch die Landschaft. Sehr wahrscheinlich 
kam es aus Spanien, wo es sich gegen Ende 
des 16. Jahrh. in der kostbaren Sammlung 
des Staatssekretärs Antonio Perez befand. 
Damals hatte Graf Khevenhiller, der kaiser- 
liche Botschafter Rudolfs II. in Madrid, 
von seinem Herren den Auftrag Gemälde 
namhafter Meister so viel wie nur möglich 
anzukaufen. In seinem Bericht vom 14. Dez. 
1585 rühmt der Graf aus der Sammlung Pe- 
rez insbesondere den bogenschnitzendenCu- 
pido von Parinigianino sowie den Ganymed 
vdessclben Meistersu. Zum Erwerb dieser 
Bilder war damals Aussicht; Perez, der 
Günstling Philipps II., war 1579 gestürzt, 
hatte 1585 eine starke Geldbusse zu leisten, 
und so wurde der Verkauf seiner Sammlung 
beschlossen. Doch ehe noch Rudolf II. zu- 
greifen konnte, gingen die Besitzthiimei" des 
Perez an den königlichen Schatz über. Vor- 
erst konnte daher Khevenhiller seinem Her- 
ren nur Kopien senden (am 30. Dez. 1587) ; 
dass solche nach Prag gelangt, lässt sich 
wenigstens aus der Geschichte des Cupido 
verfolgen (s. Franc. Mazzuola). Allein Ru- 
dolf II. scheint nach wie vor den Ankauf 
der Originale betrieben zu haben. Neue 
Verhandlungen darüber fanden im J. 1600 
statt; erst gegen Ende des J. 1603 kamen 
sie zum Abschluss. Damals erhielt Graf 
Khevenhiller ndie beiden Gemälde Leda und 
Ganymedesc (über Die Leda s. N0. 35) zu 
seiner Verfügung, nachdem der König durch 
den spanischen Maler Eugenio Caxes sie 
hatte kopiren lassen. Khevenhiller meldet 
sodann seinem Herren am 31. Dez. ausdrück- 
lich, dass diese Bilder Originale seien (s. Ur- 
lichs in der Literatur).  
Ueber die Ankunft der Bilder zu Prag 
findet sich keine Nachricht, und auch in 
einem Inventar der Prager Schatz- und 
Kunstkammer vom Anfang des 17. Jahrh. 
ist Der Ganymed nicht verzeichnet. Wol 
aber Die Leda, welche gleichzeitig mit ihm 
von Spanien abgegangen, woraus sich also 
auch die richtige Ankunft des ersteren er- 
gibt. Vielleicht war der Ganymedes von 
Prag gleich nach Wien gebracht worden; 
denn auch unter der grossen Anzahl von 
Kunstschätzen, welche nach der Einnahme 
Prags im J. 1648 von den Schweden als 
Kriegsbeute mitgenommen wurde, wird er 
nirgends angeführt. Dagegen findet er sich, 
1702 in der Schatzkammer zu Wien angege-l 
'ben: wEin Stück von Correggio des Gany- 
medes Raptum praescntirendc, in Tolner's 
Kurz lesenswiirdige Erinnerung etc. der Sel- 
tenheiten in undum Wien, Wien 1702 (s. Per- 
ger in der Literatur). Damals also galt das 
Bild für ein Werk Correggids, nachdem es 
in Spanien für einen Parmigianino gegolten. 
Freilich führt Tolner auch den Cupido, ohne 
Zweifel den bogenschnitzenden, als ein Werk 
Correggids an. Allein nach einem Briefe 
des Apostolo Zeno vom 3. Juni 1724 (Let- 
tere, nelle quali si contengono molte notizie 
attencnti all' istoria letteraria de' suoi tempi 
etc. Venezia 1752. 11. 329) sah derselbe in 
der kaiserl. Schatzkammer unter nsehr kost- 
baren Sachen insbesonderem zwei Gemälde 
des Correggio und meinte damit unzweifel- 
hnft Die Jo und Den Ganymed. Und über- 
haupt gilt dieser seit lange für ein achtes 
Werk des Meisters, während der Cupido nur 
vorübergehend dafür angesehen wurde. Für 
die Aechtheit spricht auch, dass beide Ge- 
mälde, Der Ganymedes und Die J o, Gegen- 
stücke bilden. Letztere gleichfalls (s. No. 34) 
kam aus Spanien; unzweifelhaft sind auch 
beide zusammen dorthin gelangt. Der Ga- 
nymedes gehört allerdings nicht zu den her- 
vorragenden Werken Correggios , und das 
mag damals veranlasst haben, ihn für einen 
Parmigianino anzusehen, der in seinen gu- 
ten Bildern dem Meister bisweilen doch 
ziemlich nahe kommt. 
Wie das Bild in die Sammlung Perez kam, 
darüber ist uns keine Kunde überliefert; 
wahrscheinlich als ein Geschenk Philipps II. 
an den einflussreichen Giinstling. Es ist 
möglich, dass es schon Karl V. besessen; 
aber ein Grund für diese Vermuthung findet 
sich nicht. 
34) Zwischen 1530-1532? Jo, welche von dem 
in einer Wolke verhüllten Jupiter umarmt 
wird (lebensgross). Auf Leinwand. Im Bel- 
v e d e re zu Wien; das im Berliner Museum 
befindliche Bild ist eine gute alte Kopie (s. 
VGYZ- b) NO- 57h Ob das Bild ursprünglich, 
wie die beiden folgenden, für Kaiser KarlV. 
bestimmt gewesen, ist nicht ausgemacht. 
s. Text xxvI. Lornazzo (Trattato etc. 11.211) 
berichtet, dass der Bildhauer Leone Leoni 
zu Mailand rzwei durch die Trefflichkeit der 
Beleuchtung wunderbare Bilderw des Anto- 
nio da Correggio besessen habe, Jo mit Ju- 
piter in einer Wolke und Danae; dieselben 
seien ihm aus Spanien von seinem Sohn 
Pompco  der ebenfalls Bildhauer war  
geschickt worden. Der Maler Lomazzo, 
auch ein Mailänder, war Zeitgenosse des 
Leoni , hatte sicher bei diesem noch vor 
dessen Tode, der etwa um 1585 zu setzen 
ist, die Gemälde gesehen und hielt sie für 
unzweifelhaft ächt. Leoni war selber lange in 
Spanien gewesen, hatte im Dienste Karls V. 
und Philipps _II. gestanden und vom Erste- 
ren mancherlei Gunst erfahren. Wie er zu 
den Bildern gekommen, 0b durch Kauf oder 
durch Schenkung, ist ungewiss; er lebte zu 
Mailand in einem eigenen Palast und hatte
        

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