Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596701
400 Antonio Allegri. 
1523 von einer Donna Briseide Colla von Parma, zu müssen. Auch wird Briseide jene Verfügung 
der Wittwe eines Orazio Bergonzi, um den Preis getroffen haben, bald nachdem das Bild in der 
von 400 Lire imperiali. So viel besagt wenig- Kirche aufgestellt gewesen, und dieses gleich 
stens ein Bericht, der sich nach dem Zeugniss nach derVollendung dahin gebracht worden sein. 
von älteren Schriftstellern im Archiv der Kirche Ueber die Geschichte des Bildes s.Verz. a) N0. 14. 
S- Anienie Abate Zn Perlne befand (S- Pllngi- Unter einem an Baumzweigen zeltartig aus- 
leoni, II. 209). Freilich war schon zu Tirabo- gespanntenrothenTuchesitztin blühenderLand- 
schi's Zeiten das Schriftstück verschwunden und schaft Maria (lebensgrosse Figur), das nackte 
nicht mehr aufzutreiben; daher wir als Bürg- Christkind im Arme. Zu ihrer Linken in halb 
schaft für die Existenz und Aechtheit desselben kniender Stellung Magdalena, an das Kind, des- 
nur jenes Zeugniss haben. Doch ist kein Grund sen Händchen in ihrem Haare spielt, sich an- 
an der so bestimmten Aussage und an ihren Ein- schmiegend, das Haupt auf seinen Fuss herab- 
zelheiten zu zweifeln. Weiterhin meldete der geneigt, den sie leicht mit der Hand stützt, wie 
Bericht noch, dass die Dame, da sie an dem fer- um ihn zu küssen; hinter ihr ein Knabe am Salb- 
tigen Werke grosses Gefallen fand, dem Maler gefäss riechend. Auf der anderen Seite der Jung- 
noch verschiedene Geschenke machte, die seinem frau und dem Kinde zugewendet der hl. Hiero- 
Wunsche zufolge in zwei Wagen Reissbündeln, nymus, eine kräftige Gestalt mit langem Barte, 
einigen Scheßeln Getreide und einem Schwein nur mit einem um die Lenden geschlungeuen 
bestanden. Diese Nachricht bezeugt die Einge- Tuche bekleidet, in der Linken ein Buch hal- 
schränktheit der bürgerlichen Verhältnisse, darin tend, das auch ein zwischen ihm und der Ma- 
wenn auch keineswegs arm Correggio lebte; ihm donna hervorsehender Engel erfasst hat und 
genügte eine solche materielle Zugabe zum aus- worauf der Christusknabe deutet. 
bedungenen Lohn für eine seiner schönsten Ar- Man sieht, die Erfindung ist unbedeutend, die 
heißen, Zn einer Zeit, WO die herVerragend-en Komposition ziemlich einfach und nur in der 
Künstler, auch den Greeeen und Vernehmen ge- Bewegung eigenthümlieh; und doch ist dieses 
geniiber, eine angesehene und bevorzugte Stei" Bild, selbst mit den ersten Meisterwerken von 
lung einnahmen. Uebrigens war der für das Ge- Rafael und Michelangelo gemessen, immer von 
nläide ansgemaßhte PreiS niehi gering; Tireßiw- durchgreifender und tief fesselnder Wirkung. 
schi berechnet ihn auf 80 Goldscudi , da damals Besonders diesem Werke gegenüber spricht An- 
5 Lire auf einen Sende gingen, Wen elleh ZnIn nibale Caracci in seinem Briefe an Lodovico 
Ansehieß der Zehinngen Stimmt, Weiche Cnrreg- seine hohe Bewunderung des Correggio aus; in- 
gie für Seine Fresken in S- Gievenni und iln dem er es mit der hl. Caecilia des Rafael ver- 
Dome empfing. Jene Summe ist fast das doppelte gleicht, die er kurz vorher gesehen hatte, findet 
derjenigen, Weiehe für Die Neehi gezahlt wurde, er den Paulus auf diesem Gemälde, der ihm zu- 
nnd gehörte Sehen in den höheren Preisen, erst als ein Wunder erschienen sei, neben jenem 
welche der Meister mit seinen Tafelbildern er- nschönen Greisen, dem hl. Hieronymus, geradezu 
Zieite- Die Zeit, de C- die Sehen 1523 an ihn hölzern und hart. Denn dieser sei gross und an- 
ergangene Bestellung enefiihrie, ideell Sieh nur muthig zugleich, und darauf komme es an. Das 
annähernd und nicht mit Bestimmtheit angeben. ist freilich über das Maß hinausgegangen; die- 
In seiner Ausgabe des Vasari berichtete Bottari sein Hieronymus fehlt doch Manches von dem 
(VII. 149), dass sich in Privatbcsitz ein Entwurf feierlichen Ernst männlicher Würde, der seine 
des Geihiiides Veni d- 1524 heiinde , woraus sich Grösse ausmachen soll, Charakter und Haltung 
also annehmen liesse, dass dieses nicht viel spä- streifen schon an's Zopfigc oder vielmehr man 
ter entßtenden Sei; doch ist die Angabe sonst merkt das Vorbild, das in den heftig erregten 
nicht verbürgt und bleibt daher zweifelhaft. und aufgebauschten Heiligen der Barockmalcr 
Pungileoni vermuthet, dass das Bild etwa 1526 vergröbert Wi8d8l'k6hl'i3. Der Hieronymus ist 
gemalt sei, weiss aber keine Gründe dafür anzu- eigentlich das Schwächste an dem Bilde. Für 
führen. Als die Dame Colla am 5. April 1528 Annibale machte unzweifelhaft die Flüssigkeit 
über ihr Eigenthum verfügte, vermachte sie die der Glieder, die Mannigfaltigkeit der Bewegung; 
Tafel der genannten Kirche S. Antonio Abbate, auch den Reiz dieser Gestalt aus, dann beson- 
für welche sie wol von Anfang an als ein Votiv- ders die Meisterschaft, damit sie gemalt ist. 
bild bestimmt gewesen und in der sie wahr- Bemerkte doch schon Vasari, wie sehr dieser "mit 
scheinlich schon vor jenem Datum ihren Platz stauncnswerthcr Manierw gemalte Hieronymus 
gefunden hatte. Sie wird also spätestens im An- von den Künstlern bewundert wurde. Allein in- 
fang des J. 1528 vollendet und, da nach jenem dem Caracci diese Gestalt hervorhob, weil er 
Schriftstücke der Meister sechs Monate damit auch in ihr das Leichte und Anmuthige der cor- 
zugebracht, spätestens im J. 1527 begonnen wor- reggesken Art fand, war es doch eigentlich der 
den sein. Da sie aber zu den Werken der aller- Zauber des ganzen Bildes, der auf ihn wirkte. 
besten Zeit Correggids, welche mit 1525 etwa Und der ist in Wahrheit so gross, dass man der 
beginnt, in jeder Beziehung zählt und die Ma- etwaigen Mängel gar nicht achten mag. Das 
donna des hl. Sebastian noch übertrifft, so glaube darüber ausgegosscne Licht, überall hindrin- 
ich sie injcne Zeit, in die J. 1527-1528 setzen gend, auch die tiefen Schatten noch aufhellend,
        

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