Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596638
Antonio illeägfrjl 
gedrängten Gruppen, die zudem auf das Freieste Correggio , soweit es möglich war, noch weiter 
bewegt sind, erscheinen Arme und Beine dieser in der Bewegtheit der einzelnen Gruppen und 
luftigen Geschöpfe derart ineinandergeschoben Gestalten. Das zeigt sich auch in den Aposteln 
undl gelljireuzt , fdasls bsie kainm noelh zu entwirren änd Genlilenlanhdem unteren gmlauf der Kuppel, 
sln  as ist rü emer 't wor enund hat zu eren eina mc an dem organ e der Him- 
jenem Mährchen Anlass gegeben, ein Theil der melfahrt doch nur ein festliches und? begeistertes 
Parmesaner habe mit einem Witzwort, das zuerst Beiwohiieii ier- Heftig erregt des Verziieklie 
ein Maurerlehrling aufgebracht, dies Durchein- Empereeiieilerr die Alle-eitel, riieiit bloße im Alle- 
ander von Gliedern scharf getadelt: Correggio driiek der Köpfe, Sendern auch die Körper, und 
habe in der Demknnpei niehts anderes gernnit lässt frei ihre losen Gewänder flattern; und die 
als ein Froschgericht (guazzetto di raue). Sogar geeeilmeidigeil Glieder in allen iiiiiiäiieileir Weii" 
weitere Folgen hat man später der Anekdote ge- düngen gelöst, verrichten die Genienknaben ihr 
geben; so erzählt De La Lande in seiner Italie- Qpiiereiiit- UeberiieuPr äelil? in der Kiiiliilieil? der 
nischen Reise (1765 und 1766), dass der Meister, Daregeiäiiiä diese Kuppel iieeii über diejenige 
um eben jenem Vorwurfe zu begegnen, die Figu- Wfn I- lieVerini liinnils- Nielll? mehr, Wie derr, 
ren in der Kuppel von S. Giovanni weit grösser, mit Veriiäitnieemäesiä Wenigen koiosse-ieii Pi" 
geringer an Zahl und übersichtlicher gehalten guren suchte der Meister eine grOSSG Wirkung 
1,sbe_ wir Wissen aber, dass diese Malereien zu erreichen, sondern mit den jubelnden unzäh- 
jenen im Dome vorangehen. Auch wusste die iiäeie ilieeeen der Engel lind rieiliäeii, Weleile 
Sage zu berichten, die Dornhcrren seien mit dem Marie iieäleiien und empiangen, während ganz 
Werke so unzufrieden gewesen, dass sie es noch allein in der Mitte des unendlichen Lichtraums 
vor seiner Vollendung hätten herabschlagen wol- der Erzengel ilir enlgegeneehwebt. Anf deut- 
len; als aber Tizian im Gefolge Karls V. durch liebe Unliiereeiieidiiiig der Figuren lind Gruppen 
(jon-eggio gekommen (was in das J_ 153g zu musste ier (in dem grosscn Mittelbilde) von 
setzen wäre) und gebeten werden sei, sieh die vornherein verzichtet werden, und das sicher hat 
Malerei anzusehen, da habe er, ganz entzückt mit Zii jenen! Vvrivurf des Froschgerichts den 
davon, die Geistlichen sofort belehrt, wie sehr Anlass gegeben; hier musste die Wirkung, ganz 
sie sich getäuscht hatten. Das wurde auch noch lnelerißell, dllreh die Licht- und Tonmassen er- 
{il ß11tlel'el' Wegldinnä erzählt: Tizian habe die zieit werden, während das Auge aus dem tau- 
armesaner au ie c önheit ihrer Domku el me nden Chor der Hunderte von schönen Gestal- 
erst aufmerksam machen miissen und dabei äliis- ten bald die eine bald die andere zu seinem Er- 
gerufen: nWenn Ihr sie mit Gold ausfüllt, so götzen sich aussuchen mag. _Denn kein Zweifel: 
habt Ihr nicht bezahlt was sie werth istß. Aechte die Anmuth, die Natürlichkeit dieser schweben- 
Kiinstler-Anekdoten, wenn auch wahr sein mag, den jugendlichen Körper fordert dazu heraus, 
dass Tizian die leresken gesehen und bewundert und die verschiedenartigsten Wendungen be- 
und andrerseits die Parmesaner nicht sehr davon schaftigen den Blick. Daher denn auch hier der 
erbaut gewesen. Widerstreit der bis zum vollen Schein der Rea- 
Undenkbar wäre nämlich nicht, dass die Par- lität getriebenen leiblichen Erscheinung mit dem 
mesaner , sei es aus kirchlichen Bedenken oder idealen Charakter der Vorstellung um so schär- 
aus jenem hausbackenen Sinn, den ihnen Anni- fer an den Tag tritt. Zu täuschender Sinnlich- 
bale Caracci eigens zuschreibt, an jenem unge- kcit schwellen und runden sich die Formen, und 
wohnten Gliederspiel und der kühnen ganz neuen einen fast berauschenden Eindruck machen in 
Darstellung des heiligen Gegenstandes Anstoss ihrer kühnen Bewegung die schimmernden 
genommen und demzufolge auch das Domkapitel Glieder. 
dem Meier ein gewisses Misefeilen ifezeiigtliiitlie- Allein der Zauber des Lichtes der sie um- 
Wenigstens scheint es zwischen beiden, wie wir spieit, gibt innen ihre reine Schdnneir zurüek_ 
noch sehen werden, wirklich zu Misshelligkeiten Noch heute se verderben das Biid ist hat es 
gekommen zu sein. Doch fehlt uns bestimmtere dadurch Seide gi-iisste Wii-kung_ Dies Leuchten 
Naeiirieili, 0b Sieh dieSe Iwf die lllßlerei Selber und Scheinen aller Gestalten auf hellem Grunde, 
bezegen Oder Vielleicht nur ililf gewisse Mndßli- das auch im Dunkel noch wiederzitternde und 
täten der Ansfiihrnng, darüber sich die Parteien in seinem wechselnden Flusse die Gruppen ver- 
nicht verständigen konnten. bindende Licht; das erst vollendet hier, wie in 
Hinsichtlich der monumentalen Anordnung ist S. Giovanni, die Darstellung. Es ist wie wenn 
diese Kuppel ebenso behandelt, wie diejenige in diesem leuchtenden Fleisch das Blut pulsirte, 
Von S. Giovanni. Auch hier das Durchbrechen und das Licht, in das Dunkel hineinschimmernd 
des architektonischen Raums und seine Erwei- lind eS durehdringend, über die Körper die 
ierung gleichsam zum Himmelggewölbe; dies Wärme des Lebens gösse. Unläugbar, auch in 
Jubelnde Gestaltenheer schwingt sich in eine diesem malerischen Schein ist ein sinnlicher Zug. 
Schrankenlnse Höhe auf- Ailell Zeigt die Anm-d- Allein diese lichtgetränkten Formen haben zu- 
nung eine gewisse Aehnlichkeit Doch ist hier gleich alles Stoifliche und alle Begierde abge- 
nech ein mächtigeres Fluthen und Strömen der streift, und die ausgelassene Lust der Bewe- 
frei schwebenden Figuren. Zudem ging hier gung ist geklärt und gemildert in dem rei- 
Meyer, Künstler-Lexikon. I. 50
        

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