Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596710
 
das Dunkel auliösend, die reichen Lokalfarben ist. Seine Magdalena hat nichts mehr von der 
insbesondere der Gewänder glanzvoll (bisweilen Antike, Weder im Sßllnitii und Ausdruck des 
fast mit iibergrosser Kraft) heraushebend und Kopfes, noch in der bewegten Haltung, noch in 
doch wieder in den lichten schimmernden Ton der Gewandung, die in bieilißn, Voll hßißbwail- 
des Ganzen übel-leitend: diese Lichtwirkung ist lenden Massen behandelt ist. Antik ist an ihr 
so gewaltig, von so wunderbarer Wahrheit, dass nur, wenn man das Wort im weiteren Sinne 
man dem Bilde mit vollem Rechte den Namen; nimmt, das Freie, Flüssige der Gestaltung, die 
nDeI Tage gegeben hat. Der volle klare Tag keine Härte zuriicklässt, jedes Detail in das Le- 
scheint aus ihm und zwar mit seinem schönsten ben der Form auflöst und frei von jedem Zwang 
Lichte; der Name würde passen, auch wenn der Realität doch den mächtigen Zug der Natur 
Correggio sein Gegenstück, Die Nacht, nicht hat. Modern aber im besten Sinne ist diese wie 
gemalt hätte. Und die Wirkung ist diesmal um hingegossene Gestalt, voll Liebe und Reiz an 
so gröggef, 3,15 V91] 3,11911 Wgrken dgs Meigtgyg Llätß ChTiStkiIld SiOh schmiegend, llD Angesicht 
dieses das beegei-nnitene ist und uns den Zauber stille Lebensfreude und ein träumerisches Ver- 
vergegenwärtigt, den seine Bilder in ihrem nr- senktsein in das Glück dieser Stunde. Wie dabei 
Spl-üng-liohen Zustande gehabt haben die ganze Figur im Lichte schwebt und selber 
was aber den Eindruck vollendet, das ist der leuchtet, wie erstdadurch die Wirkung sich voll- 
Einklang, darin mit diesem Lichte die Anmuth endet, das iafsi sich nicht iiesciiieillien- 
der weiblichen Figuren, des Christkindes und  Als die Blnie dßi" Malerei, W18 nie den) unlie- 
der Engel steht, auch vom Meister selber in kei- ifiniipnen Beiichaiiei" iniinei eisciininen wird, ist 
nem seiner Bilder übertroffen. Im Knäblein, das iiiliiäänns (ließe Mdgilniena schon iiinilei angesehen 
wie reitend auf liIariajs Arm sitzt, volle Heiter- Wdidfn- S0 Sagt liiengs: "Qbgleich das ganze 
keit, kindlicher Uebermuth des Lebens in den Gemälde WdlidßIbM ISt, so ubertrifft doch der 
lieblichen Formen, darauf das Helldunkel für K011i deiiiidgdnlnnn alles Uebiige an Sniinnileiti 
sich schon ein zauberisches Spiel treibt; in der nnd Wni lässt sich Sagen, dass Wer 1_l1n nicht 513" 
Maria der holdeste Ausdruck seligerEmptindung. Seilen hat, nicht Weins, Wiß Weit die Knnnli der 
Doch das Auen ti-iii; zui-ügk gegen den nnnngbn- Malerei es bringen kannn. Nach seiner eklek- 
l-en Liebreiz der Magdalen a" Selbst ivel- von tlSGllOÜ  findet 81' dann däirin alle eigenthüm- 
Rom kommt und noch die Sinne erfüllt hat von lißllnn Vdiziige den Rafael, des Tizidn, des Gioi" 
den grossen Eindrücken, die er dort empfangen, gione, des Van Dynk: Gilidn Reni iinii P3010 
von den mannigfaltigen Schöpfungen, welche Veronese f obwol mit einer solchen Mischung 
dort auf ihrem günstigsten Boden und in ihrer ndtiiilidii nichts getiian Wäre  n-nsneidenl aber 
höchsten Blüte die Malerei getrieben hat; der Jene Zartheit und Annlnill, "Wnlnhß allein de? 
staunt vor diesem Bilde, tief ergriffen von der grnssn Cniinggln besitzt und die kein Anderer 
hinreissenden Anmuth dieser Gestalt. Und wcs- jemals nachzuahmen vermocht hat". Und wie 
sen Auge dabei unbefangen ist, der sagt sich: D8 BYOSSQS V0l' der Nacht. S0 rief Algtiidiii Vni 
das ist die Blüte der Malerei, und Schöneres ist dßY Magdalena Pins! "Verleihe 111i? dßl" Geist 
nie gemalt w0i-den_ Kein Bild des (jinqneeenio, RafaeFs, wenn Ich vor dieser liialerei ihm die 
auch die eintinisene Madonna, nicht, hat diese Treue breche und versucht bin dem Correggio 
eigenthiimliche, zugleich tief anziehende und zuzutiiistern: Du allein entzückst mich". In 
überwältigende Wirkung; und vielleicht ist uns diesemJahrh. hat es schon(lei-EnglänrlerWilkie, 
aus der Antike kein Erzeugniss griechischer Pla- einer der begabtesten Maler der Zeit und ein 
Stik von solcher Schönheit und solcher Vollen- tüchtiger Kenner, ausgesprochenl uDie liiagda- 
dung erhalten, als hier auf ihrem Felde die Ma- lena ist als Charakter, Farbe und Ausdruck das 
1erei,die Kunst derNeuzeit, erreicht hat. Wer da Vollkommenste nicht bloss von Correggids 
Bedenken hegemvergleichcnunderwiigcn wollte, Werken, sondern von der Malerei iiberhauptw. 
dasshierweder die Tiefe Leonardosnoch das har- Nicht unwesentlich tragt zu dem Eindruck des 
monische Gleichmaß Rafaefs, noch die Gewalt Ganzgndig Vollendete Angfüln-nng bei, die Frei- 
Michelangelds sei und diese Anmuth eine Schön- heit und Meigtei-snnaft der dem Maler eigenen 
iieiil lälßillefef Art darstellei dem ist für das Behandlung. Sehr richtig hat in dieser Hinsicht 
Wahre Wesen der Kunst das Auge verschlossen. Mengs das Werk beurtheilt: kein anderes Ge- 
Der begreift überhaupt nicht, dass in dieser mälde zeige neben einer solchen Impastirung 
lebenswarmen Mischung von Seele und Sinnlich- und einem so starkcnAuftratg eine solche Durch- 
keit, in dieser von Licht und Ton ganz verklär- siehtigkeit sowie diese Feinheit und Mannig- 
tcn Erscheinung die höchste Blüte des Maleri- faltigkeit der Haibtöfiß; Zdäleißil Sdien die F31" 
Sehen liegt. Und wie überall, wo sie das Höchste ben wie ineinander verschmolzen. Diese gleich- 
erreicht, so ist auch hier die Kunst ganz eigen- massige und doch nicht geglättete Behandlung 
thümlich. Das Verhältniss Correggids zur An- (in den hellen Fleischtönen dünner, in den tiefen 
iike werden wir später betrachten; allein schon Lokalfarbcn stiirkerimpastirt),welche überall saf- 
hier erweist sich, dass er, obwol von derselben tig und breit, das Ganze wie in Einem Gusse voll- 
berührt, von ihren bestimmenden Einflüssen weit endet, nirgends an materielle Hülfsmittel , noch 
freier als die Florentiner und Römer geblieben an technische Fertigkeit erinnert und doch 
M ey e r, Künstler-Lexikon. I. 51
        

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