Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596367
366 Antonio Allegri.  
 
Siro zurückverlangt wurden. Allein über ihr ziehen könne. Doch scheint schon damals das 
weiteres Schicksal und ihren Verbleib ist keine Original, in welchem Zustande immer, an seinem 
verbürgte Nachricht erhalten. alten Platze sich nicht mehr befunden zu haben; 
Noch soll in jenem Oratorium della Miserieor- jene Tafel war wahrscheinlich eine Kopie, die 
dia von der Hand des Meisters eine Herodias, auch Tirabosehi (s. unten) für das Original hielt. 
welche eben vom Henker das Haupt des Johan- Offenbar ist es dasselbe Bild, dessen Lanzi ge- 
nes empfängt, gewesen sein (s. Verz. b) N0. 81). denkt (IV. 64). Nach ihm stellte es die hh. Pe- 
Auch dieses Bild ist verschollen. trus, Margaretha, Magdalena und Raimund in 
Ebenfalls in das J. 1516 oder in das folgende einer schönen Landschaft dar. Es sei entweder 
fällt sehr wahrscheinlich ein Altargemälde für durch Kerzendampf geschwärzt oder mit einem 
die Kirche von Albinea im Gebiete von Reg- entstellenden Firniss absichtlich überzogen, spä- 
gio, dessen Kosten, der Ueberlieferung zufolge, ter vom Altare als unnütz entfernt und durch 
durch Beiträge der Pfarrkinrler bestritten wur- eine Kopie, auf der einige Veränderungen, er- 
den. Bestellt wurde unserem llIeister das Bild setzt worden. Lanzi glaubt, dass Tirabeschi irr- 
vom Erzpriester der Gemeinde, Giovanni Gui- tlliimlich diese Kopie für das Original gehalten, 
dotto Roncopb. Dass Correggio während der weil dieser an der Stelle der lllagdalenzf eine hl. 
Ausführung 30 soldi per Tag, ansserdem Kost Ursula erwähne, wie dies auf der Kopie der Fall 
und Wohnung erhalten habe, diese Nachricht sei. Das ächte Bild aber sei in die Hände des 
scheint nur auf einer Volkssage zu beruhen, Restaurators Antonio Armanno gekommen; die- 
Pungileoni führt (II. 109) eine Urkunde an vom sem sei es nach der mühsamen Arbeit eines gan- 
1-1. Okt. 1519, worin Antonio, der Sohn des Pel- zen Jahres gelungen den Firniss abzunehmen, 
legrino Allegri, bestätigt, für (las Altarbild an und das Bild (larauf so schön geworden, dass 
jenen Priester Johannes keinerlei Anspruch mehr die Fremden in Menge hßrbeieilten es zu be- 
zu haben, da er den Rest des Preises dafür mit Wundern. Was fernerhin aus diesem Bilde 
4 Dukaten erhalten. Wie aus einer späterenvUr- geworden, ist unbekannt, wenn es nicht dasje- 
kunde von 1647 erhellt (s. die Geschichte des nigß ist, das sich gegenwärtig in England im 
Bildes im Verz. a) N0. 18), stellte das Bild die Besitzt) C108 LOPd Ashburton belindet. Dies 
Geburt der Maria vor, Seit dem Ende des aber scheint insofern nicht möglich, als letzteres 
17. Jahrh. ist es verschollen. Gemälde nach Waagens Bericht (Treasurcs of 
Im J. 1517, wie es scheint, malte C. noch ein Art, U. 99) M18 der Sammlung Ercolani zu Bo- 
anderes Altarbild, das seinen Platz ebenfalls in logna stammt. s. Verz. a) No. 41 und b) No. es. 
einer Kapelle des oben erwähnten Oratoriunrs 130011 Wie dem auch Sei: das Bild bei Lord 
von S. Maria della Misericordia zu (J orre ggio Ashburton gibt uns jedenfalls eine Vorstel- 
fand. Dorthin liess es sein Besteller, Melchiorre lung von jenem Werke des Correggio, welches 
Fassi, bringen, da die Kirche S. Quirino, welche ihm Melchiorre Fassi bestellt hatte. Ob es nun 
nach dem Einsturz der alten im J. 1514 eben das Original sei, wofür Waagen und Eastlake 
neu erbaut wurde und für welche es nach einer (Materials, II. 233) es zu halten geneigt sind,  
Urkunde vom 16. Dez. 1517 (Pungileoni II. 93) oder eine der vielen Kopien, die davon gemacht 
bestimmt gewesen, erst nach 1550 vollendet werden und deren sich einige (nach Lanzi) auch 
wurde. Das Bild stellte eine hl. Martha vor- in Privathäusern zu Correggio befanden; die 
daher gewöhnlich kurzweg Die hl. Martha Stilmerkmale, welche es zeigt, stimmen mitden- 
genannt  in Gesellschaft des Apostels Pe. jenigen überein, welche Lanzi dem alten Bilde 
trus, der hh. Magdalena und Lconhard. Was zusprieht. Auch ist die Komposition dieselbe 
aus dem Bilde geworden, ob es wirklich noch wie in dem von Pungileoni erwähnten Werke: 
erhalten, lässt sich geschichtlich nicht verfolgen, nur werden in dem englischen Bilde die Heiligen 
Eine kaum glaubwürdige Nachricht, aber von für Petrus, Margaretha, Maria Magdalena und 
verschiedenen Seiten mitgetheilt, meldet; man Antonius von Padua ausgegeben. Es ist inso- 
habe die Tafel, damit sie nicht, gleich anderen fern von besonderem Interesse, als es dem Stil 
Bildern unseres Meisters zu Cerreggie, das der Madonna des hl. Franziskus noch nahe steht 
Schicksal erfahre geraubt zu werden, mit einem und somit ein weiteres Zeugniss gibt von jener 
Firnisse überzogen , der die Darstellung bis zur J ugendzeit des Schaffens, darin sich der Meister 
Unkenntlichkeit bedeckt habe. Diese That- mitten im Uebergange von seinen Vorbildern zu 
sache fand Pungileoni auch in der nicht unzu- S6inel' eigenen Art zeigt. Waagen bemerkt: 
verlässigen Chronik des Zuceardi erwähnt (Min vDas Bild ist in der That weit strenger in den 
S. Maria e il quadro del Correggio, ruinato perö Formen und dem Faltenwurf, weit dunkler in 
per timore fosse auch 'esso esportzttow). In einem den Schatten und den Lokaltöncn der Gewänder 
Briefe des Girolamo Collconi an den Consigliere als alle Malereien seines (Correggids) späteren 
Don Venanzio De Pagave vom 26. Juni 1776 wird Stils. Es bekundet in vieler Beziehung eine be- 
eineg Bildes mit dem hl_ Petrus und hh_ Jiing- merkenswerthe Aehnliehkeit mit der Altartafel 
{rauen gedacht, das noch in der Kirehe Sta Ma- des hl. Franziskus zu Dresden; beide sind in 
ria vorhanden, aber so von Firniss bedeckt sei, dem herkömmlichen Kireheustile und vcrrathcn 
dass es den Blick des Kenners nicht mehr an- den Einfluss des Franc. Francia, welcher in der
        

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