Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596286
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Antonio Allegri. 
Geschichte dazu erfunden hat (Indice del Par- 
nasso de' Pittori, p. 21). C. habe in den J. 1517 
-1520 (also gerade, da er schon der vollen Mei- 
sterschaft entgegcnging) in Rom die Antike stu- 
dirt, sowie die Werke von Rafael und Michel- 
angelo, und dann Rom im J. 1530 zum zweiten 
Male besucht. Resta wollte hicfür in seinen hand- 
schriftlichen Aufzeichnungen über Cfs Leben und 
Werke (an den Maler Magnavacca) rzwölf gültige 
Beweises beigebracht haben. Er berief sich dabei 
auf einige Zeichnungen nach Rafaefs Gemälden in 
den Loggien des Vatikans, die er von der Hand 
des C. zu besitzen vergab; auf ein Bild im Hospi- 
tale S. Brigida, welches er dem Correggio zu- 
schrieb; und auf eben jene Verwandtschaft sei- 
ner Malereien mit denjenigen des Mclozzo in der 
Apostelkirche in Rom. Wie man sieht, ist die; 
Aehnlichkcit dieser beiden Meister in den Ver-i 
kürzungeu schon früher zu dem Beweise für den  
römischen Aufenthalt (L's gebraucht worden.  
Allein wir wissen schon, worauf es dem Pater 
Resta ankam und wie geschäftig seine Ein- 
bildungskraft war für seinen Antonio ein er- 
höhtes Interesse zu erwecken. Soll ihm zufolge 
dieser doch nicht bloss in Rom Rafael kopirt, 
sondern in seiner Jugend, armselig und unbe- 
kannt, Italien durchzogen und an allen Haupt- 
orten nach den grossen Meistern studirt haben. 
Ein erbarmungswiirdiges Schauspiel, von dem 
auf die angeblichen Zeichnungen im Besitze des 
Paters ein um so helleres Licht fiel. Ergötzlich 
ist bei Tiraboschi des Nähcren zu lesen, zu wel- 
chen Mitteln schliesslich der gute Pater griff, um 
für seine Mährchen ein glaubwürdiges Zeugniss 
zu erhalten. Ein solches wünschte er, wie er 
desshalb an Bigellini, den Pfarrgeistlichen von 
Correggio, 1698 schrieb, von der Gemeinde die- 
ses Ortes, indem er den Wortlaut des Attestes, 
das eine Anzahl Bürger von Correggio im Namen 
aller Uebrigen unterschreiben sollten, gleich bei- 
legte. In diesem Schriftstücke sollte bezeugtl 
werden, dass die Gattin des Antonio einer N. N., 
welche dann neunzig Jahre alt geworden, von" 
der römischen Reise des Meisters erzählt, diese? 
als altes Miitterchen die Mittheilung einer ande- 
ren N. N., Welche dann gleichfalls zu hohen 
Jahren gekommen, gemacht habe, bis auf 
diesem Wege durch verschiedene ehrwür- 
dige Zungen greiser Häupter die Nachricht im 
J  169i) an den P. Resta gelangt sei. Doch 
scheinen die Väter der Stadt Correggio Be- 
denken getragen zu haben ein solches Zeug- 
niss auszustellen; es ist nichts davon bekannt 
geworden.  
Später-hin vertrat Mengs jene Ansicht von Cor-  
reggids römischer Reise, weil er seiner Art nach  
nur durch die Einflüsse der Antike, Rafaefs und  
Michelangelds die Entwickelung des Künstlers! 
zu so hoher Meisterschaft begreifen konnte. Er  
glaubte insbesondere in den Aposteln in der 
Kuppel von S. Giovanni das Vorbild Michelan-l 
gelo's wiederzuerkcnnen, und meinte, dass G. 
nur Studiums halber dort sich aufgehalten und 
 daher unbekannt geblieben sei. 
Allein dass sich C. nach Rafael und Michel- 
angelo weiter gebildet habe, dies anzunehmen 
scheint mir eben der Irrthum. So gründlich ver- 
 schieden ist die Kunstweise unseres Meisters von 
 der florentinisch-römischen Malerei sowie von 
der besonderen Art, womit diese die Antike in 
sich aufnahm, dass man umgekehrt schon daraus 
sehliessen könnte, G. habe Rom niemals gesehen. 
Er ist vielleicht der einzige Meister, der von der 
Kunst seiner grossen Zeitgenossemwelehe mit und 
neben ihm die eigentliche Blüte der italienischen 
Malerei bezeichnen, ganz unberührt geblieben, 
der seine eigene Weise ganz unabhängig davon 
ausgebildet hat. Was die Antike anlangt, so ist 
ein unmittelbarer Anschluss an dieselbe in ihm 
überhaupt nicht fühlbar; ihre Einwirkung hat er 
natürlich, indem er mitten in der Renaissance 
stand , mit empfunden und mit erlebt, als 
die Macht der vollendeten Schönheit, welche die 
neue Kunst von den letzten Fesseln befreite. 
Diesen allgemeinen Einfluss hat sie auf ihn ge- 
 habt. Dazu aber genügte die Vermittlung durch 
'die Mantcgna, sowie was er von Ueberresten der 
antiken Kunst zu Mantua und Parma zu Gesicht 
bekommen konnte. Im Besonderen aber hat er 
sich nach ihr weniger gebildet, als irgend ein 
 anderer Meister seiner Zeit. 
 Nirgends zudem findet sich eine Spur, welche 
 Oorreggio in Rom hinterlassen, nirgends ein Zei- 
lchen, dass die anderen Künstler von dieser An- 
lwesenheit gewusst hätten, mit ihm in Beziehung 
lgetreten wären. Es ist nicht anzunehmen, dass 
lunser Meister, der damals , als er Rom besucht 
haben soll, jedenfalls schon ein sehr tüehtiges 
'Werk geschaffen hatte, so ganz unbeachtet ge- 
blieben wäre. Diese vermeintliche Reise wird 
gewöhnlich in den Zeitraum zwischen Herbst 
1516 und Herbst 1519 eingeschoben; in jene 
Jahre, welche den Arbeiten Cfs in Parma voran- 
gehen und wenig Werke von seiner Hand hinter- 
lassen haben. Nun bezeugen aber endlich noch 
Taufbücher und notarielle Urkunden die Anwe- 
senheit des jungen Meisters in seiner Heimat 
Correggio am 4. Okt. 1516, am 14. Juli 1517, im 
Jan. und 17. März 1518; in dieser Zeit werden 
wir ihn ausserdem daselbst mannigfach beschäf- 
tigt, darauf noch vor der zweiten Hälfte des 
J. 1518 sich nach Parma begeben sehen. So ist 
die Zeit nicht abzunehmen, darin sein römischer 
Aufenthalt stattgefunden haben soll; denn von 
einer Reise von nur einigen Wochen oder weni- 
gen Monaten ist natürlich nicht die Rede. In 
der zweiten Hälfte des J. 1519 ging er dann seine 
Ehe ein, die ihn wenigstens während der ersten 
Zeit zu Hause festhalten musste.  
Wie schonvbernerkt, hat Pater Resta auch das 
lllährchen von der Anwesenheit unseres Meisters 
in Bologna zuerst aufs Tapet gebracht. Die Er- 
zählung schwebt vollständig in der Luft; die sie 
wiederholen, geben sich nicht einmal die Mühe
        

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