Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596464
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[AntoniorAlflggpii 
auf das Laster bezügliche Darstellung, die sich 
nebst ihrem Gcgenstiicke im Zeichnungskttbinet 
des Louvre befindet. Von beiden wird noch die 
Rede sein. So fallt auch dieses Zeugniss dahin. 
Und hat überhaupt  wenn man der Aussage 
Dolccs eine gewisse Wahrheit zusprechen will 
 Correggio einmal jenen Gegenstand gemalt. 
so ist dieses Bild jedenfalls längst verschollen 
und hat nicht das (ileringste mit demjenigen des 
Herzogs Litta gemein. Von Letzterem findet sich 
izndem erst gegen 1700 sichere Kunde (s. das 
Verzeichn.). Schon die Komposition desselben, 
welche verschiedene Vorgänge zusammenfasst, 
erregt Bedenken gegen die Abstammung von 
unserenl Meister, der in der Darstellung eine 
Mannigfaltigkeit selbständiger Motive niemals 
anstrebt. Zudem hztt man schon früher, z. B. 
Tfirziboschi, bemerkt, dass die Behandlung mehr 
das Weiche und Volle hat, das der entwickelten 
Manier des Correggio eigen ist. Daher auch der 
Pater Resta, der zuerst von dem Mailänder Bilde 
berichtete, es fiir ein J ugendwcrk hielt und iiber- 
dies den blassgelben Fleischton für Uebermalung 
erklärte. Dass aber der Pater allezeit bei der 
Hand war Corregg'io's wo nur immer möglich zu 
finden, wissen wir schon. 
Mit mehr Recht wird dem Meister ein Bild im 
M a d r i d e r Mus eum zugeschrieben, das gleich- 
falls gemeinhin in das J. 1519 gesetzt wird: 
Christus, der als Gärtner der Magda- 
lena erscheint (Noli mc tangere). Wenigstens 
ist die Darstellung, wenn auch die Aechtheit des 
Gemäldes selber sich anzweifeln lässt, sicher als 
eine correggeske anzusehen. Merkwürdig und 
fiir die Auffassung unseres Meisters bezeich- 
nend ist der weltliche Charakter, mit dem er den 
Vorgang in Szene gesetzt hat. In reizender, 
baumreicher und gebirgiger Landschaft kniet 
Magdalena, mit reichen und wallenden Gewän- 
dern angethan, scheinbar noch ganz die schöne 
Sünderin, vor dem nicht minder schönen, mit 
leichter Seitenbewegung vorwärts schreitenden 
Heiland. Fast könnte man glauben, es sei jener 
andere Vorgang gemeint, da J enc, die viel ge- 
liebt und der Weltlnst noch nicht den Rücken 
gekehrt hat, mit beginnenderReue vor dem Herrn 
nieder-sinkt, wenn nicht im Hintergrunde der 
Engel im geöffneten Grabe und sonst alle Zei- 
chen auf den Moment nach der Auferstehung 
hinwiesen. Höchst wahrscheinlich lag dieselbe 
Darstellung dem Bilde zu Grunde, das Girolamo 
da Carpi, wie Vasari in dessen Leben erzählt, 
bei den Grafen Hercolani (oder Ercolani) zu Bo- 
log-na sah und das so grossen Eindruck auf ihn 
machte, dass er fortan das Studium Correggidä 
sich zurAufgabe setzte. Auch im Leben desAllegri 
erwähnt Vasari des Bildes, das so gut und weich 
gemalt gewesen sei, dass man es sich schöner 
nicht vorstellen könne ; woraus der Werth erhellt, 
den er dem Bilde beimass. Nicht minder deutet 
dessen überraschende und nachhaltige Wirkung 
auf Girolamo an, dass es die correggesken Eigen" 
fand schon Mengs in ihm nicht den Stil des Mei- 
sters, wenn auch die Komposition an diesen er- 
innerte; und dass C. es unfertig gelassen, ein 
Maler der venetianischen Schule es dann vollen- 
det habe, ist nicht anzunehmen.  Eine Ma- 
donna mit den vier Schutzheiligen von Parma 
erwarb der Herzog hielzi von M ai l an d als acht 
von dem llrIaler Baldrighi (s.Verz. b) No. 9) ; auch 
sie ist mehr als zweifelhaft. 
Bestimmter hat man in das J. 1519 ein Werk 
ganz eigener Art gesetzt, das hishoi- ziemlich 
allgemein fiir Zieht gegolten hat, allein nach 
Mündlwüs Ansicht (hmids-vlznftl. llllfftlunflzevrgy), der 
ich mich anschliesse, unserem Nlcister sicher 
nicht angehört. Es stellt auf einer Holztafel in 
kleinen Figuren die Raeh e. Apollo" s an Mar- 
syas und das Schicksal des Midas vor, bildete 
sehr wahrscheinlich den Deckel eines musikali- 
schen Instruments, etwa eines Klaviers und be- 
fand sich bis vor Kurzem im Palaste des Herzogs 
Litta zu Mailand (sVerz. b) N0. 34). Lange war 
die Aechtheit schon desshalb unbezweifelt, weil 
der Stich des Sanuto (s. Stiche No. 448, aus dem 
J. 1562 das Original als ein Werk des Correggio 
angibt und das Gleiche von Lod. Dolce, der in 
seinem Dialoge dei Colori (Venezia 17165. p. 51 
Rückseite) von dem Bilde spricht, behauptet 
wird; zwei Quellen also, die in das Hi. Jahrh. 
zurückgehen. Auch findet sich in dem alten In- 
ventar der Kunstschiitze, welche die Marchesa 
Isabella Gonzaga von Mantua bcsass, ein solches 
Bild von der Hand des Meisters erwähnt. Dage- 
gen urtheilt MThzdler: nDer Apollo und Marsyas 
ist unverkennbar aus der Florcntiner Schule, 
von bestimmter Zeichnung in scharfen Umrissen 
und von härtester Farbenwirkung, nicht unwahr- 
scheinlich ein für den Meister allerdings vor- 
treiiliches Werk des Rosso. Nur Unwissenheit 
und Gedankenlosigkeit konnten dies Bild so 
lange und so hartnäckig einem Meister zuschrei- 
ben, dessen Kunstweise im Ganzen wie im Ein- 
zelnen der gerade Gegensatz von alle Dem ist, 
was uns hier klar entgegentrittn. Für die Urhe- 
berschaft des Correggio scheinen allerdings jene 
verschiedenen Zeugnisse inis Gewicht zu fallen.  
Doch wir wissen schon, wie bald nach dem Tode! 
des Meisters über sein Leben und seine Werke! 
Fabeln umlieien; daher weder der Stich des Sa-Y 
nuto noch die Worte Dolce's an sich eine Beweis- 
kraft beanspruchen künnen. Nicht ebenso leicht 
scheint das Zengniss jenes Inventar zu ent- 
kräften; es ist kaum denkbar, dass in der aus- 
erlesenen Sammlung der Isabella Gonzaga, 
welche sich gerne mit den Meistern selber in: 
Verbindung setzte und direkt oder durch sichere 
Vermittlung ihre Bilder sich zu verschaffen 
wusste, ein falsch bezeichnetes Werk sich be- 
funden habe. Allein das im Inventar der Isa- 
bella Gonzaga erwähnte und als Gegenstück einer 
allegorischen Darstellung angeführte Bild ist 
dort fälschlich "Apollo und Marsyasu benannt; es 
ist vielmehr ebenfalls eine allegorische und zwar
        

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