Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596553
Antonioi 
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Meisterschaft jene Verkürzung aus der Unten- sich, selber wieder leuchtend, die Gestalten ab; 
sieht (tdi ccttc in sind durchgeführt, deren erste alle Schatten sind ihrerseits wieder erhellt und 
ausgebildete Beispiele Mantcgna und ungefähr durchleuchtet. Auf den vollen warmen Tonmas- 
gleichzeitig mit ihm Melozzo gegeben und deren sen der letzteren, namentlich in den Fleischpar- 
Gesetze, wie früher bemerkt, Correggio unzwei- ticen, beruht zu nicht geringem Theile die Kraft 
felhaft an den Werken des Ersteren studirt hatte. und Deutlichkeit der Wirkung. Wesentlich ist 
Keine Frage: dieser Schein leiblicher Natürlieh- überhaupt in dieser der feine warme Schimmer 
keit war da nicht recht am Platze, wo es sich der nackten Körper; welche unendliche Fähig- 
nm die Verklärung des Lebens in einem idealen keit der Hleilseiliieile Leib hat, des Lieni in sieii 
Momente handelte. Allzu sehr tritt in der Chri- aufzunehmen, in sieil feriwirken l erzittern nnd 
stusgestalt, in den auseinandergereckten Armen, Wieder aus sieh ieneiiien In ieeseil, hat kein Md" 
in den aufwärts gezogenen Beinen, welche die 1er besser gewusst, keiner mit grösserer Meister- 
Knie fast unmittelbar unter dem Leibe erschei- Schaft versinnlißiiil, als Cvrreagio- Denn die A11- 
nen lassen, die bloss körperliche Bewegung her- sehauung derVenezianer, welche im Fleische be- 
vor, die fast an den Seiltänzer erinnert; zugleich Senders die Warme Lekeiferne, die eigene eii 
kommt so in den Ausdruck des Aifekts eine Er- in's Tiefe spielende Gint hervorhebt? ist eine 
regtheit, welche der liehen Feierlichkeit desV0r- Wesentlich n-ndere- Uebernii ist Zngieien des 
gangs wider-streitet. Die Apostel, weniger eksta- Lieht gemildert, neen in seiner höchsten Kraft 
tisch, nur als begeisterte Zuschauer geschildert, Zerli ebgetiini, Wie endrerseiis des tiefste Dunkel 
hhhch chchdcsshaih cinc Schöhcrc Wirkung; noch in sich selber wlederzuleuehten scheint. 
Unläugbar ist in ihnen die Darstellung edler Des Heiidilnkeiindds den Meiiereienfiorreggieis 
hoher Männlichkeit dem Meister gelungen. Frei- einen so eigentindniiciifin Reiz Verielilii, ist hier 
lieh sind auch sie nicht ganz freizusprechen von mit dem feinsten Verstdndmes Zii seiner iidensien 
einer bis zur Virtuosität gehenden Bewegiichkcit Ausbildung gebracht. Damit hangt eng zusam- 
und mannigfaltigen Vielwendigkeit der Glieder. nidn dds kdrpdrildiie Hervortreten der Fignren, 
Ueberrlies hier gleichfalls kcinc Spur mchi. vch ihre Rundung, ihr Zuriiekgehen in die Tiefe, ihr 
der hergebrachten Würde kirchiichci. qiypcn, tiiusehendes Schweben im Raume, das Mengs 
wenig von dem Ausdruck rciigiöscr Stiiic und mit vollem Rechte bei keinem anderen Meister 
Innerlichkeit. Allein die Empfindung einer die S0 ausgesprochen fand- 
Seele tief ergreifenden Theilnahme, einer begei- Dergestalt geht auch hier die Darstellung bis 
sterten Erregtheit, die in einzelnen Gestalten bis zu voller Deutlichkeit, bis zum realen Schein des 
zur Verzückung geht, ist doch höchst lebendig Lebens, während sie doch andrerseits ganz iiber- 
ausgesprochen und gibt der bewegten Schönheit irdiseh, Phantasiegebilde, Mährehen ist. Noch 
der Körper ein geistiges Element. Fast durch- entschiedener sind die Gesetze des architekto- 
ans nackt sind die Apostel gebildet; die weni- uischen Raums aufgehoben, als in den Malereien 
gen Gewandstiieke, welche einzelne Theile mehr von S. Paolo. Alles geht in der Luft vor, dem 
umspielen als irerhiillen, heben nur noch mehr Himmel zu, auf Wolken, welche allein eine Art 
die Körperformen hervor. Eine Neuerung, darin von Basis fiir die Figuren bilden; in Wahrheit 
sich Oorreggio von der kirchlichen Ueberliefe- ist die Kuppel weggedaeht, und ein Himmel mit 
rung ebenso unbefangen lossagt, als er willkiir- zauberischen Gestalten schaut in die Kirche. 
iioh in den Malereien von S. Paolo mit den Ge- Bekanntlich ist diese Behandlung der Kirchen- 
Stalten der antiken Mythologie umgegangen war. malereien, insbesondere der Ausschmiiekung der 
Vollends ist im Spiel der Genien der Charakter Kuppeln, zum bestimmenden Muster fiir das 17. 
des Religiösen und Feier-liehen aufgegeben; fiir und 18. Jahrh. geworden. Man hat diese An- 
sie ist der ganze Vorgang nur eine Gelegenheit schaumig, welche sich der monumentalen Ver- 
Zu ausgelassener Kinderlust, die von der Gelen- bindung mit der Architektur iiberhebt, unbe- 
kigkeit der reizenden Glieder den vollsten Gc- dingt verworfen; nicht ganz mit Recht. Die 
brauch macht. Sie reiten auf den Wolken, bal- Kuppel hat einen ganz anderen Charakter als die 
gen sich damit, schweben bald darüber, bald horizontale Begrenzung; sie ist der Vorstellung 
darunter, scheinen sie zu tragen oder von ihnen des Himmelsgewülbes nicht fremd und will den 
getragen zu werden und spielen dahinter Ver- Eindruck des frei schwebenden Abschlusses her- 
steekens. Nach moderner Vorstellung liesse sich Verbringen. Dies bildet denn die Meierei, eiier- 
fast sagen, sie sind der Humor von der Sache; diilgs auf eigene Band, weiter aus und Öffnet 
denn sie sind dahinter gekommen, dass all das nun, die Steinschranken sprengend, die Kirche 
reiigiüs-ekstatische Wesen hier nur noch Spiel in die lichte Luft, fiir die gieieilsdlli eindringende 
und Schein der Schönheit ist" Ei" soienerdie- Schaar der himmlischen Gestalten. Damit gibt 
danke lag natürlich unserem Meister fern; aber sie freilich die Ruhe und Feierlichkeit architek- 
eine daran streifende Freiheit der Empfindung tonischer Anordnung preis und entfesselt ihre 
liegt doch hinter dieser Dnrnrcihmhh Figuren zu jener jnbelnden Bewegtheit, die der 
Zu seiner vollen Wirkung kommt das Ganze gemessenen Strdnge der eigentlich kirchlichen 
erst durch das überall hindringende, Alles um- Kunst wlderstreltet" 
schwebende Licht. Vom hellen Grunde lösen Erklärlich, dass jenesWerk die verschiedenste 
Meyer. Künstler-Lexikon. I. 49
        

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