Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596471
Antonio 95532; 
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sehaften entschieden gezeigt habe. Um so weni- 
ger aber ist in diesem Falle anzunehmen, dass 
das Madrider Bild das ursprüngliche Original sei, 
wenn man auch seine Geschichte, seinen Lauf 
durch verschiedene Hände von dem Hause der 
Ercolani aus bestimmt nachzuweisen versucht 
hat (s. Verz. a) N0. 21). Uebrigens die Frage nach 
der Aechtheit endgültig zu beantworten ist schon 
(lesshalb schwer, weil das Gemälde lange durch 
Uebermalung  die wahrscheinlich der blinde 
Eifer eines überkeuschen Besitzers, um die Blös- 
Sen der Magdalena etwas zu verhüllen, verschul- 
det hatte  entstellt war und dann durch die 
Ablösung derselben doch auch wieder gelitten 
hat. Der Schwächen halber, welche die Behand- 
lung zeigt, sind Passavant (Christliche Kunst in 
Spanien, p. 153) und Waagen (Jahrbücher für 
Kunstwissenschaft, I. 114) geneigt, es für ein 
Jugendwerk des Meisters zu halten; während 
Mengs es der anbetenden Madonna in den Flo- 
rcntiner Uflizien zur Seite stellt, die er für eines 
der geringeren Werke Correggids erklärt. Mit 
der Bewunderung Vasari's und Girolamds aber 
stehen diese Ansichten geradezu im Widerstreit; 
und dass es ein J ugendbild sei, dagegen spricht 
schon die freie, ganz gelöste Bewegung der bei- 
den Gestalten, von jener Erregtheit, welche die 
reifen Werke Correggids kennzeichnet. Auch 
finden Waagen und Passavant in der Zeichnung 
erhebliche Mängel, insbesondere in dem erhobe- 
nßn. die Berührung abwehrenden Arm Christi. 
Allein eben dieser Mangel macht-die Urheber- 
schaft Oorrcggids bedenklich. S0 frei dieser 
auch mit der Form oder vielmehr der Linie um- 
geht, er hat eine zu gründliche Kenntniss des 
Körpers und der Bewegung, um eine wirkliche 
Verzeichnung sich zu Schulden kommen zu las- 
sen. Andererseits ist der Profilkopf der Magda- 
lena von grossem Reiz, und das Fleisch zum 
Theil von jenem leuchtenden Ton, der dem Mei- 
Ster eigen ist. Entweder also muss man voraus- 
Setzen, dass das Bild in seinen schwächeren Par- 
tien stark gelitten und nur theilweise noch die 
Ursprüngliche Hand erkennen lässt; oder es ist 
die gute Kopie eines Schülers , der das Original 
in Einigem zu erreichen wusste, in Anderem 
Ilieht. Daher man denn auch auf den Gedanken 
gekommen, dass das Bild von C. zwar angefan- 
gen, von einem Schüler aber vollendet worden 
sei. Alles jedoch wol erwogen, möchte das Bild 
am ehesten eine alte Kopie sein. 
Aeeht dagegen ist jedenfalls die kleine das 
Christuskind knieend anbetende Ma- 
(lonna in den Ufiizien zu Florenz, welche 
Sicher vor die grossen Arbeiten in S. Giovanni 
lind nicht später als 1519 oder 1520 zu setzgn 
1st. Das Bild zeigt, so reizend es ist, die Eigen-  
Sfßllaften des Malers in etwas zaghafter Weise; 
5011011 Mengs fand die Malerei im Kopf und inl 
den Händen der Madonna schwächer, als sonst in 
den Werken Correggids; in der That ist im Ko-I 
lorit eine fast übergrosse Zartheit. Maria ist in 
M e! ß 1' . Künstler-Lexikon. I. 
ihrem Mantel eigenthüinlieh drapirt; von der 
Hüfte sich aufbauschend geht e1' sehlcicrartig 
über den Kopf herüber und dient dann noch mit 
dem einen herabfallenden Zipfel dem Christus- 
kindc zur Unterlage. Dieses Motiv, das man als 
(Erfindung Correggids angesprochen und geta- 
gdelt hat, ist nicht neu; es findet sich in Gemäl- 
iden der Florentiner und der Deutschen Schule, 
iauch in einem Bilde des Veronesers Girolamo 
dai Libri, ist aber hier, schon durch die beigege- 
benen Hirten, mit feierlicher Würde behandelt. 
Davon freilich ist in unserem Bilde nichts. Es 
ist wie ein liebcnswürdigcs Spiel, darin aller- 
dings dem reichen, sich bauschenden Gewande 
eine fast zu grossc Rolle übertragen ist; wie 
spielend wendet sich auch die lächelnde Madonna 
mit offenen Händen verehrend dem vor ihr lie- 
genden holden kleinen Geschöpfe zu; und gleich 
einer amnuthigen Idylle geht das Ganze in hei- 
terer Landschaft vor, darin sich mit der Schön- 
heit des südlichen Landes Theile einer klassi- 
schen Architektur wirksam verbinden. Das Licht 
ist insbesondere auf dem kleinen Christus und 
der Madonna gesammelt und tönt sich dann all- 
mälig in die Umgebung ab, fast wie wenn auch 
hier von den Figuren ein eigener Glanz aus- 
 strahlte und weiter sich verbreitend allmälig aus- 
klange. Das ist ganz in der Art des Correggio; 
allein der Ton ist von einer ungewohnten Blässe 
und entspricht dem fast allzu zierlichen Charak- 
ter der ganzen Darstellung. s. Vcrz. a) N0. 22. 
Weit entschiedener zeigt sich die Eigenthüm- 
liehkeit des Meisters in der sogen. Madonna 
 della Cesta (la Vierge au Panier) , gegenwär- 
tig in der Nationalgalerie zu London (s. Verz. 
a) N0. 23). Das Bild, über dessen Entstehung und 
ursprüngliche Bestimmung nur ganz Unsichcres 
überliefert ist, fällt jedenfalls später als die an- 
hetendc Madonna zu Florenz , wahrscheinlich in 
die erste Zeit der Malereien in S. Giovanni, also 
etwa in das J. 1520. Auch so noch scheinen 
beide Werke nahe zusannnengeriickt; allein, wie 
bemerkt, Correggio gelangte in rascher Entwick- 
lung, deren einzelne Stufen wir nicht verfolgen 
können, zu seiner eigenen Art, dieja auch schon 
in der Vennälung der hl. Katharina wie in den 
Fresken von S. Paolo ganz selbständige Schö- 
lafungen gab. Wol mochte in seinen jungen Jah- 
rcn auch nachdem noch ein Bild wie die kleine 
Florentiner Madonna entstehen, darin sich die 
eigene malerische Anschauung weniger energisch 
ausspricht; allein da er zu voller Meisterschaft 
schon gelangt war, konnte doch bald ein Bild 
wie die Madonna della Cesta folgen, welche auf 
eine nicht mehr schwankende Sicherheit hin- 
weist. Die Darstellung ist diesmal ganz einfach. 
Sie verläuft in dem stillen Kreise eines klein- 
häuslichen Lebens: die sitzende Maria, in einer 
Landschaft, neben sich einen Korb mit einer 
Scheere und Linnen (daher der Name des Bil- 
des), kleidet das auf ihrem Sehoosse sitzende 
Christkind an (d. h. sie hat ihm eben erst das 
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