Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596404
3111 
Antonio 
519531; 
'ter sich auch der Pater Ireneo Affe befand, die Befinden der schon kränkelnden Matrone; seit 
Fresken in Augenschein. Seitdem waren sie dem 1519 wurde sie bettlägerig. Ihre geistige Wider- 
allgemeinen Besuche wieder geöffnet. Affe gab standskrzrft aber, ihre Lust zu Welt, Leben und 
noch 1794 über die Darstellungen selber, ihre heidnischer Schönheit war ungebrochen. Es ist 
Geschichte und ihre Auffindung in einer eigenen sogar wahrscheinlich, dass sie ihren Wider- 
Schrift (Ragionamento etc. , s. Literatur"; aus- sachem zum Trotz ihre Zimmer in ganz welt- 
führlichen Bericht. licher Weise ausschmücken liess; die lateini- 
Auch der Zusammenhang, darin diese Arbeit sehen und griechischen Sprüche, welche an den 
(iorreggids mit dem Schicksal jenes Klosters Wänden zu lesen waren, zeugten von dem stol- 
und der Sittengeschichte jener Zeit überhaupt zen Bewusstsein ihrer Selbständigkeit und dem 
steht, hat ein besonderes Interesse.  Der Non- offenen Hohn gegen ihre Feinde (so über 
ncnorden von S. Paolo war reich begütert, seit dem Hauptbilde am Kamin, der jagendcn 
(1611 Zeiten FYlGdfiChiS II. mit allerlei VOYYGGll- Diayla) lprgh Plutarch; Igngm gladio 113 fodias, 
itcli ausgestattet, zudem durch Olllß Bulle GYG- Iiigighe (13,5 Feuer nicht an mit dem Schwerte. 
QOTYS Viii- iiiii unabhängig V0h ßißll Bischöfen Ausserdem: Jovis omnia plenzt; Sie crat in 
erklärt werden. Daher besassen seine Aebtis- fatig; Dii bene vertant; Omnia virtuti Der- 
Sinnen, immer aus alten Geschlechtern und auf via  Daher wurden auch die Motive zu 
Lebenszeit gewählt, fast iiifstiißilß Miwili, die den Malereien nicht der hl. Schrift, sondern der 
man hier wie überall benützte, um ein weltliches, griechischen Mythologie und der Antike über- 
von Reichthum, Genuss und Kunst getragenes haupt entnommen. Das war freilich damals bei 
Leben zu führen. Um so mehr sahen es die vor- der Zierde von öffentlichen und Privatgebituden 
nehmen Familien auf Besetzung jener Stellen ab. schon ziemlich allgemein der Brauch; für ein 
So entstanden mannigfacher Hader, Eifersucht Kloster aber doch immer seltsam. 
und Zwietracht, und in Folge dessen allerhand Diesem weltlichen Sinne, der die Bestelluni: 
Unruhen, die sich bis in die Stille des Klosters eingab, kam die Naturanhrge des Malers treff- 
erstreckten. Umsonst verhängten Julius II. und lieh entgegen. Von dem bewussten Gcgensatzc 
Leo X., um dem Unwesen zu steuern, die Klau- freilich gegen die kirchliche Strenge, welche die 
sur über alle Klöster in Parma; (iiß SChWCStOIIJ Aebtissin bewegte, wusste er nichts. Sicher hat 
beriefen sich auf ihre alten Vorrechte und Wßi- er sich über das eigenthümliche Verhitltniss, 
gerten den Gehorsam. Zu Corrcggids Zeit war darein Anschauung und Lebensweise der Re- 
Aebtissin von S. Paolo Donna Giovanna (erwählt naissance zum Katholizismus traten, sein Leben- 
15. April 1507), Tochter des Patrizier-s Marco lang keine Gedanken gemacht. Naiv und unbe- 
Piaecnza und mütterlicherseits aus dem Hause wusst war er, indem er immer einfach die Schön- 
dcr Bergonzi, dem schon die beiden Vorgitnge- heit und die volle Natürlichkeit des Lebens im 
rinnen (lGYGiOVäIlUiL, zwciprzrehtliebcnde Hauen, Auge hatte, ein geborener Heide. Ihm war der 
angehört hatten. Donna Giovanna aber verfuhr von der Acbtissin gegebene Vorwurf, ihr Gemach 
sofort, als sie ihre Stelle antrat, mit schranken- mit Szenen aus dem Jagdleben der Diana und 
loser Willkür und entfachte neuen Zwist, indem irgend passenden mythologischen Figuren zu 
sie die Verwaltung dcrKlostcrgüter der Familie schmücken, die angcmcssenste Aufgabe. Denn 
Garimberti, welche bisher dieselbe innegchabt, hier galt es leibliche Schönheit und blühendes 
entzog und einem ihrer Verwandten übertrug. Leben zu schildern in dem Reiz froher und un- 
Es kam zum Schlimmsten; ein (iiarimbcrti wurde befangener Bewegung. 
von dem neuen Verwalter und dem Bruder der Eigenthümlich, auch hinsichtlich der architek- 
AcbfiSSiH ßlTllßlTichi (iiis Kiostel" nach (1011 MiSSG- tonischen Anordnung, fasste C. seinen Vorwurf. 
thatern (lurtohsucht. Nur noch zu nahm die Aus- Denn wenn auch jene lilztlcrei in der Loggie des 
gelassenheit, als die Franzoscrl, naßhlißlll ihllßn Castello zu Mantua als brauchbares Muster ihn 
Mailand zugefallen, auch Parma einige Zeit be- zu seiner Erfindung angeregt hatte, so haben 
Setzt hihlmih Paul Hi. maßhtß endlich (liCSCII doch Komposition und Durchführung ihren eige- 
Aergernisscn ein Ehfiß- Näßil (16111 TOGO der nen Charakter. Uebcr dem breiten, vorsprin- 
Giovanna  so lange glaubte man es doch noch genden Kamin sehen wir auf denl Mantel dessel- 
hinausschieben zu müssen  wurde dle Klausur ben, der die Form einer abgestumpftcn Pyramide 
wirklich vollzogen,  hat, die lebensgrosse Diana, wie sie eben zur 
Giovanna liebte die Pracht und eine fürstliche Rückkehr in den Olymp nach vollbrachtcr Jagd 
Ausstattung der Räume, wie ihre Vorgängerin ihren reich geschnitzten Wagen bestiegen und 
Orsina. Baulustig, wie sie war, liess sie seit 1514 mit der ausgestreckten Rechten die Zügel ergrif- 
für ihren Gebrauch eine Anzahl neuer Gemächer fen hat. Schon rollt der Wagen, von zweiI-Iirsch- 
herrichten, nicht im Mindesten bcirrt durch die kilhßll, (ihren Hlnterbeiixe allein sichtbar sind, 
äusseren Unruhen und die Drohungen der Päpste. leicht gezogen, durch Wolken iiüchtig aufwärts. 
Ihr Architekt war Giorgio da Erbe, ihr Bild- Kaum scheint der eine Fuss der Göttin den Bo- 
hauel. Francosco da Grate, ihr Maler (vor (Jor- den verlassen zu haben, denn noch schwebt er 
reggio) Alcss. Araldi. Dass sie schon 1518 (J. fast ausserhalb des Wagens auf dem äusserstell 
zu seiner Arbeit berief, (lafür spricht auch das Rande, noch scheint sie erst mit dem anderen
        

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