Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1597013
l 
den Bischof von Reggio; selbst dem Papst 
sollte eine Vorstellung eingereicht werden. 
Allein Alles vergeblich; das Bild kam nicht 
wieder. Der Maler, welcher es kopirt hatte, 
Giovanni Boulanger, ein Schüler Guido Re- 
nfs, stand in herzoglichen Diensten; er hat 
ohne Zweifel im Auftrage des Hofes und im 
Einverstiindniss mit den Klosterbrüdern den 
Kauf  oder die Entwendung vorgenom- 
men. Das Kloster erhielt dafür einiges Land. 
Molza schrieb übrigens, dass er nicht be- 
greifen könne, wesshalb die Correggianer 
dieser Sache halber einen solchen Liirul cr- 
höben; von ihrem letzten Fürsten, Don 
Siro, hätten sie sich doch ruhig andere Bil- 
der wegnehmen lassen. Auch die Kopie von 
Boulanger scheint jetzt verschvviundcn.  
'I'irabosehi meinte tälschlich, das entwen- 
dete Bild wäre jenes durch V ermächtniss 
des Zuccardi am 30. Aug. 1514 bestellte 
gewesen; wir haben gesehen, dass dieses 
vielmehr die Madonna des hl. Franziskus 
ist. s. Text XIII. 
Das Bild ist verschollen; man weis nicht, 
wohin es aus dem Besitze des Hauses Este 
gekommen ist. Denn die gleiche Komposi- 
tion, welche sich in den Uffizien zu Flo- 
renz befindet und dort für acht ausgege- 
ben, auch von Mengs, Lanzi und Anderen 
dafür gehalten werden, ist sicher nur Kopie 
(s. b) No. 49). Nach dieser sind wahschein- 
lich auch die Stiche gefertigt, welche wir 
von der Darstellung haben. Diese hat noch 
nicht die Freiheit der Anordnung, wie die 
späteren Werke (Jorreggiols; sogar die Hal- 
tung der unter dem Palmbaumc sitzenden 
Madonna etwas Gezwungenes. Auf ihrem 
Schoose steht das J esuskind aufrecht, wäh-_ 
reud ihm der etwas zuriickstehende Joseph; 
Früchte anbietet.  
 1516? Triptychon: Gott-Vateroder-Chri-- 
stus in der Glorie zwischen dem jugend- 
lichen Johannes mit dem Kreuze und dem 
hl. Bartholomäus. Gemalt für die Brüder- 
schaft des Hospitales von S. Maria (lella 
M-isericordia zu Uorrcggio. Pungileoni (II. 
ö2-90) führt die V erkaufsnrkunde an, vom 
23. Nov. 1613, darnach die drei Bilder um 
300 Dukaten, durch Uebereinkunft mit den 
Vorstehern der Bruderschaft, in den Besitz 
des letzten Herrn von Oorreggio, Don Siro 
d'Austria, übergegangen sind. Man weiss 
nicht, was aus dem Gemälde geworden: Ti-j 
raboschi glaubte, dass Don Siro, nachdem 
er seine Herrschaft hatte aufgeben müssen," 
es mit sich nach Mantua genommen und 
dass es dort bei der Plünderung der Stadt; 
durch die Kaiserlichen imJ. 1630 zu Grunde? 
gegangen. Allein Don Siro hatte (wie aus 
      
ten Briefen erhellt) "einige Maiereienu des 
Uorregygio den Grafen Gonzaga di Novellarai. 
zur Aufbewahrung übergeben und verlangte 
dieselben am 14. Mai 1644 zurück. Pungi- 
leoni war der Ansicht, (lass unter diesen 
Bildern jenes "Friptychoil mit den Seiten- 
fliigeln zu verstehen; was recht wol mög- 
lich. Sie wären also damals noch erhalten 
gewesen  was aber weiterhin aus ihnen ge- 
WOTdCl], ist nicht ersichtlich. Einmal (in 
der Ausgabe von Sansovinds Venezia von 
1663, p. 37T) lindet sich das Mittelbild im 
Besitze des Malers Niccolo Reuieri (oder 
(Reiner) zu Venedig angegeben; doch derlei 
Nachrichten sind immer unzuverlässig. s. 
'I'ext XIII. 
Das im Vatik an beiindliche Bild des Hei- 
landes über dem Itegenbogen, das man liir 
licht und für das Mittelstück jenes Triptychom 
ausgegeben, ist nur eine Kopie. s. b] N0. 10). 
1811516 oder 1517i? Geburt der Maria. Al- 
tartafel für die Kirche von Albin ea. Frau-- 
cesco I. von Este. der schon ein Werk 
(lorreggiifs aus der Minoritenkirche seiner 
Vaterstadt gmvadtszim an sich gebracht hatte. 
wusste sich ziuch in den Besitz dieses Bildes 
zu setzen. Er ging darum die Aeltesten der 
Gemeine von Albinea an, und diese fanden 
sich vrillig ihm die Tafel abzutreten (1647); 
allein der Priester Don Claudio Ghedini gab 
seine Zustimmung nicht. Ein förmliches Gee 
webe von Ranken wurde nun gesponnen, 
um das Bild dennoch an den Herzog zu 
bringen. Jene Aeltesten berichteten an ihn, 
Ghedini habe übel von ihm geredet; darauf 
beschwerte sich der Fürst bei dem Bischof 
von Reggio. Der Priester wurde nun zur 
Verantivortung' dorthin berufen und sechs 
Monate festgehalten; inzwischen nahmen 
die Aeltesten "mit bewatfnetex- Handu dan 
Bild weg und trugen es nach Modena 
zum Herzog. Dafür GPÜCSS dieser der Ge- 
meinde von Albinea gewisse Verbindlich- 
keiten; nach Pungileoni bestanden diese in 
einer Schuld von T476 Lire, welche die Ge- 
meinde statt dem Herzoge nun der Kirche 
zum Ersatze übergeben sollte. 
Das Bild ist bald verschollen; es war 
nicht mehr in der Galerie des Hauses Este, 
als die in Dresden belindliehen Correggioü-s 
erworben wurden. Es findet sich die Nach- 
richt, dass Alfonso II. Herzog von Modena 
(1658-1662)- am Anfang seiner Regierung- 
an den Kaiser Leopold nach Wien zum Ge- 
schenk schöne Pferde und werschiedene 
Malereien des göttlichen Correggiou gesandt 
habe. Möglich, dass darunter jene Geburt 
der Maria gewesen. Allein, dass in Wien 
oder am kaiserlichen Hofe ein derartiges 
Bild sich befunden, wird nirgends erwähnt. 
IV. Mit Grund als äoht bezeichnet. 
Hierher sind auch Das Noli me tangere 
(N0. 21) und Das Eece Heino (N0. 28] gerech- 
net, weil beide bislang ziemlich allgemein für
        

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