Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596495
Antonio Allegri. 
und verehrend vor ihm niedcrsinkt, ist hier zur sind. Dennoch sind Köpfe und Haare und der 
blossen häuslichen Seene geworden. Leib des Christuskindes noch genugsam erhal- 
Noch findet sich in verschiedenen Wiedcrho- ten, um die ursprüngliche Farbenoberiiäche mit 
lungen eine andere Darstellung, welche sich dem dem weichen und fetten Impasto, die um die 
Kreise dieser Madonnenbilder durchaus an- weichen Umrisse zitternde Luft, kurz den gan- 
schliesst und daher wol in dieselbe Zeit fällt. zen unbeschreiblichen Reiz der schmelzenden 
Dabei ist nur zu beachten, dass man letztere. Behandlung des Meisters so wie den Zauber sei- 
CÜWaS willkürlich auf die Jahre 1519-1521 hc- nes Ilelldunkels zu erkennen. Auch die feinen 
schränkt hat; das eine und andere dieser Bilder Risschen , die ein Kennzeichen fast aller seiner 
mag auch noch in den Zeitraum der grössercn Bilder sind, fehlen nicht. Die Halbtöne und 
Malereien in S. Giovanni fallen. Im Allgemeinen Schatten sind, trotz aller erlittenen Unbilden, 
aber wird es richtig sein, sie vor jene grossen noch vorherrschend perlgrau und durchsichtig. 
Altartafeln mit thronenden Madonnen zu setzen, nDaS dritte Exemplar befindet sich in der Ere  
welche den Höhepunkt von Correggids Thätig- mitage zu St, Petersburg, Es ist zum Un- 
kcit bezeichnen. terschiede von den beiden andern auf Holz, was 
Jene Darstellung, die Jungfrau, welche im kein günstiges Vorurtheil erweckt, da die Ge- 
Begriife ist, das J esuskind zu stillen, dem mälde Correggids zur Mehrzahl auf Leinwand 
der kleine 'l'äufer Früchte darreicht, ist durch sind. In der Form ist es etwas schmäler und 
den treifliehen Stich von Fr. S pie re (s. N0. 201) höher als die zwei anderen, Welche fast quadrat 
allgemein bekannt, wird aber von den italieni- Sind- Auch llißl" ist es ein Engelchen, das dem 
Sehen Schriftstellern nur beiläufig erwähnt. Es Jesuskinde Früchte darbringt. Dieses Bild hat 
findet sieh nämlich nicht der geringste Anhalts- den Vorzug vollkommener Erhaltung und einer 
punkt dazu sie in das Leben des Meisters irgend- sehr reinen Uberliächc. Die Pinselführuni; ist 
wie einzureihen, und nur nothdürftig lassen sich auch hier schön und fett, hat jedoch nicht ganz 
aus einem sonst kaum gekannten Buche über das Nachgiebige, Weiche, llIarkige zugleich und 
Malerei (von 1652) die Besitzer einer solchen Seelenvolle, das Correggids Behandlung aus- 
Därstellung während eines kurzen Zeitraums im zeichnet; auch nicht so ausgesprochen ist hier 
1T. Jahrh. in Italien selber nachweisen. Ucber die vibrirende Atmosphäre, welche seine Gestal- 
keines der Bilder Uorreggids sind wir hinsicht- ten umzittert. Andrerseits ist doch kaum an der 
lich des Herkommens, der Geschichte, der Wan- Acchtheit des Bildes zu zweifeln. Und so mag 
derungen so wenig unterrichtet als gerade über sich das einigermassen Unbeseelte der Pinsel- 
dieses. Um so merkwürdiger, als drei Wieder- führung durch den Umstand erklären lassen, dass 
holungcn erhalten sind, welche alle drei gegrün- das Bild eine dritte Wiederholung Wärert 
deten Anspruch darauf machen von der Hand so Weit Münd1ep_ Auch Waagen (Gemälde- 
des iileisinrs ansäniiilni zu Snin- Jlfündlei, Wei" sammlung der Eremitage zuSt. Petersburg, p. 57) 
eher Gelegenheit llniin die drei Gemälde: Weiche zweifelt nicht an der Aehnlichkeit des letzteren 
an verschiedenen Enden Europas Sich bßiindßnw Gemäldes; er findet die Modellirung in einem 
i-iiiindlinil und bald hinter einander zu Sehen, feinen gebrochenen Ton höchst meisterlich. Er 
Schrieb mir darüber: sieht zudem in der Darstellungsweise viel Aehn- 
ßDas Eine, welches mir unbedingt als das 41118- lichkeit mit der Madonna des hl. Sebastian 
gezeiehnetste erschien und als Solches immer (s. unten),welche in das J. 1525 fällt, undmöchte 
lebhaft im Gedächtniss geblieben ist, sah ich in daher jenes Bild in dieselbe Epoche setzen. Doch 
Voilkßlnlnßnßißl Eilinlinng in den J- i842_44 scheint schon bald nach den zwanziger Jahren 
Zu Verschiedenen Malen in Rom bei dem portu- die Darstellungsweise des Meisters ungefähr die 
ä-Siesischen Grafen (J abra l, welcher damals mit gleiche gewesen zu sein. Für die Aechtheit des 
des Fürsten Torlonia Hülfe Bildergeschäfte trieb. PetcrsburgerBildes spricht noch der äussere Um- 
Iifh llßbß das Bild, S0 Oft ich hinging, immer als stand mit, dass es sich früher in der Sammlung 
eine nnzweiieliiafin Oiiginnisnliöliiiinä Cvrrßs- KarFs IV. von Spanien befand, dem auch, wie 
310i bewundern TniiSSCn- Mnn Vniinngin (lninßln wir gesehen, die Madonna della Cesta angehörte. 
W90 L. St. dafür. Höchst wahrscheinlich beiin-  Augauond b1eibt, dass Cerreggio dasselbe 
det es Sinn gegenwärtig in den Händen den Für" Motiv mit geringen Veränderungen dreimal gc- 
Sten Tori Onia Zn Rnnl- malt hat, während er doch die beiden Darstel- 
vDas zweite Exemplar ist dasjenige in der lungen der Vermälung der hl. Katharina ver- 
Galerie Esterhazy zu Pest. Bei diesem ist schieden komponirte und sonst in der Anord- 
alle dem Täufer ein Engelchen mit offenen Flü- nung seiner Madonnenbilder mannigfaltig war. 
gnlu geworden, welches in einem weissen Tuchc Indessen ist gerade dieses Motiv eines seiner 
dem Kinde kleine Birnen und Kirschen anbietet; reizvollsten, und das mag den Anlass zu Wieder- 
(lieses, von der Mutter Brust sich abwendend, holungcn gcgßbßll haben D335 es ihm auf die 
streckt begierig darnach das linke Acrmchcn Bedeutung des Gegenstandes, auf Wechsel der 
alle. Dieses Bild hat sehr gelitten, wie denn z. B. Erfindung und der Stoffe nicht ankam, wissen 
dlc rechte Hand der Jungfrau mit Arm und weis- wir ohnedem (s. Verz. a) N0. 25-27). 
sein Tuch auf der Brust vollständig neu gemalt Von grossem Reiz ist in der That dies mäd- 
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