Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596259
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Wandmalereien auf den jungen Correggio muss 
entscheidend gewesen sein und jenen Trieb sei- 
ner eigenen Natur, das natürliche Leben bis zur 
Täuschung zu vergegenwärtigen, auf das Leb- 
hafteste erregt haben. Als sein unmittelbares 
Vorbild aber lassen sich geradezu die Malereien 
M1 der Decke erkennen. In der Mitte der Wöl- 
bung ist ein geöffnetes Rund gemalt, wie wenn 
hier der Himmel in das Gemach hereinsehaute, 
und mit einer Balustrade versehen, als ob die 
Decke wirklich einen solchen architektonischen 
Abschluss hätte. Von aussen, von der blauen 
Luft sich abhebend, blicken ein paar reizende 
Frauenköpfe über den Rand des Geländers herab; 
dagegen stehen auf dem unteren Gesims dessel- 
ben und innerhalb einige nackte Knäblein, in 
verschiedenen Stellungen bald von vorn, bald 
von hinten gesehen, während ein paar andere, 
wieder von aussen, die Köpfe durch das Gelän- 
der gesteckt haben, der eine davon jämmerlich 
weinend, weil er sich eingeklemmt hat und nicht 
wieder zurück kann. Das Ganze mit vollende- 
tem Verstäudniss und zu völliger Täuschung von 
unten nach oben verkürzt, so dass man z. B. die. 
über das Gesims vorragenden Fusssohlen des 
einen Kindes sieht und die wurstlichen Fleisch- 
schiehten der dicken Beinchen hart über einander 
liegen. Schon hier zeigt sich schlagend der Zu-i 
sammenhang zwischen den Werken Mantcgnasl 
und denjenigen Correggids in Parma. Auch diel 
Behandlung der Decke überhaupt ist in gewis- 
sem Sinne als Muster für den Letzteren bezeich- 
nend. Sie ordnet sich der wirklichen Architek- 
tur nicht ein, sondern lässt die Wölbung höher 
erscheinen als sie ist und durchbricht zudem in 
Jenein offenen Rund den geschlossenen Raum. 
Wir werden sehen, wie O. diese malerisch freie 
Behandlung der Decke zum Aeussersten treibt, 
Während sie doch hier, architektonisch behan-l 
(19115, dem Raume sich noch anzupassen wciss.  
Allein nicht bloss in der perspektivischen Ver-  
klirzung und in der Beherrschung der Form zul 
dlßsem Zwecke erweist sich hier Mantegna alsl 
{bis Vorbild unseres Meisters; sondern auch in! 
Jener heiter spielenden Auifassung, welche lä-l 
Chelnde Mädchenköpfe und gaukelnde Kinder in 
91116 Scene von eriistein Charakter naiv sich 
mlsehen lässt. Nur hat dieser Reiz bei Mantegna 
Q0011 eine gewisse Herbigkeit, wie auch seine 
ßßhandlung der Form eine strengere, plastische 
bleibt und er jene kühnen schwebenden Bewe- 
älllrgen noch nicht wagt, worin Correggio uner- 
äehopflich. ist. Doch erweisen sich auch die lie- 
sellllswnrdigen Genien über der Thüre, welche 
d? Webeud die 'l'afel mit der Inschrift halten, als 
lß deutlichen Vorboten der correggesken Putti. 
Noch eine andere, zum Theil erhaltene Decken- 
mßlcrei im Castello di Corte (deren seltsamer- 
Welßß, so viel mir bekannt, nirgends Erwähnung 
äifschieht und welche doch an die beste" Zeit des. 
Cmqllßcento erinnert) war jedenfalls schon zul 
orreggids Zeiten vorhanden und zeigt eine 
merkwürdige Verwandtschaft mit dessen Wer- 
ken im Nonnenkloster S. Paolo zu Parma. In 
der Wölbung einer Art Loggie, welche sich in 
demselben Stockwerk wie die Camera de" Sposi 
befindet, aber ihre jetzige Gestalt durch einen 
späteren Umbau erhalten zu haben scheint, ist 
leine Laube mit Medaillons gemalt, worin sich 
 nackte Knaben mit J agdgeräithe spielendbeschäf- 
tigen. Unter dem Einiiusse Mantegnals, viel- 
leicht von seinen Schülern, scheint auch diese 
Ornamentation gemacht zu sein. Es ist wol mög- 
lich, dass dieser Theil des Baus zu der sogen. 
Grotta gehörte, welche Isabella Gonzaga mit 
besonderem Reichthum ausstatten und schmü- 
cken liess. (Jarlo d'Arco (Arte di Mantova, II. 
135) berichtet, es sei von diesen Räumen nichts 
geblieben als ein Gemach, dessen Decke in der 
Weise Mantegnas gemalt sei, und eine Seite der 
von Säulen getragenen I-Iofhalle. Mir scheint, 
er kann damit nur jenen loggienartigen Raum 
gemeint haben. Dass M antegna selber seinerzeit 
in jener sogen. Grotta gemalt habe, ergibt sich 
aus einer Stelle bei Ralfaello Toscano und lässt 
sich vielleicht auch aus einem Briefe des Bischofs 
von Mantua an den Kardinal delle Rovere vom 
J. 1484 entnehmen (s. den Art. lllantcgna). Doch 
wie es sich auch damit verhalte: dass jene Dar- 
stellungen spielender Putti in den Medaillons der 
Laube in Correggio den ersten Gedanken ange- 
regt haben zu seinen Malereien in S. Paolo, ist 
im höchsten Grade wahrscheinlich. 
Auch sonst fehlte es in Mantua an Werken 
Mantcgnas nicht, nach denen er sich weiter aus- 
bilden konntc. Die Malereien in S. Andrea, in 
dem neueren Sehlosse (wo noch in der sogen. 
Scalcheria ein Rundbild an der Decke erhalten 
ist), die Fresken an des Meisters eigenem Hause, 
die Madonna della Vittoria waren sicher für Cor- 
reggio ebenso viele Gegenstände des Studiums; 
das bezeugt hinsichtlich der letzteren seine 
eigene Madonna des hl. Franziskus (s. untenll. 
Die Kunstblüte aber, welche mit Mantegna dort 
aufgegangen war, trieb auch nach seinem Tode 
noch fort, da die prachtliebentlen Gonzaga sich 
ihre Pflege auf alle Weise angelegen sein liessen. 
Im J. 1509 berief der Marchese Francesco, erst 
ein gewaltiger Kriegsheld, dann aber begierig 
sein Andenken durch die Kunst verherrlicht der 
Nachwelt zu überlassen, den Ferraresen Lorenzo 
Costa, der damals zu Bologna in grossem Rufe 
stand; auch waren für ihn ausser den Söhnen 
lilantegnas (von denen Lodovico schon 1509 
starb) die Monsignori thätig und etwas später 
Lorenzo Leonbruno, geborener Mantuaner, des- 
sen ganze Wirksamkeit in seine Heimat fällt, 
und ein tüchtiger Meister, dessen Gedächtniss, 
bei seinen wenigen erhaltenen Werken, erst 
neuerdings wieder hergestellt worden ist. Durch 
die Vermittlung des Oosta hat Correggio den 
Einiiuss des Franc. Francia wol auf's Neue erfah- 
ren; ein Einfluss, der sein Studium des Mantegna 
ergänzte, indem er in ihm die Fähigkeit für den 
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