Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596582
388 Antonio Allegri. 
zwei Altarbilder. Nach der Versicherung des Anordnung fehlte, die gesteigerte Kraft des Aus- 
Pater Resta wäre ihm auch die Ausführung des drucks ersetzen zu können; durch den Kontrast 
Gemäldes für den Hauptaltar zugedacht gewe- mit dem griiiilichsteu Untergang konnte der 
sen, dieselbe jedoch der Kosten halber unter- Ausdruck iibermenschlieher Verklärung doppelt 
blieben. In der That hat die Kirche seit dem wirksam sein. Hier aber zeigte sich, dass dem 
16. Jahrh. kein Hauptaltarbild besessen; allein Künstler die eigcnthiimlich christliche Empfin- 
wir wissen , dass den Aussagen Restas nicht zu dung, der fromme Aufschwung der Seele mitten 
trauen ist. Besass er doch gleichfalls zu dem in in der Abtödtung des Fleisches, ganz und gar 
Aussicht genommenen Gemälde den angeblichen fremd war. Offenbar war es ihm nicht darum zu 
Entwurf, der dann in das Kabinet Richardson thun, die Innigkeit eines Glaubenseifers, der 
übergegangen sein soll; was aber von diesen auch die Vernichtung überwindet, ergreifend zu 
Zeichnungen im Besitze Restals zu halten, ist schildern; nichts in seiner Natur trieb ihn dazu, 
schon früher bemerkt. noch lag es überhaupt in seinen Mitteln. Auch 
Jene Kapelle war von dem Benediktiner Don hier ist dem Maler die Schönheit der Erscheinung 
Placido del Bono, dem Beichtvater Paul's III„ im Grunde die Hauptsache; in reicher anmuthie 
gegründet und es ist nicht unwahrscheinlich, g'6l' Landschaft lässt er die tragische Szene Spie- 
dztss von diesem auch die beiden Altar-tafeln be- 1611, und über der Schönen Flavia, deren Haupt 
stellt wurden. Wenigstens ist kaum (lenkbar, am wallenden Ilaai- der Henker noch mehr zu- 
dagg sich Correggio aus eigenem Antriebe den riickzieht, schwebt mit Palme und Kranz ein 
Gegenstand der einen als VQrwurf gewählt haben lieblicher Engel. Nur ImCll ln0lll' tritt die Schön-- 
sollte. Beide belinden sich jetzt in der Galerie ileit hßPVW durch den Gegensatz des Todes- 
Zu Par-mah Die eine Stellt das Märtyrer-um m streiche, der dies blühende Leben trifft. Allein 
der h1,_ Pmciqus 11m1 F1 rrvia vor, die an- läugneu lässt sich nicht, dass hier für die Em- 
dere eine Pieta (beide auf einer Art von gro- ptindung ein Mangel bleibt und der Widerstreit 
bem Tiafelleinen gemalt). Bezeichnend ist, wie dieser Schönheit mit der grässlichen Vernich- 
der Meister in jenem Marterbilde die bll1tigeKa-. tung, der sie hiilflos anheimfallt, ungelöst bleibt. 
tastrophe behandelt hat. Die Legende meldet, Auch darin übrigens, in dieser Schilderung von 
dass Placidus, der Sohn des Patriziers Tiertullus, T011 und Pein christlicher Märtyrer, ist Corrcge 
früh von dem hl. Benedikt von Nursia für das giO Zum Vorbild für die spätere Kunst gewor- 
Evangelium gewonnen und herangebildet, dann den, sofern diese gleichfalls im Moment der Zer- 
für Ausbreitung desselben thätig, zu diesem störung und des Untergangs die Schönheit der 
Zwecke nach lylessina zog und (1011; ein Kloster Formen erst recht spielen liess. Nur suchte sie 
gründete. Ihm folgten, von gleichem ehristli- Zugieicii, iiiueui Sie iu iiei" Siiiiiuuiig der Gefäß"- 
chem Eifer getrieben, die Schwester Flavia, die reformation sich beivi-agtc, mit dem verziickten 
Gebrüder Eutychius und Viktorinus. Bald aber Ausdruck leidenschaftlicher Frömmigkeit mitten 
landete ein Schilf mit arabischen Horden, Welche 1m Schmerze einen besonderenEffekt.zu erzie- 
das Land verwüsteten und den Christen einen iuii-  Beiifiiiiiiui'iiiiWiii'iii_ist iVieiiW die maleri- 
entsetzlichen Tod bereiteten. Diesen galt es zu Seile Duiiiiiiiiiiiiiiig 1 auf" ii" iiimzeiue" V9" fälius" 
schildern, um den Schutzheiligen des Stifters Sei Wirkung, S0 Z- B- Wie Sißil die Gößiälit de?! 
D05 Placim, zu  Col-l-egg-iowählte von hinten gesehenen Henkers vom hellblauen 
daher den Moment, du placidus und Flavia um Grunde hell abhebt. Dabei ist an sich der Zu- 
ter den Henkerstreichen zusammensinken, nach- Saiiimemiiiiug iiei ieiiiiuiiiu" "u" "uuii iiuiCiiu-uß 
dem Eutychius und Viktorinus schon gelallen "iiii-i guiiuiiuue" Fuiiiiiiiiiiuß Vui" giiisuieii Reiz- 
sind. Allein so vortrefflich die Malerei ist: man  Wiiifeu "Chi und ilß- 
sieht sofort, dass hier der Meister nicht auf sei- "e" "iu  V0" iieiuilß; eS iSiS wieder dieser 
nem Felde war. Die l-lenkerskneehte  in einem Laub? "f" Gesiuiie": Weiche ii" Lichte SCiIWC- 
Phantzisiekostiim, das ihre Formen kräftig her- im"- i" diesem iuiiieu kleine-nie Zu atilmßil. Sich 
aushebt  thun ihre Arbeit wie ein gewohntes 7'" bewege" Sehe-im"- 
Gesehäft, und die Heiligen erleiden ihr Schick- Auch die andere Vorstellung, die der Pie ta, 
sal wie ein gewöhnliches Erlebniss, mit dem entsprach nicht ganz dem Talente Correggirfs. 
Ausdruck seliger Ergebung, wie wenn kein Das Bild behandelt nicht sowol den Leichnam 
Schmerz sie berührte. Mit durchbohrtcr Brust Jesu im Schoße der Maria als vielmehr den 
und geöffneten Armen scheint Flavia den letzten auf die Kreuzabnahme unmittelbar folgenden 
Todesstoss ruhig zu erwarten, das Antlitz ent- Moment. Den Ausdruck eines tieferen Seelen- 
ziickt nach oben gewendet, während Placidus leidens, eines tragischen Vorgangs, der die Be- 
mit klatfender Halswuntle unbeirrt dem zweiten troffenen noch heftig-erschüttert, aber doch schon 
Schlage entgegensieht; rechts, in den Rahmen in der Gegenkraft des duldenden Geistes ein 
hineingehend, die beiden Rümpfe und Köpfe der Gegeiifäewißiit iiudei, Vermüßiliö der Meißiei 
schon Enthaupteten. Die Doppelhandlung, die gleichfalls nicht ganz zu treffen. Correggio geht 
das Bild fast in zwei ganz gleiche Hälften theilt, hier umgekehrt in der naturwahren Darstellung 
zersplittert die Komposition; wodurch schon die des Schmerzes, insbesondere seiner physischen 
Wirkung geschwächt ist. Doch schien, was der Wirkungen im Einzelnenzu weit, wie z. B. in
        

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