Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596888
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Antonil 
Allegri. 
mals insbesondere die Leidensgeschichte Jesu Stoffen ein innerliches Verhältniss ein, und er- 
und die Schicksale der Märtyrer boten  so reicht so in der Darstellung jene Verbindung 
gelingt ihm, wie wir gesehen, das Furchtbare von Wahrheit und Reiz, die seinen Werken 
und Erschiitternde nicht. Wolweiss er in Schmer- eine hinreissende Wirkung verleiht. Es ist nichts 
zenszuständen von innerlichem Charakter ein Fremdes und Miihsames in ihnen, nichts von 
tiefes Leiden zu ergreifendem Ausdruck zu brin- dem Zwang der Arbeit, der aus der Bewältigung 
gen; aber nur sofern es den vernichtenden Mo- eines spröden oder widerstrcbenden Gegenstan- 
ment schon hinter sich hat, wie in der Maria im des immer noch hervorblickt. Auch nichts 
Ecce Homo und in der Kreuzabnahme, oder so- Gleichgiiltiges; keine von jenen Paradeiiguren, 
fern es demselben als Erwartung vorangeht, wie zu denen auch hervorragende Meister greifen, 
im Heiland im Gebet auf dem Oelbcrg. Die tra- um einem schwer zu belebenden Stoff wenigstens 
gische Katastrophe selber, den zerschmettern- durch schmiickende Ziithateii aufzuhelfen. Viel- 
den Eintritt des Schicksals, dies zu schildern ist mehr nehmen die Nebcnfiguren lebhaften An- 
dem Meister nicht gegeben. Es kann das son- theil an dem eigentlichen Vorgange und sind 
derbar erscheinen, da er in so hohem Grade rnitergriffen von der Seele desselben. Daher 
fähig ist, im körperlichen Leben die Bewegung haben die Heiligen, welche seinen Madonnen 
der Seele zu versinnlichen; doch ein Anderes ist beigegeben sind, weder ein aiifgeregtcs Schein- 
die Erschütterung des Geistes , welche mit ver- leben, noch jene stille, etwas einförmige Feier- 
nichtcnder Kraft in der Sinnlichkeit sich aus- lichkeit, welche bei den Florentinern sowol als 
spricht. Diese negative Seite der ErScheinung, bei den Venezianer-n nicht selten sich findet; 
welche das Tragische mit sich bringt, widerstrebt gebricht es ihnen bisweilen an männlicher 
seiner Natur. Würde, so hat das andere Gründe. Weiterhin 
So wenig er aber den Geist schildert, welcher Sllülnt Jenes ffßllß Leben l1_1 dlff Engßl 11ml 
dieErscheinung bricht, sowenig schildert er den- Gßlllßll MS, Wßlßlle Cßrrßgglß Sßlljün Göttern 
jenigen, der sie überragt. Das Grosse undlijr- und Menschen. beizugebcn fast niemals ver- 
habene gelingt ihm nur gelegentlich, als M0- sauint: bald einzeln, bald schaaremveise, je 
ment einer Darstellung, die ihrem Wesen nach nachdem es gilt ein stilles trauliches Lebens- 
anderer Art ist und nur nach einer Seite hin glück oder den Jubel des Himmels zu schildern. 
eine gewisse Feierlichkeit mitcrfordert. So in Dlßflß Elnllßlf des llllwltS, Vflelßllß in den Ver- 
den Aposteln und Evangelisten der Kuppeln zu schiedenen Gestalten verschieden, immer aber 
Parina. Und hier liegt das Grossc namentlich in nach dem Einen Grundtone wicderklingt, gibt 
der Kühnheit der Bewegungen, der Wucht der den Bildern eine geschlossene und eindringende 
Körperbildungen, weniger im Ausdruck der Be- Wirkung- 
geisterung, welche der himmlische Vorgang er- Leicht begreift sich, wie mit solchem Inhalte 
regen Soll- Illerln Welss Corrcäglo, W16 Wll 341 die übrigen Eigenschaften des Meisters nahe zii- 
der Domkuppel gesehen, die richtige Mitte, das sammenhangen. Die Freude des Lebens, welche 
ßflbrderllßllß Maß W11 Rllllß in der Bewegtllelt sich abseits hält sowol von dem gewöhnlichen 
 WOTÄIÜ Slßll MlClIGlQJUgQlQ S0 Wol Versteht  Kampf der Wirklichkeit als von den Konflikten 
nicht zu treffen. In der Beherrschung des Kür" eines die Welt tiefer erfassenden Geistes, hat 
pers ist er nicht minder gewaltig als dieser; einen zarten, einen weiblichen und idyllischen 
allein weit weniger vermochte er in den wuch- Zug; sie verzichtet auf die Strenge, aber auch 
tigen Formen die zwingende Macht einer grossen auf die Herbigkeit, welche das männliche Ele- 
Seele auszusprechen, einer Natur, die auch in ment in einseitiger Ausbildung mit sich bringt. 
heftiger Erregthcit ihre stille Tiefe bewahrt. Doch hat sie sich desshalb von der Welt nicht 
Daher ist es nur eine bestimmte Stiifenleiter abgewendet und Vßlßlllkl? nicht lll dlQ träume- 
von Empfindungen, die er vollkommen zum Aus? rische Ruhe selbstgcnügsamer Schönheit, Einen 
druek bringt. Freude und Lugl; des Du- durchaus weltlichen Charakter hat vielmehr 
seins, sofern sie in ungebrochener Erschci- 111639 Kunst, und (las Leben fßPSt Slß nlßllf 111 
Dung unbefangen sich ausprägt, von der Iloitep der Ruhe, sondern umgekehrt mitten in der B cf 
kcit stillen Genusses bis zum Jubel einer über Wegllng: und Zwar m d? Vollslien Fwlllelt 
das Irdische sich wegschwingentlen Seligkeit, derselben. gEbendesshalb bildet die Anmuth 
Wedel. im streite mit dunkeln Leidenschaften ein wesentlichcsMonicntihresCharakters. Freu- 
noch im Kontrast mit einer widerstrebenden dlg Clllpflllldellßs Leben, elfälsßl? 111 Sßlnßnlhßl" 
Wirklichkeit: das ist der Gegenstand seiner tefell Sflom VOII lnncn nach Aussen, darin es 
Kunst. Was seine Gestalten beseelt, ist zumeist 59111911 1141111113118 111111 der Welt Vefkllntlßt 11ml nllt 
nur dieses Glück des blossen Daseins; ein Le- freundlichem Entgegenkommen auch delhsprq, 
ben, das keine Noth und Anstrengung kennt de? 311111 fäewlllllti 1:135 Vßflllßßlltß Coffßgglo w"? 
und ohne errungen zu sein , ohne auf ein fernes kenÄZWelter zu Sßlllldelll- Kßlnßm Zlemli dahel 
Ziel hinauszuweisen, in sich selber und seiner S9 W19 1l1111 der Mßlßter der Anmuth zu heissen: 
Gegenwart befriedigt ist.  Indem der Meister Ein anderes Merkmal noch liegt nahe, das dlß 
dergestalt schildert, was in ihm selber als Em- Wirkung seiner Bilder wesentlich mitbestimmt- 
pündung des Lebens liegt, nimmt er zu seinen Es ist derReiz der äusserenErscheinungi
        

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